An diesem Dienstag jährt sich zum zweiten Mal das furchtbarste Pogrom seit dem Zweiten Weltkrieg: Am 7. Oktober 2023 hat die Hamas in Israel 1182 Menschen ermordet und 251 Personen in den Gazastreifen verschleppt. Die meisten von ihnen keine Soldaten, sondern Menschen, die nie auf so eine Extremsituation vorbereitet wurden, darunter auch 35 Kinder. Mehr als 100 Geiseln sind seither im Zuge eines Austauschs mit palästinensischen Gefangenen freigekommen, nur ein kleiner Teil wurde von Israels Armee befreit. 48 Geiseln sind noch immer in den Händen der Islamisten. Von ihnen leben laut israelischen Angaben wohl noch 20.Nur was heißt Leben? Ausgeliefert der Willkür teils sadistischer Bewacher, die schlagen, foltern und systematisch aushungern, wie Überlebende berichtet haben. Überleben in ständiger Todesangst, ohne Privatsphäre, in engen, schmutzigen Tunneln, teils 20, 30 Meter tief unter der Erde. Ohne Tageslicht, ohne Frischluft, ohne sauberes Wasser, in erzwungener hygienischer Verwahrlosung. Umtost von Bombeneinschlägen in einem mit aller Härte geführten Krieg.Die psychischen Wunden der Zurückgekehrten zeigen sich erst später, sagt Yuriy Nesterko. Der Psychologe leitet die wissenschaftliche Abteilung vom Zentrum Überleben in Berlin. Hier behandelt ein Team Folteropfer aus Ländern wie Israel, dem Westjordanland, Syrien, der Türkei, Afghanistan und der Ukraine. Menschen, die Folter und lange Gefangenschaft erlebt haben, leiden oft an komplexen psychischen Traumata wie posttraumatischer Belastungsstörung, Depressionen und Persönlichkeitsveränderungen, sagt Nesterko weiter. Der Verlust von Sicherheit und Kontrolle sowie der fehlende Kontakt zu Angehörigen führen zu einem Zusammenbruch von Vertrauen und Bindungen.Weitere Nachrichten: Frankreichs Premier Lecornu tritt zurück; Merz für verpflichtendes soziales Jahr; Medizin-Nobelpreis geht an drei Immunforscher.Zum Weiterlesen:Kontakt und Informationen über das „Zentrum Überleben“ in Berlin finden Sie hier.Über die Entwicklung im Gazakrieg bleiben Sie bei unserem Liveblog informiert.Über den Medizin-Nobelpreis an Mary Brunkow, Fred Ramsdell und Shimon Sakaguchi und die Bedeutung ihrer Forschung lesen Sie hier einen Text.So können Sie unseren Nachrichtenpodcast abonnieren:„Auf den Punkt“ ist der tägliche Nachrichtenpodcast der Süddeutschen Zeitung zu den wichtigsten Themen des Tages. Sie finden alle Folgen auf sz.de/nachrichtenpodcast. Verpassen Sie keine Folge und abonnieren Sie unser Audio-Angebot in Ihrer Lieblings-Podcast-App oder bei iTunes und Spotify. Eine Übersicht über all unsere Podcasts finden Sie unter www.sz.de/podcast und hier erfahren Sie, wie Sie unsere Podcasts hören können.Sie haben Fragen oder Anregungen? Dann schreiben Sie uns: podcast@sz.de.