Vor einem knappen halben Jahrhundert – genauer: im Jahre 1977 – war es noch möglich, einen Vortrag über Alexander Zemlinsky mit dem Untertitel „ein unbekannter Meister der Wiener Schule“ zu versehen. Rudolf Stephan, der damalige Ordinarius für Musikwissenschaft an der Freien Universität Berlin, stand damit ganz am Beginn einer der wenigen glücklichen Fälle, in denen ein Komponist nach und nach für das gängige Repertoire zurückerobert werden konnte. Ein gutes Jahrzehnt später fiel dieser Vortrag in Broschürenform in die Hände des Verfassers dieser Zeilen, den die Aussicht auf wiederzuentdeckendes Neuland aus dem Umkreis von Alban Berg und Arnold Schönberg derart elektrisierte, dass er sich entschloss, nach Berlin zu gehen und bei Stephan zu studieren.