Soll noch einer sagen, die Politik kümmere sich nicht um die echten Probleme! Diese Woche musste das Europäische Parlament über einen Antrag abstimmen, der in der Dringlichkeit quasi gleichauf mit russischen Drohnenschwärmen über europäischen Flughäfen stand: Die konservative EVP-Fraktion in Straßburg will Bezeichnungen wie „Tofuwurst“ oder „Sojaschnitzel“ verbieten. Weil, Alarm: Verwechslungsgefahr!
Dass der Anti-Wurst-Antrag aus der Parteienfamilie stammt, zu deren Führungspersonal hierzulande ein auch als „fetischhafter Wurstfresser“ bekannter Ministerpräsident gehört sowie ein Bundeslandwirtschaftsminister, der im Hauptberuf Metzger ist, bleibt dabei gar nicht das erstaunlichste Detail. Mindestens faszinierend ist, wie Konservative aus dem Nichts ihre Liebe zu Sprachverboten entdecken, sobald es darum geht, Bürger vor dem irrtümlichen Verzehr von Lebensmitteln zu schützen, die die Umwelt weniger belasten, die Herzkranzgefäße schonen und nebenbei das ein oder andere Tierleben retten. Gott bewahre!
Dass die üblichen Kritiker nun empört „Lobbyismus!“ schreien, wirkt allerdings etwas überspannt und voreilig. Denn mal ganz ehrlich: Unionspolitiker, die sich ganz von allein für „Transparenz“ interessieren – hat man darauf nicht seit langer Zeit gewartet?








