PfadnavigationHomePanoramaAusnahmezustand in MünchenMinister spricht von „unbegreiflicher“ Tat – Wirte schlagen Oktoberfest-Verlängerung vorVeröffentlicht am 02.10.2025Lesedauer: 4 MinutenNach einer Bombendrohung konnte das Münchner Oktoberfest wieder öffnen. Polizei und Stadt gaben Entwarnung. „Nach Regen kommt Sonnenschein und jetzt freuen wir uns, dass es weitergeht“, sagt ein Schausteller, bei WELT TV.Explosionen in einem Haus, zwei Tote, zwei Verletzte, dazu die stundenlange Schließung des Oktoberfestes: München kehrt erst langsam zur Normalität zurück. Die Wiesn-Wirte regen derweil eine längere Öffnungszeit für das Volksfest an – um ein Zeichen für die „Lebensfreude“ zu setzen.Nach der stundenlangen Sperrung des Oktoberfestes wegen einer Bombendrohung am Mittwoch bringt der Gastgewerbeverband Dehoga eine Verlängerung der Wiesn ins Spiel. Dies wäre auch ein Zeichen, dass man sich die Lebensfreude nicht verderben lasse, sagte Landesgeschäftsführer Thomas Geppert der Nachrichtenagentur dpa. Schließlich sei die Wiesn „ein weltbekanntes Symbol für bayerische Gastfreundschaft, Lebensfreude und Zusammenhalt“. Sorgen, dass Gäste nach der Bombendrohung am Mittwoch und der Überfüllung am Samstag fernbleiben, hat Geppert nicht. Das schnelle Handeln am Mittwoch habe bei den Gästen Sicherheit ausgestrahlt, ist er überzeugt. „Wenn es wieder offen ist, bin ich sicher, dass die Zelte wieder voll sind.“ Auch er selbst werde dann wieder auf dem Festgelände sein.Angesichts ablehnender und skeptischer Reaktionen ist eine Verlängerung aber äußerst unwahrscheinlich. Wiesn-Chef Christian Scharpf (SPD) sieht wenig Chancen: „Eine spontane Wiesn-Verlängerung ist aus meiner Sicht unrealistisch“, sagte der Münchner Wirtschaftsreferent. „Von den Beschäftigten in den Bierzelten über die Schausteller bis hin zum Security-Personal ist alles bis Sonntag disponiert. Viele haben ab Montag wieder andere Verpflichtungen.“Auch Wirte-Sprecher Peter Inselkammer sieht den Vorschlag kritisch und ist in seinem Urteil noch etwas klarer: „So kurzfristig ist das tatsächlich nicht möglich“, sagte er dem Bayerischen Rundfunk (BR). „Für dieses Jahr können wir uns das nicht vorstellen.“ Der Vorschlag sei „nicht die Entscheidung, die wir Wirte befürworten“, sagte Inselkammer. „Wir haben ja laufende Arbeitsverträge, die Mitarbeiter sind ja meistens dann am nächsten Tag schon wieder weg.“ Außerdem sei unklar, inwiefern Besucher das Angebot annehmen und auch am Montag noch einen Tisch reservieren würden. Lesen Sie auchNach dem Brand, Schüssen und einer Bombendrohung gegen das Oktoberfest dauern die Ermittlungen in München an. So steht die Bergung einer Leiche aus dem abgebrannten Wohnhaus im Norden der Stadt noch aus. Wegen der enormen Hitze hatten Einsatzkräfte das Gebäude nicht betreten können. Außerdem sollte ein Statiker hinzugezogen werden.Wiesn-Alltag kehrte langsam zurückBereits am Mittwochabend kehrte langsam der Alltag zurück. Ab 17.30 Uhr startete der Festbetrieb wieder, Besucher wurden auf das Gelände gelassen. Ihnen bot sich bis zum späten Abend ein geteiltes Bild: Die Gassen wirken einem dpa-Reporter zufolge merklich leerer im Vergleich zu anderen werktäglichen Wiesn-Tagen.An vielen Verkaufsständen war demnach wenig los, an einem Autoscooter fuhren zwei Mitarbeiter alleine im Kreis. Verkäufer und Sicherheitskräfte bestätigen, dass es leerer sei. In den großen Zelten sah es anders aus: Weit und breit kein freier Platz, die Menge tanzte und feierte ausgelassen wie an anderen Wiesn-Tagen.Behörden schließen politisches Motiv ausErsten Erkenntnissen nach soll der 57-jähriger Martin P. ein Wohnhaus in Brand gesetzt und Sprengfallen deponiert haben. Ein Mann– vermutlich der als vermisst geltende 90 Jahre alte Vater des Tatverdächtigen und Besitzer des Hauses – starb. Hintergrund des Geschehens war nach Einschätzung der Behörden ein eskalierter Familienstreit. Ein politisches Motiv schlossen die Behörden aus. Lesen Sie auchDie 21 Jahre alte Tochter des Tatverdächtigen und seine 81-jährige Mutter wurden verletzt. Der 57-Jährige selbst nahm sich nach Polizeiangaben auf der Flucht vor den Einsatzkräften das Leben. Der Tatverdächtige hatte demnach einen Rucksack dabei, in dem sich eine Sprengvorrichtung befand, die vor der Bergung seiner Leiche entschärft werden musste.„Bombiges Erlebnis“ angedrohtWeil ein Schreiben des 57-Jährigen gefunden wurde, in dem er auch das Oktoberfest bedrohte, wurde die Wiesn stundenlang geschlossen und nach Sprengsätzen abgesucht. Laut Innenminister Joachim Herrmann (CSU) warnte der Mann davor, auf die Wiesn zu gehen, denn es könnte ein „bombiges Erlebnis“ geben. Diese Drohung habe man – insbesondere angesichts des abgebrannten Hauses – ernst nehmen müssen.Inzwischen sei klar, dass für die Wiesn keine Gefahr bestanden habe, betonte der Minister. „Man kann da ohne Angst wieder die Wiesn besuchen.“Zum Motiv des 57-Jährigen hatte der Innenminister Joachim Herrmann (CSU) weiter gesagt, der Mann habe die Vaterschaft für seine Tochter angezweifelt und in diesem Zusammenhang gar eine Petition an den bayerischen Landtag gestellt. Diese habe der Landtag aber im vergangenen Jahr für erledigt erklärt.Es sei „unbegreiflich, wie sich jemand vor diesem Hintergrund zu solchen Taten entschließen kann“, sagte Herrmann.dpa/krott