PfadnavigationHomePanoramaWegen ÜberfüllungMünchner Oktoberfest kurzzeitig geschlossen – „Menschen waren panisch, haben geschrien und geheult“Veröffentlicht am 28.09.2025Lesedauer: 3 Minuten„Es war kurz vor der Massenpanik“, kommentiert eine Frau auf Instagram einen Post der Stadt zur vorübergehenden Schließung des Festgeländes.300.000 Menschen auf der Wiesn: Das Oktoberfest in München musste am Samstagnachmittag kurzzeitig wegen Überfüllung geschlossen werden. Für die Verantwortlichen hat das Sicherheitskonzept funktioniert. Augenzeugen sehen das anders. Zudem zählten die Behörden wieder mehr Straftaten.Nach der Sperrung des Oktoberfestes wegen Überfüllung gibt es Kritik am Sicherheitskonzept. „Es war kurz vor der Massenpanik“, kommentiert eine Frau auf Instagram einen Post der Stadt zur vorübergehenden Schließung des Festgeländes. Sie habe nach eigenen Angaben Angst gehabt, „totgetrampelt und umgeschmissen“ zu werden. „Das war brandgefährlich“, schreibt jemand anders. „Die Menschen waren panisch, haben geschrien und geheult.“Andere kritisieren vor allem eine Durchsage aus den Lautsprechern, mit der Besucher ohne Angabe von Gründen aufgefordert worden seien, das Gelände zu verlassen: „Das war Panikmache.“Das Oktoberfest war am späten Samstagnachmittag wegen zu großen Andrangs vorübergehend geschlossen worden. „Das Gelände insgesamt war zu voll“, erläuterte eine Mitarbeiterin der Wiesn-Pressestelle der Stadt München. Verletzte gab es nach ersten Erkenntnissen nicht, der Sanitätsdienst des Oktoberfestes registrierte aber zwei Menschen mit Panikattacken. Der Grund für die Schließung: Zum Tischwechsel um 17.00 Uhr hatten sich die Besucherströme geballt. Dadurch waren so viele Menschen gleichzeitig auf der Theresienwiese, dass es an einigen Stellen weder vor noch zurück ging. Etwa eine halbe Stunde lang wurde das Gelände deshalb für Neuankömmlinge komplett abgeriegelt. U-Bahnen aus der Innenstadt fuhren an der Theresienwiese vorbei. Insgesamt seien gegen 17 Uhr rund 300.000 Besucher auf der Wiesn gewesen, sagte eine Stadtsprecherin.„Kommt nicht mehr auf das Oktoberfest“, teilte die Polizei auf X mit. Den Aufruf hatte die Polizei auch auf Englisch und Italienisch veröffentlicht. Traditionell kommen am mittleren Wochenende besonders viele Italiener zum weltweit größten Volksfest – teils per Sonderzug.Lesen Sie auchDoch schon bald wurden die Eingänge peu à peu wieder geöffnet. Nach etwa einer Stunde hatte sich alles wieder normalisiert, wie die Wiesn-Sprecherin schilderte. „Das hat sich aufgelöst, indem die Menschen zu ihren Reservierungen in die Zelte gegangen sind. Als es sich wieder besser verteilt hat auf dem Gelände, konnten wir wieder Leute reinlassen.“ Das Sicherheitskonzept habe gut funktioniert, bilanzierte die Stadt-Sprecherin. „Bevor es zu einer unangenehmen Situation kommt, werden Maßnahmen ergriffen.“ So hätten auch die aus der Innenstadt kommenden U-Bahnen vorübergehend nicht an der Haltestelle Theresienwiese angehalten.Der Vorfall ist ungewöhnlich, aber nicht einmalig: Es sei durchaus schon immer wieder mal vorgekommen, dass das Gelände temporär dicht gemacht worden sei, versicherte die Stadt-Sprecherin.Lesen Sie auchDer Feierlaune tat das Ganze offenbar keinen Abbruch. Lautsprecherdurchsagen klärten über die Schließung auf und beruhigten die Anwesenden. „Es bestand und besteht keine Gefahr“, hieß es dabei. Halbzeitbilanz: Mehr Straftaten als 2024, aber Lob für ZivilcourageAm Sonntagvormittag stellten die Behörden auch die Halbzeitbilanz zur Wiesn vor. Demnach registrierte die Polizei wieder mehr Straftaten als auf dem Oktoberfest 2024. Die Regelverstöße bewegten sich dennoch auf einem niedrigen Niveau. Lobend hebt der Bericht neben der friedlichen und entspannten Grundstimmung ein hohes Maß an Zivilcourage hervor. Oft hätten Unbeteiligte die Polizei verständigt und sich viele als Zeugen zur Verfügung gestellt.Lesen Sie auchIn den ersten acht Tagen hatte die Polizei demnach 833 Einsätze, fast 80 weniger als 2024. Allerdings wurden mehr Personen festgenommen. Mit 414 Anzeigen stieg die Zahl der erfassten Straftaten im Vergleich zum Vorjahr um fast 100 an, lag aber deutlich unter dem Wert von 2023 (479).Die registrierten Sexualdelikte (33), Körperverletzungen (134) und Angriffe auf Polizeibeamte (13) bewegen sich laut Mitteilung auf dem Niveau von 2023. Für die 29 Taschendiebstähle gilt das nicht. Vor zwei Jahren waren es fast dreimal so viele.Deutlich zugenommen haben laut Polizei Verkehrsdelikte unter Alkoholeinfluss. Von den 285 Trunkenheitsfahrten entfielen mit 172 mehr als die Hälfte auf E-Scooter. Dies bedeutete eine Zunahme um fast 150 Prozent. Deutlich öfter als in den beiden Vorjahren mussten außerdem Fahrzeuge abgeschleppt werden, nämlich 648.dpa/KNA/kami/sebe