Es gibt Bücher, bei denen weiß man noch, wo man war, als man sie nach der letzten Seite zugeklappt hat. „Momo“ von Michael Ende dürfte für viele Menschen so ein Buch gewesen sein. „In alten, alten Zeiten, als die Menschen noch in ganz anderen Sprachen redeten, gab es in den warmen Ländern schon große und prächtige Städte.“ So lautet der erste Satz.
Warme Länder also. Warme Gefühle. Ein Mädchen mit schwarzen Augen, schwarzen Locken und schwarzen Füßen lebt in der Ruine eines Amphitheaters, ein Waisenmädchen offenbar, eine kindliche Landstreicherin, vieles bleibt offen, wir befinden uns im erzählerischen Bereich des Märchens. Aber dann tauchen „graue Herren“ auf, sie wollen die Leute dazu animieren, Zeit zu sparen. So treiben sie der Welt das Märchenhafte aus. Der, wie man heute sagen würde, Twist des Buchs bestand darin, im Modus der Verklärung von der Sachlichkeit zu erzählen – wenn man so will: die Verklärung zu verklären, um sie zu retten. Lieber eine Welt, die sich selbst weichzeichnet, als ein endloser Alltag.
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