PfadnavigationHomePanoramaPelicot-Prozess„Sieht es so aus, wenn eine Frau Lust empfindet?“, fragt der Richter den AngeklagtenVeröffentlicht am 08.10.2025Lesedauer: 3 MinutenGisele Pelicot verlässt mit ihrem Sohn Florian Pelicot das Gericht in NîmesQuelle: AFP/CHRISTOPHE SIMONIm Berufungsprozess um die Vergewaltigung von Gisèle Pelicot konfrontiert die 72-Jährige den Angeklagten direkt. Er solle aufhören, sich hinter seiner Feigheit zu verstecken, forderte Pelicot. Der Mann bestreitet die Tat, ihm drohen bis zu 20 Jahre Haft.Im Berufungsprozess wegen Vergewaltigung der mit Medikamenten betäubten Gisèle Pelicot hat diese den Angeklagten scharf angegriffen. „Zu welchem Zeitpunkt habe ich Ihnen meine Zustimmung gegeben? Niemals!“, hielt sie am Mittwoch dem 44 Jahre alten Husamettin D. entgegen, der den Vorwurf der Vergewaltigung zuvor zurückgewiesen hatte. „Stehen Sie zu Ihren Taten und hören Sie auf, sich hinter Ihrer Feigheit zu verstecken“, forderte die 72-Jährige.Pelicot wehrte sich dagegen, als „Ikone“ bezeichnet zu werden. „Hören Sie auf, mich Ikone zu nennen. Ich bin eine ganz normale Frau, die sich gegen einen Prozess unter Ausschluss der Öffentlichkeit ausgesprochen hat“, erklärte sie.„Opfer sollen sich niemals für etwas schämen, das ihnen mit Gewalt aufgezwungen wurde“, sagte sie. „Wenn ich anderen Kraft gegeben habe, dann ist das schon etwas Gutes“, fügte sie hinzu. Sie wünsche sich, nie mehr im Leben ein Gericht betreten zu müssen. Und sie sei zuversichtlich, dass sie ihr Leben wieder aufbauen werde.Nichts könne die Taten ihres Mannes entschuldigen, betont PelicotAuf ihr Verhältnis zu ihrem ehemaligen Mann angesprochen sagte sie: „Ich versuche, zu vergessen. Er hat alle verraten.“ Nichts könne seine Taten entschuldigen. „Ich werde ihn nie verstehen“, betonte sie.Zuvor waren im Gerichtssaal 14 Videos gezeigt worden, auf denen zu sehen war, wie der Angeklagte Gisèle Pelicot mehrfach sexuell missbraucht, während diese komplett reglos ist und zeitweise laut hörbar schnarcht. Lesen Sie auchDer Vorsitzende Richter hatte das Publikum zuvor gewarnt und sensible und junge Menschen gebeten, den Saal zu verlassen.„Sieht es so aus, wenn eine Frau Lust empfindet?“, fragt der Richter„Die Frau ist niemals aufgewacht. Reagieren Frauen so? Sieht es so aus, wenn eine Frau Lust empfindet?“, fragte der Richter den Angeklagten. Dieser räumte ein, dass er sich am Ende geschämt habe, blieb aber bei seiner Aussage, dass er Gisèle Pelicot nicht habe vergewaltigen wollen und er von ihrem Mann Dominique Pelicot manipuliert worden sei.Dominique Pelicot, der im Dezember zur Höchststrafe von 20 Jahren Haft verurteilt worden war, hatte am Dienstag als Zeuge ausgesagt. Er habe dem Angeklagten und den 49 übrigen bereits verurteilten Männern in einem Internetforum das eindeutige Angebot unterbreitet: „Ich suche jemanden, der meine schlafende Frau ohne ihr Wissen vergewaltigt.“Lesen Sie auchDer im Dezember zu neun Jahren Haft verurteilte Husamettin D. hatte als einziger der Verurteilten auf ein Berufungsverfahren bestanden. Ihm drohen nun erneut bis zu 20 Jahre Gefängnis.Das Berufungsverfahren in Nîmes soll bis Donnerstag dauern. Wegen ihres Muts während des ersten Prozesses im vergangenen Jahr war Gisèle Pelicot weltweit bekannt geworden. Sie hatte sich für ein öffentliches Verfahren eingesetzt, „damit die Scham die Seite wechselt“.AFP/jho
Pelicot-Prozess: „Sieht es so aus, wenn eine Frau Lust empfindet?“, fragt der Richter den Angeklagten - WELT
Im Berufungsprozess um die Vergewaltigung von Gisèle Pelicot konfrontiert die 72-Jährige den Angeklagten direkt. Er solle aufhören, sich hinter seiner Feigheit zu verstecken, forderte Pelicot. Der Mann bestreitet die Tat, ihm drohen bis zu 20 Jahre Haft.












