PfadnavigationHomeRegionalesHamburgIntegrationEin Wohlfahrtsverband für Muslime? Keine gute Idee, urteilt der Ex-AntisemitismusbeauftragteVeröffentlicht am 07.01.2026Lesedauer: 3 MinutenDie geschlossene „Blaue Moschee“, das Dach des Islamischen Zentrums Hamburg e. V., wurde trotz Kritik lange von der Schura als Mitglied geduldet.Quelle: Bertold FabriciusVom interkulturellen Kita-Angebot über religionssensiblen Pflegedienst bis zu muslimisch getragenen Beratungsstellen: Der Rat der islamischen Gemeinschaften Hamburg wagt einen neuen Anlauf für einen muslimischen Wohlfahrtsverband.Vorstöße und Überlegungen gab es in der Vergangenheit immer wieder, nun kommt die Idee erneut auf: Könnte es sie bald geben, eine „Muslimische Diakonie“ oder eine „Islamische Caritas“? Der Rat der islamischen Gemeinschaften in Hamburg, die Schura, hat einen neuen Vorstoß zur Gründung eines muslimischen Wohlfahrtsverbands unternommen. Er soll existierende Initiativen – vom interkulturellen Kita-Angebot über religionssensiblen Pflegedienst bis zu muslimisch getragenen Beratungsstellen – unter einem gemeinsamen Dach vereinen. Auch im Bereich der Familienberatung und der Jugendarbeit sähe man Potenzial, sagte Lena Çoban von der Schura Hamburg, wie der NDR berichtete. Mit Gründung eines karikativen Anbieters solle eine Lücke geschlossen werden.Lesen Sie auchDoch ist ein zusätzlicher religiös gebundener Wohlfahrtsverband tatsächlich erforderlich? Diese Frage wirft Hamburgs ehemaliger Antisemitismusbeauftragter Stefan Hensel in einem Facebook-Beitrag auf. Zumal sich die Schura aktuell auch wegen eines anderen Vorgangs erklären muss. Nach Recherchen von WELT zu bundesweiten alternativen Silvesterfeiern und dem Hamburger Event „Eroberung Mekkas“ mit teils islamistischen Rednern geriet die Schura erst unlängst in Kritik. Denn an der Veranstaltung nahmen neben dem Vorsitzenden der Schura, Fatih Yildiz, auch und der SPD-Bürgerschaftsabgeordnete Ali Kazanci in der Vahdet-Moschee als Gäste teil. Die Moschee ist Mitglied eines Dachverbandes, dem auch Organisationen der Schura angehören. Das wirft Fragen auf. Hat die Stadt mit der Schura einen Partner an ihrer Seite, der für dieselben Werte eintritt?Kritik an den Plänen des Rats der islamischen Gemeinschaften in Hamburg, einen muslimischen Wohlfahrtsverein zu gründen, kommt von Hamburgs ehemaligen Antisemitismusbeauftragten Stefan Hensel. In einem Facebook-Beitrag merkt er an, die von den Initiatoren benannten Tätigkeitsfelder würden in Hamburg bereits seit vielen Jahren von anerkannten Trägern der freien Wohlfahrtspflege abgedeckt. Hierzu zählten auch Einrichtungen, die fachlich qualifiziertes und mehrsprachiges Personal mit muslimischem oder migrationsgeprägtem Hintergrund beschäftigen. „Diese Strukturen sind etabliert, anerkannt und staatlich beaufsichtigt. Kultursensible Angebote bestehen bereits“, argumentiert Hensel, der zum Ende des vergangenen Jahres sein Amt niederlegte. Als Grund hierfür gab er neben dem immensen zeitlichen Aufwand auch die anhaltende Konfrontation mit Hass und persönlichen Angriffen an. Lesen Sie auchProblematisch findet er die Pläne der Schura auch vor dem Hintergrund, dass der Dachverband seit dem Terrorangriff der Hamas auf Israel am 7. Oktober 2023 verstärkt als politischer Akteur in der öffentlichen Debatte auftauche. So würden auf Veranstaltungen oder in soziale Medien Narrative verwendet, die Israel delegitimieren oder den Konflikt emotionalisieren, ohne sich eindeutig von antisemitischen Deutungsmustern oder der Gewalt extremistischer Akteure zu distanzieren. Hinzu komme, dass der Verband sich in der Vergangenheit nicht eindeutig von Mitgliedern distanzierte, die nachweislich verfassungsfeindliche Ziele verfolgten. Über Jahre hinweg habe sich die Schura öffentlich schützend vor die „Blaue Moschee“, also das Islamische Zentrum an der Alster, gestellt, obwohl die Sicherheitsbehörden es als bedeutenden europäischen Anlaufpunkt hisbollahnaher Einflussnahme einstuften.Vor diesem Hintergrund erscheine es aus politischer Sicht zumindest diskussionswürdig, ob der Aufbau eines eigenen Wohlfahrtsverbandes unter dem Dach der Schura Hamburg sinnvoll sei, so Hensel. „Wohlfahrtsarbeit ist kein wertneutraler Raum.“ Sein Fazit lautet: „Hamburg ist eine starke, pluralistische und weltanschaulich offene Wohlfahrtspflege wichtiger als zusätzliche religiös gebundene Sonderstrukturen.“ Eva Eusterhus ist Redakteurin im Hamburg-Ressort von WELT.
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Vom interkulturellen Kita-Angebot über religionssensiblen Pflegedienst bis zu muslimisch getragenen Beratungsstellen: Der Rat der islamischen Gemeinschaften Hamburg wagt einen neuen Anlauf für einen muslimischen Wohlfahrtsverband.






