Es gibt eine stille Selbstverständlichkeit, die unser Leben seit Jahrhunderten trägt: die Annahme, dass das Klima verlässlich sei. Wir jammern über verregnete Sommer, freuen uns über goldene Herbste, verfluchen die Winterkälte und schwärmen vom Frühling. Aber im Hintergrund schwingt stets dieselbe Überzeugung mit, dass sich alles ausgleicht, dass nach der Hitze Regen kommt und nach dem Sturm wieder Sonnenschein. Dieses Vertrauen ist tief verwurzelt – kulturell, psychologisch, sozial. Es bildet eine Art unsichtbares Fundament der Moderne. Doch nun beginnt es zu bröckeln. Denn die Welt verändert sich, und die Extreme häufen sich: Dürre in Italien, Flut in Deutschland, Feuer in Kanada. Und trotzdem: Nach jeder Katastrophe, nach jeder Schlagzeile, nach jedem erschütternden Bild setzt sich rasch der alte Reflex durch – die Rückkehr zur Normalität. Warum ist das so? Warum können wir uns kaum vorstellen, dass das Klima selbst instabil wird, obwohl wir es täglich erleben? Warum brauchen Gesellschaften das Bild einer beständigen Natur – und wie lange lässt es sich noch aufrechterhalten?