PfadnavigationHomeDebatteArtikeltyp:MeinungRentenrefomDass die Beamten außen vor bleiben, treibt viele Bürger zur WeißglutStand: 29.06.2026Lesedauer: 3 MinutenKünftig soll die Rente an die Lebenserwartung gekoppelt und die abschlagsfreie Rente mit 63 abgeschafft werden. Der Vorsitzende der Rentenkommission, Frank-Jürgen Weise, sprach von einer „vernünftig ausbalancierten Lösung für alle Beteiligten“.Die Reformpläne der Rentenreform sehen für Jung und Alt unpopuläre Veränderungen vor. Nur die Staatsdiener sind nicht betroffen. Dabei ist ihre Altersabsicherung im Vergleich zur Rente üppig.Die gesetzliche Rentenversicherung soll neue Einzahler bekommen. Nach den Vorschlägen der Expertenkommission werden künftig nicht nur Arbeitnehmer, sondern auch Selbstständige sowie Politiker beitragspflichtig. Ein vergrößerter Versichertenkreis bedeutet mehr Geld im Topf, wie Bundesarbeitsministerin Bärbel Bas (SPD) es formuliert. Doch dass ausgerechnet die Beamten weiterhin außen vor bleiben, treibt viele Bürger zur Weißglut. Schließlich sehen die weitreichenden Reformpläne für Jung und Alt unpopuläre Veränderungen vor. Und die Altersabsicherung der Staatsdiener ist bekanntlich im Vergleich zur Rente üppig. Tatsächlich will die Rentenkommission die Beamten jedoch gar nicht verschonen. In Punkt 21 in dem 33 Empfehlungen umfassenden Gesamtpaket wird eine „Erwerbstätigenversicherung“, in die auch Beamte einbezogen sind, „als Idealbild der Alterssicherung“ bezeichnet. Außerdem fordert das aus Wissenschaftlern und Koalitionspolitikern bestehende Gremium, sämtliche früheren und jetzt anstehenden Reformen „wirkungsgleich auf die Beamtenversorgung zu übertragen“. Bund und Länder sollten die Zahl der Verbeamtungen drastisch senken. Was die Kommission allerdings zu Recht verworfen hat, ist eine sofortige Einbeziehung aller Beamten in die gesetzliche Rentenversicherung. Denn dann wären nicht nur die 1,8 Millionen aktiven Staatsdiener als willkommene neue Finanziers dazugekommen, sondern ebenso viele Pensionsberechtigte. Und damit hätte das Rentensystem Insolvenz anmelden müssen. Lediglich die neuen Beamten einzubeziehen, die horrenden Pensionslasten aber weiterhin beim Bund und den Ländern zu belassen, würde deren Haushalte ruinieren. Denn schon heute verschlingen die Ruhegehälter plus Beihilfe und Hinterbliebenenversorgung einen großen Anteil der Finanzmittel. Müssten für die neu eingestellten Beamten zusätzlich auch noch Sozialbeiträge geleistet werden, bliebe entsprechend weniger Geld für Investitionen oder Schulen. Lesen Sie auchSo richtig und wichtig das Endziel einer Erwerbstätigenversicherung ist – die Umsetzung benötigt realistischerweise zwei bis drei Jahrzehnte, bringt also nichts für eine kurzfristige Stabilisierung des Rentensystems. Denn in der Übergangszeit müssten die Beitragszahlungen der jungen Beamten in einen Sonderfonds fließen, aus dem die Pensionslasten von Bund und Ländern mitfinanziert werden. Einen entsprechenden Reformvorschlag haben die fünf Wirtschaftsweisen schon vor einigen Jahren ausgearbeitet.Die Koalitionäre täten in der Tat gut daran, sich neben der anstehenden Rentenreform auch die Beamtenversorgung vorzunehmen. Für die gesellschaftliche Akzeptanz ist ein Signal wichtig, dass die Politik endlich beginnt, die Privilegierung der Beamten im Alter abzubauen. Ansonsten wird in der Bevölkerung die anschwellende Wut auf die Staatsdiener jedes Verständnis für die Notwendigkeit von Sozialreformen abtöten. Es ist eine Frage der Gerechtigkeit, in dieser schwierigen Zeit jetzt allen Gruppen etwas abzuverlangen. Privilegien gehören abgeschafftIn der Vergangenheit hat es der Gesetzgeber versäumt, Rentenreformen stets zeit- und wirkungsgleich auf die Staatsdiener zu übertragen. Manche Bundesländer haben beispielsweise erst nach jahrelanger Verzögerung mit dem schrittweisen Einstieg in die Rente mit 67 begonnen. Auch steigen die Staatsdiener im Durchschnitt besonders oft vorzeitig und mit gedeckelten Abschlägen aus dem Erwerbsleben aus. Solche Vorzugsbehandlungen gehören abgeschafft. Lesen Sie auchDas Ruhegehalt für Pensionäre liegt überdies mit rund 70 Prozent des letzten Verdiensts so weit über dem Rentenniveau, dass dies ebenfalls für böses Blut sorgt. Allerdings wird in der Debatte oft übersehen, dass der Staat als „guter Arbeitgeber“ selbstverständlich eine Art Betriebsrente zahlt, die in den 70 Prozent enthalten ist. Die Rentenkommission nennt ein Sicherungsniveau von 70 Prozent jetzt als längerfristig anzustrebende Zielmarke auch für alle anderen Erwerbstätigen. Dabei setzen die Experten aber auf ein Drei-Säulen-Modell aus einer mit Kapitaldeckung gestärkten gesetzlichen Rente plus betrieblicher und privater Vorsorge. Andere Länder zeigen, dass dies realisierbar ist. Für das spät startende Deutschland ist der Weg dahin zwar weit, aber er lohnt sich.