PfadnavigationHomePanoramaBaden-WürttembergRentner schreibt Beschwerdebrief an Finanzminister – und bekommt PolizeibesuchVeröffentlicht am 06.08.2025Lesedauer: 3 MinutenQuelle: Silas Stein/dpaWeil er für seine verspätete Steuererklärung 9,50 Euro Säumniszuschlag zahlen soll, schreibt ein Rentner einen Brief an Baden-Württembergs Finanzminister. Er legt mehrere Illustrationen bei. Zwei Monate später stehen Kriminalbeamte vor seiner Tür.Ein Rentner aus Baden-Württemberg hat Ärger wegen seiner Steuererklärung – aber nicht mit den lästigen Formularen oder einer hohen Nachzahlung, sondern weil er sich mit einem speziellen Schreiben über 9,50 Euro Säumniszuschlag beschwerte. Zwei Monate später stand plötzlich das SEK vor seiner Tür. Über den Vorfall berichtete zuerst die „Rhein-Neckar-Zeitung“ („RNZ“).Der 72-Jährige aus Heddesheim bei Mannheim sollte 9,50 Euro Säumnisgebühr zahlen, weil er seine Steuererklärung sechs Tage zu spät beim Finanzamt Weinheim eingereicht hatte. Um sich darüber zu beschweren, schrieb der Senior Anfang Mai einen Brief. Den andressierte er aber nicht an die örtliche Behörde, sondern direkt an Baden-Württembergs Finanzminister Danyal Bayaz (Grüne).Er mache das immer so, sagte der 72-Jährige gegenüber der „RNZ“. So habe er bereits Ex-Bundeskanzler Olaf Scholz angeschrieben, als der noch im Amt war, ebenso Wirtschaftsminister Robert Habeck und Finanzminister Christian Lindner. Von allen habe er Antworten erhalten. „Und vor allem: Keiner hat mir die Kripo auf den Hals gehetzt.“Denn genau das passierte diesmal. Anstatt einer Antwort erhielt der Rentner zwei Monate nach seinem Brief Besuch von der Kriminalpolizei. „Sie sollten prüfen, ob ich ein ‚Staatsfeind‘ bin oder ob ich die freiheitlich-demokratische Grundordnung gefährde“, berichtet er. Die ganze Aktion sei völlig überzogen und unangebracht gewesen, findet der Mann. „Leben wir noch in einer Demokratie? Besteht noch Meinungsfreiheit?“Lesen Sie auchDoch was brockte dem Senior die Gefährderansprache ein? Er beteuert gegenüber der „RNZ“, sein Schreiben sehr höflich formuliert zu haben, ohne jegliche persönliche Beleidigung des „Sehr geehrten Herr Dr. Bayaz“. Geklagt habe er lediglich über „fehlendes Fingerspitzengefühl“ des Gesetzgebers angesichts der Säumnisgebühr bei einer nur sechs Tage verspäteten Steuererklärung. Einmal sei von „Zwangsmaßnahmen“ die Rede gewesen, denen „der kleine Mann“ hilflos ausgeliefert sei, während größere Steuersünder („CumEx“) ungeschoren davonkämen.Lesen Sie auchDazu legte er seiner Beschwerde zwei Illustrationen von Duell-Szenen bei, die er mit den Begriffen „Strauchdiebe und Wegelagerer“ betitelte sowie ein Foto von zwei als Ritter verkleideten Personen, die der Senior mit „Raubritter“ beschrieb.Ministeriumssprecher bestätigt VorfallEin Sprecher von Finanzminister Bayaz bestätigt, dass es einen solchen Polizeieinsatz aufgrund des Briefs gegeben habe. „Das Finanzamt hat den Brief an die Polizei weitergegeben.“ Grundlage dafür ist offenbar eine Handreichung für Mitarbeiter der Steuerverwaltung, nachdem es im Reichsbürgermilieu 2022 bei einem Einsatz zu Schüssen auf Polizeibeamte gekommen war. „Die Gefahr durch manche Reichsbürger ist also sehr reell“, so der Ministeriumssprecher gegenüber der Zeitung.Allerdings sei der Auslöser nicht der Inhalt des Briefs gewesen, sondern die beigelegte Zeichnungen. Eine zeigte laut dem Sprecher „eine Art Duellszene“, bei der eine Person erschossen würde.Der Rentner hält von dem Vorgehen der Behörden wenig. Um aus seinen beigelegten Illustrationen eine Bedrohung für die Mitarbeiter abzuleiten, gehöre „eine gehörige Portion Fantasie dazu“. Dabei habe er lediglich die Bereiche „Raubritter, Strauchdiebe und Wegelagerer“ darstellen wollen. Dieses „Duell“ endete für beide Seiten dann doch noch versöhnlich. „Im konkreten Fall war es rückblickend überzogen, dieses Schreiben an die Polizei weiterzugeben, auch wenn ihm ein fragwürdiges Bild beilag“, äußert sich der Ministeriumssprecher rückblickend. Er habe persönlich mit dem 72-Jährigen telefoniert und ihm gegenüber sein Bedauern über den Polizeibesuch ausgedrückt. Auch mit dem Amtsleiter des Finanzamts Weinheim habe es inzwischen ein „insgesamt angenehmes“ Telefonat gegeben, berichtet der Senior. Er habe noch einmal versichert, dass seine Bilder scherzhaft gemeint waren, „aber mein offensichtlich schwarzer Humor falsch angekommen“ sei.saha
Baden-Württemberg: Rentner schreibt Beschwerdebrief an Finanzminister – und bekommt Polizeibesuch - WELT
Weil er für seine verspätete Steuererklärung 9,50 Euro Säumniszuschlag zahlen soll, schreibt ein Rentner einen Brief an Baden-Württembergs Finanzminister. Er legt mehrere Illustrationen bei. Zwei Monate später stehen Kriminalbeamte vor seiner Tür.






