PfadnavigationHomeRegionalesHamburgSozialbehördeWarum einem Rentner 58 Euro Pfand von der Grundsicherung abgezogen werdenVeröffentlicht am 09.01.2026Lesedauer: 3 MinutenEin Flaschensammler sucht auf einem Bahnhof nach PfandQuelle: picture alliance/dpa/dpa-Zentralbild/Fernando Gutierrez-JuarezEin 75‑Jähriger aus Altona sammelte Flaschen, um seine kleine Rente aufzubessern – doch die Stadt rechnete jeden Euro vollständig an. Der Fall eines einzelnen Rentners wird nun zum Politikum. SPD und Grüne fordern ein Umdenken der Verwaltung.Er wollte sich nur ein paar zusätzliche Euro verdienen – und sammelte dafür, wie geschätzt 1,2 Millionen andere Deutsche, Flaschenpfand. Doch für einen 75‑jährigen Rentner aus Hamburg‑Altona wurde der kleine Zuverdienst zum Problem. 58,25 Euro hatte er im September gesammelt, indem er Pfandflaschen aus öffentlichen Mülleimern zog. Weil seine Rente nicht reicht, bezieht er Grundsicherung im Alter und meldete die Einnahmen aus dem Pfandsammeln ordnungsgemäß beim Bezirksamt. Wie das Straßenmagazin „Hinz & Kunzt“ in seiner Januarausgabe berichtete, wurde ihm die gesamte Summe daraufhin vollständig von der Grundsicherung abgezogen. Ein Widerspruch des Mannes blieb erfolglos. Die taz berichtete außerdem, dass ihm im Oktober erneut ein kleiner Pfandbetrag – 11,75 Euro – vollständig angerechnet wurde. Der Rentner bereitet nun eine Klage vor dem Sozialgericht vor, weil er sich durch das Amt in Altona ungerecht behandelt fühlt. Dazu trägt wohl auch bei, dass der 75-Jährige in mehreren anderen Sozialämtern angefragt hatte, um deren Umgang mit dem Anrechnen von Flaschenpfand zu erfragen. Rund die Hälfte der antwortenden Verwaltungen habe ihm mitgeteilt, Pfandeinnahmen würden dort grundsätzlich nicht berücksichtigt, häufig mit Verweis auf den unverhältnismäßig hohen Verwaltungsaufwand.Lesen Sie auchDie Hamburger Sozialbehörde, die die Fachaufsicht über die Sozialämter der Hansestadt hat, erklärt auf Anfrage, der Bescheid sei nach ihrer Auffassung rechtlich korrekt gewesen. Ein Sprecher betonte, die Verwaltung sei verpflichtet, auch geringe Einnahmen zu berücksichtigen, sofern sie gemeldet werden. Das Sammeln von Pfandflaschen könne grundsätzlich als Einkommen gewertet werden, heißt es aus der Behörde. Zugleich verwies der Sprecher darauf, dass nach den Regeln des SGB XII, das die Rechtsgrundlage für die Grundsicherung im Alter ist, ein Teil kleiner Einkommen anrechnungsfrei bleiben müsse. Der Freibetrag liegt demnach bei 30 Prozent, gedeckelt auf 281,50 Euro pro Monat. Warum dieser Freibetrag im konkreten Fall nicht angewendet wurde, ließ die Behörde jedoch offen.In Hamburg sind nach Auskunft von Behörden keine weiteren Fälle bekannt, in denen Pfandeinnahmen derartig auf Sozialleistungen angerechnet wurden. Das betrifft sowohl die Grundsicherung im Alter nach dem SGB XII als auch den deutlich größeren Bereich der Bürgergeldbezieher nach dem SGB II.Lesen Sie auchDas Jobcenter team.arbeit.hamburg bestätigt, dass Pfandeinnahmen auch bei den Empfängern von Bürgergeld in aller Regel als Einkommen gelten. Kerstin Fechner sagte: „Im Grundsatz ist jedes Einkommen anzugeben und anzurechnen. Es gibt allerdings einen Freibetrag von 30 Euro je Erwachsenem in einer Bedarfsgemeinschaft.“ Gleichzeitig relativierte sie die praktische Relevanz solcher Fälle: „In der Praxis ist das bei uns kein Thema.“ Auch aus den Sozialämtern ist kein weiterer Fall wie der des betroffenen Rentners zu erfahren.Politisch hat der Fall dennoch Konsequenzen. SPD und Grüne in der Bezirksversammlung Altona planen, das Thema am 15. Januar im Hauptausschuss der Bezirksversammlung Altona zu behandeln. Die Fraktionen wollen erreichen, dass Pfandeinnahmen vom Bezirksamt Altona künftig grundsätzlich nicht mehr auf die Grundsicherung angerechnet werden. Außerdem sollen bereits erfolgte Kürzungen – soweit rechtlich möglich – rückgängig gemacht werden. Für den 75-Jährigen aus Altona wäre das wohl eine späte Genugtuung.juve
Sozialbehörde: Warum einem Rentner 58 Euro Pfand von der Grundsicherung abgezogen werden - WELT
Ein 75‑Jähriger aus Altona sammelte Flaschen, um seine kleine Rente aufzubessern – doch die Stadt rechnete jeden Euro vollständig an. Der Fall eines einzelnen Rentners wird nun zum Politikum. SPD und Grüne fordern ein Umdenken der Verwaltung.






