Na, dann ist ja alles gut. Nach zwei Tagen Videostudium ist Wiesn-Chef Christian Scharpf zu dem Ergebnis gekommen, das er am Dienstagnachmittag der Presse verkündete und das zusammengefasst etwa so lautet: Was bisher überwiegend gut lief, machen wir von Donnerstag an noch besser. Das Einzige, was nicht lief wie geplant, waren die Festgäste.Ist solch ein Urteil empathielos gegenüber dem Wiesn-Chef, der doch immerhin nach einem Tag des Schweigens nicht nur mit einer Analyse, sondern gleich mit Lösungen vor die Öffentlichkeit getreten ist? Es ist so empathiearm, wie Scharpf über das Ereignis sprach, das viele Menschen in Panik, ja in Todesangst versetzt hatte. Gäste auf dem Oktoberfest – seine Gäste. Doch sie kamen in den Ausführungen des Oktoberfest-Verantwortlichen nur als Masse vor, die plötzlich und unerwartet einen fatalen Hang zur „Pfropfenbildung“ gezeigt hatte. Wie man so etwas anders löst, hatte nur wenige Minuten zuvor Scharpfs Chef, Oberbürgermeister Dieter Reiter, auf Instagram gezeigt. Bei ihm standen die Menschen im Mittelpunkt – und er bat um Entschuldigung für Versäumnisse.Oktoberfest 2025:Und dann leuchten die Wunderkerzen im ZeltBeim Finale auf dem Oktoberfest feiern die Gäste und Bedienungen. Die Wiesn 2025 war eine denkwürdige.Denn die gab es am Samstag. „Wir hatten einfach Glück“, räumte Reiter ein. Glück, dass es nicht zu einer Katastrophe kam. Das Sicherheitskonzept fürs Oktoberfest – oder was in der Hektik des Samstagnachmittags davon übrig blieb – hatte daran den geringsten Anteil. Diese Einsicht offenbarte sogar Scharpf in einem Nebensatz: Das Schlimmste sei schon vorbei gewesen, als die erste Lautsprecherdurchsage ertönte.Bis dahin freilich war mehr als eine Stunde vergangen. Eine Stunde, in der sich Männer, Frauen, Kinder in höchster Gefahr wähnten und wohl auch befanden, weil Tausende weder vor- noch zurückkonnten und immer mehr aneinander gepresst wurden. Eine Stunde, in der Dutzende Notrufe bei der Polizei eingingen und 54 Kameras übertrugen, wie sich die Situation immer weiter zuspitzte. Es war dieselbe Stunde, in der die Fest-Verantwortlichen tagten. Und an deren Ende endlich, eine Durchsage erklang. Eine, die dazu angetan war, die Menschen erst recht in Panik zu versetzen, anstatt sie zu beruhigen.Von Donnerstag an wird das alles besser. Scharpf hat es versprochen. Dann gibt es professionelles „Crowd Spotting“ – also jemanden, der auf dem Monitor die Menschenmengen und deren Bewegungen beobachtet. Hat das bisher niemand? Offenbar nicht. Es soll Dolmetscher geben, die schnell mit Durchsagen in anderen Sprachen als Deutsch reagieren können. Gab es die bisher nicht? Offenkundig nicht. Dann wird auch das „Beobachtungsmanagement“ im Servicezentrum optimiert, verspricht Scharpf. Heißt: Stadt und Polizei werden sich besser über das informieren, was sie sehen. Man will sogar die Schausteller besser einbinden. Nein, auch das hat man bisher wohl nicht. Auch nicht am Samstag.Das alles sind richtige und wichtige Maßnahmen. Sie könnten beruhigen. Wenn sie nicht zugleich offenbaren würden, was bisher versäumt wurde. Von der kommenden Wiesn an sollen die Besucherzahlen in Echtzeit gemessen werden. Man fragt sich allerdings, zu welchem Zweck. Auf eine Obergrenze will sich der Oktoberfest-Chef nämlich nicht festlegen. Aber vielleicht hilft die KI der Stadt künftig bei ihrer immerwährenden Jagd nach neuen Wiesn-Rekorden.
Oktoberfest: Die neuen Sicherheitsmaßnahmen offenbaren, was bisher versäumt wurde. Ein Kommentar
Wiesn-Chef Scharpf räumt ein, dass am Samstag nicht alles wie geplant lief. Die Verantwortung dafür scheint er jedoch vor allem bei den Besuchern zu sehen.















