PfadnavigationHomeDebatteArtikeltyp:MeinungNach MaduroDas Szenario, das den Westen stärker machen könnteVeröffentlicht am 09.01.2026Lesedauer: 3 MinutenDie US-Militäraktion in Venezuela hat die Lage an der Grenze zu Kolumbien verschärft. Betroffene berichten von willkürlichen Festnahmen und Gewalt durch das Regime in Caracas. Steffen Schwarzkopf berichtet.Bürgerkrieg oder blühende Landschaften? Die venezolanische Zukunft liegt zwischen zwei möglichen Extremen. Im besten Fall profitieren von Trumps Eingreifen am Ende fast alle – mit einer bedeutsamen Ausnahme.Ja, das Vorgehen der USA bei der Verhaftung des illegitimen Machthabers Nicolas Maduro wird von einer Mehrzahl der Völkerrechtler als widerrechtlich eingestuft. Aber nach all den Jahren von Folter, Mord, außergerichtlichen Hinrichtungen und Massenflucht aus Venezuela darf nun auch mal Träumen erlaubt sein. Denn bei den denkbaren Szenarien zwischen Bürgerkrieg, Kolonie und blühenden Landschaften ist vor allem Letzteres die spannendste Option für uns Europäer.Man stelle sich einmal folgende venezolanische Zukunft vor: Der linksextreme Diktator verschwindet endgültig von der Bildfläche und verbringt den Rest seines Lebens dort, wo er hingehört: in einer Gefängniszelle. Leider nicht in Den Haag, sondern in den USA.Nach einer Phase der Stabilisierung gibt es in sechs Monaten Neuwahlen, so dass Donald Trump bei den Midterm-Wahlen eine demokratisch legitimierte Regierung unter Friedensnobelpreisträgerin Maria Corina Machado in Caracas präsentieren kann. Die derzeit wegen Trumps Migrationspolitik enttäuschten Latino-Wähler schließen wieder ihren Frieden mit dem Präsidenten. Ein Teil der Exil-Venezolaner kehrt zurück und hilft beim Wiederaufbau. Da sie ihre Erfahrungen überwiegend in marktwirtschaftlichen Ländern gesammelt haben, werden sie zu einer wichtigen Stütze der sich erholenden Volkswirtschaft.Lesen Sie auchDie Amerikaner investieren massiv in die Infrastruktur der am Boden liegenden Öl- und Gas-Industrie sowie in die maroden Stromnetze. Die Venezolaner entdecken, dass – anders als man ihnen seit zwei Jahrzehnten erzählt – die „Gringos“ auch tatsächlich anpacken und nicht nur Sprüche klopfen. Und sie fragen nach, wo denn die 62 Milliarden US-Dollar geblieben sind, die die Chinesen dem Maduro-Machtapparat als Kredite für das venezolanische Öl gegeben haben. (Genau, nicht nur die Amerikaner wollen das venezolanische Öl.) In den Krankenhäusern, dem Straßenbau, dem Bildungssystem, der Ölindustrie und der Stromversorgung sind Pekings Kredite jedenfalls nicht zu spüren. In der Einsamkeit seiner Zelle in New York bemerkt Maduro, dass er vielleicht verraten worden sein könnte und lüftet das Geheimnis des Verbleibs der chinesischen Gelder. Und bringt damit andere Diktaturen ins Wanken.Die Ölindustrie beginnt wieder zu funktionieren und spült Geld in die Kassen – und zwar der Amerikaner und der Venezolaner. Auch die Brasilianer von Petrobras mischen jetzt mit. Dafür bleibt die Kasse der Hisbollah, der Hamas oder der iranischen Mullahs leer. Sie alle beobachten derzeit voller Entsetzen, wie eines ihrer wichtigsten Unterstützernetzwerke zusammenbricht. Durch die neue Ölmacht der Amerikaner sinkt weltweit der Ölpreis, und den Russen gehen allmählich die Finanzen für den Ukraine-Krieg aus.Zu schön, um wahr zu sein?Weil Venezuela alle politischen Gefangenen freilässt und eine legitime und demokratische Regierung bekommt, wird die Suspendierung Venezuelas im südamerikanischen Staatenbündnis Mercosur aufgehoben. Und weil inzwischen der EU-Mercosur-Freihandelsvertrag unterschrieben ist, können sich die Europäer nach dem russischen Ausfall über einen zuverlässigen und günstigen Energielieferanten und Handelspartner freuen. Der wiederum ist wegen des einsetzenden wirtschaftlichen Aufschwungs an europäischem Maschinenbau und Knowhow interessiert und kann nun zollfrei einkaufen. Umgekehrt entdecken die Europäer das landschaftlich traumhaft schöne Venezuela als neues Reiseziel. Die Tourismusindustrie wird zu neuem Leben erweckt.Sicher, das klingt alles zu schön, um wahr zu sein. Und sehr wahrscheinlich ist es das auch. Aber nach dem Horror der letzten venezolanischen Jahrzehnte darf man auch mal ein bisschen träumen.
Nach Maduro: Das Szenario, das den Westen stärker machen könnte - WELT
Bürgerkrieg oder blühende Landschaften? Die venezolanische Zukunft liegt zwischen zwei möglichen Extremen. Im besten Fall profitieren von Trumps Eingreifen am Ende fast alle – mit einer bedeutsamen Ausnahme.











