PfadnavigationHomeICONISTModeLuxus in MännerhändenDie Liebe der Fußball-Stars zu extra-großen Taschen – vor allem von HermèsVeröffentlicht am 03.12.2025Lesedauer: 6 MinutenFußballspieler Jonathan Tah (M.) bei seiner Ankunft in Wolfsburg – mit Hermès-TascheQuelle: Getty Images for Volkswagen/Stuart FranklinLionel Messi bis Jonathan Tah: Immer mehr Fußballstars zeigen sich mit Luxustaschen. Besonders beliebt sind extra-große Modelle von Hermès. Woher die Begeisterung kommt, was das über das Männerbild in der Mode aussagt und welche Rolle ein modeaffiner Ex-Profi bei alldem spielt.Gerade erst gab Jonathan Tah sein Debüt als Kapitän der deutschen Nationalmannschaft beim Spiel gegen Luxemburg. Bei Mode-Liebhabern sorgte er schon kurz zuvor für Aufmerksamkeit. Bei der Ankunft in Wolfsburg zur öffentlichen Regenerationseinheit am 10. November erschien er mit einer Tasche, die vor allem Accessoire-Kennern auffiel – aber nicht etwa aufgrund greller Farben oder spektakulärer Formen, im Gegenteil: In hellem Beige, klassischem Schwarz und schlichtem Design besticht sie weniger mit Knalleffekten als mit „Quiet Luxury“-Charme.Die Betonung liegt auf „Luxury“, denn es handelt sich um ein Modell aus dem Hause Hermès, genauer gesagt um eine Reisetasche aus der „Haut à Courroies“-Linie, kurz „HAC“. Die ursprünglich für den Transport von Sätteln und Reitstiefeln erdachten Modelle waren die ersten Taschen der Marke, gelten als Vorläufer der 1984 erfundenen, nach Jane Birkin benannten Birkin Bag und werden auch als deren Original bezeichnet. Die optische Nähe ist groß. Zur Verwirrung (und Verwechslung) tragen auch Bezeichnungen auf Wiederverkaufsplattformen bei, wo beide Linien oft miteinander vermengt werden. Da ist dann schon mal von einer besonders großen Birkin Bag die Rede, wenn ein HAC-Modell zu sehen ist.Das ist auch aktuell oft der Fall, wenn über einen neuen Trend unter Fußballprofis berichtet wird. Die greifen derzeit nämlich besonders oft zu HAC-Modellen – berichtet wird dann aber über vermeintliche Birkin Bags in Spielerhänden. Social-Media-Nutzer weisen immer wieder auf den Irrtum hin. Ob nun Birkin oder HAC – beide stammen von Hermès. Und als Träger einer Tasche dieser Marke qualifiziert sich auch Jonathan Tah als Mitglied einer illustren und wachsenden Riege von Fußballstars, die auf den taschengewordenen Luxus setzen.Rekordspieler Lionel Messi erschien im September mit einer „Cargo HAC 40“ im Trainingslager des argentinischen Nationalteams. Rayan Cherki von Manchester City wurde Anfang November in Clairefontaine-en-Yvelines mit einem cognacfarbenen Modell gesichtet. Arsenal-Spieler Declan Rice teilte im August ein Bild von sich mit petrolblauer Tasche auf seinem Instagram-Account, Alexis Mac Allister vom FC Liverpool tat es ihm kürzlich mit Fotos seiner selbst samt großer Hermès-Tasche in Taubengrau gleich. Eduardo Camavinga, Ibrahima Konaté, David Alaba – die Liste der kickenden Hermès-Fans ist, auf den ersten Blick, erstaunlich lang.Erstaunlich deshalb, weil man vor allem die Handtaschen der Marke meist in weiblichen Händen sieht. Aber schon 2016 wies das „W Magazine“ auf die wachsende Zahl männlicher, unter anderem von Birkin-Fan Marc Jacobs inspirierter Träger hin. Große Modelle waren bereits damals besonders gefragt, etwa bei Basketball-Profi P. J. Tucker. Nun ist der Trend bei den Fußballprofis angekommen. Dass sie Luxusmode schätzen und dass deren Hersteller davon profitieren, ist längst kein Geheimnis mehr – die gegenseitige Liebe ist groß. Viele Spieler werden zu Teilzeit-Models, etwa Jude Bellingham für Louis Vuitton, Kylian Mbappé für Dior und Jonathan Tah für MCM.Diese Entwicklung ist auch einem Mann zu verdanken, der Fußball und Mode nachhaltig verkuppelte: David Beckham. Aktiv auf dem Platz ist er schon lange nicht mehr, bei Trends geht er aber noch immer voran. Bereits 2024 flanierte er mit seiner Tochter Harper an der einen und großer Hermès-Tasche in der anderen Hand durch Paris. Einst ebnete Beckham modebegeisterten Männern den Weg in einer „Sportart, die traditionell vom Machismo geprägt war – wo alles, was auch nur entfernt als feminin galt, mit Spott bedacht wurde“, wie es 2020 im Magazin „Highsnobiety“ hieß. Zu Beginn seiner Karriere wurde er für seine stilistischen Wagnisse oft belächelt – heute ist unbestritten, wie sehr Beckham die Männermode unserer Zeit prägte und dies noch immer tut. Auch mit dem Griff zur großen Tasche.Lesen Sie auchDie haben auch zahlreiche NFL-Spieler schon für sich entdeckt. Den „Tunnel“, durch den sie vor den Spielen schreiten, haben die Football-Profis längst zum Laufsteg gemacht; immer öfter sind auch XXL-Taschen zu sehen: Christian McCaffrey erschien 2024 mit einer schwarzen Hermès-Tasche beim Super Bowl, dieses Jahr zog HAC-Fan Saquon Barkley nach. Im Herbst zeigten sich die Spieler Charles Omenihu, Deebo Samuel und Caleb Williams mit HAC-Modellen. „Laut dem Super Bowl befinden wir uns im Zeitalter der Power-Tasche für Männer“, befand die US-„Vogue“ angesichts der vielen extra-großen und extra-luxuriösen Taschen in den Händen der Spieler. Die setzen nicht nur auf Hermès, sondern auch auf andere Luxusmarken wie Dior, Gucci und Bottega Veneta.Lesen Sie auchDass Männer (zu Recht) keine Hemmungen mehr haben, große Taschen zu tragen und damit eine ansehnlichere Alternative zu sperrigen Rucksäcken gefunden haben, die Haltung und Outfit ruinieren, zeigen auch Beispiele jenseits des Sports. Der Schauspieler Jacob Elordi etwa ist schon lange als Handtaschen-Fan bekannt; dieses Jahr wurde er mit einem XXL-Modell von Bottega Veneta gesichtet. Sein Kollege Pedro Pascal entschied sich ebenfalls schon für eine große Tasche der Marke. Musiker Bad Bunny erschien im Mai bei der Met Gala in New York mit einem Prada-Modell, das an eine überdimensionale Bowlingtasche erinnerte.Schauspieler, Musiker und Sportler haben ein Millionenpublikum, das in ihnen auch stilistische Vorbilder sehen kann. Da drängt sich nicht nur Social-Media-Nutzern die Frage auf, ob Marken wie Hermès die aktuell geballte Begeisterung für ihre Taschen womöglich forcieren. Informationen darüber, wie die Spieler an die Modelle kommen, sind aber nicht zu finden – abgesehen von nicht ganz ernst gemeinten Spekulationen darüber, dass Cristiano Ronaldo gewiss im Fundus seiner taschenbegeisterten Partnerin Georgina Rodríguez fündig werden würde.Womöglich lässt sich so mancher Hermès-Fan unter den Sportlern ja auch von Shinsuke Sakimoto inspirieren. Der Japaner ersteigerte im Sommer jene Birkin Bag, die einst für Jane Birkin hergestellt wurde, für eine Rekordsumme von knapp 8,6 Millionen Euro. Sakimoto ist Gründer des Unternehmens Valuence, zu dem die Wiederverkaufsplattform für Luxusmode und -accessoires „Allu“ gehört (auf der die Birkin aber nicht angeboten wird), sammelte Berufserfahrung im Second-Hand-Unternehmen seines Vaters – und als Fußballprofi. Diese erste Karriere währte nur kurz, aber so mancher seiner Ex-Kollegen dürfte dank des eigenen Taschenticks auch schon Expertise haben, die für die Zeit nach der aktiven Karriere nützlich sein könnte.Für Spieler wie Leroy Sané wiederum, der schon öfter aufgrund seiner kostspieligen Outfits und Accessoires Kritik erntete, hat der aktuelle Trend einen angenehmen Nebeneffekt: Die XXL-Taschen von Hermès spielen preislich in einer noch höheren Liga als das vergleichsweise kleine Louis-Vuitton-Modell, mit dem er am 10. November in Wolfsburg anreiste.
Fußballstars und ihre Liebe zu großen Luxus-Taschen – und was das über das Männerbild in der Mode aussagt - WELT
Lionel Messi bis Jonathan Tah: Immer mehr Fußballstars zeigen sich mit Luxustaschen. Besonders beliebt sind extra-große Modelle von Hermès. Woher die Begeisterung kommt, was das über das Männerbild in der Mode aussagt und welche Rolle ein modeaffiner Ex-Profi bei alldem spielt.






