PfadnavigationHomeGeschichteNintendoMit einem Klempner als Star wurde das NES zum legendären Gaming-KlassikerVeröffentlicht am 09.10.2025Lesedauer: 5 MinutenEine NES-Konsole aus den 1980er-Jahren mit beigepacktem „Super Mario“-SpielQuelle: picture alliance/dpa/Bernd SettnikDie Spielekonsole NES von Nintendo avancierte in den 1980ern zu einem weltweiten Verkaufsschlager. Großen Anteil daran hatte das Spiel „Super Mario Bros.“, das im September 1985 erschien. Dessen Hauptdarsteller wurde eine Ikone der Popkultur.Totgesagte leben länger. Ein Beispiel dafür ist die Videospiel-Branche, die im Jahr 1983 vom großen „Video Game Crash“ in den Abgrund gerissen wurde. Damals brachen die Verkaufszahlen so rasant und drastisch ein, dass mancher unkte, der erst seit einigen Jahren währende Hype um die heimische Daddelei mittels Joystick und an den Röhrenfernseher angeschlossene Konsole sei nun schon wieder vorbei.Vorbei waren die Jahre des Gaming-Booms seit den späten 1970ern, in denen vor allem die Spielekonsole Atari VCS (später umbenannt in Atari 2600) mit Hits wie „Pac-Man“, „Space Invaders“ oder „Asteroids“ für Furore gesorgt hatte. Doch seit den frühen 1980ern setzte der US-Hersteller Atari mehr auf Quantität als auf Qualität, und das Ergebnis war ein Überangebot von mediokren bis miserablen Spielen, das die Gamer vergrätzte. Berühmt-berüchtigt wurde etwa das nahezu unspielbare Game „E.T.“, das wie Blei in den Regalen lag, und von dem schließlich eine große Menge fabrikneuer Spielekassetten (Cartridges) direkt aus den Atari-Lagern in eine Mülldeponie gebracht und dort zusammen mit weiteren Spieleflops und Hardware verscharrt wurde.Lesen Sie auchAllen Unkenrufen zum Trotz bedeutete dies aber nicht das Ende der Branche. Denn vor allem Konsolen von Atari-Konkurrenten gaben dem Home-Gaming in den Jahren nach dem großen Crash neuen Schub. Zu großen, stilbildenden Erfolgen wurden vor allem zwei: Commodores C64, der keine bloße Gaming-Konsole, sondern sogar ein vollwertiger Computer mit Tastatur war, vor allem aber als Spielemaschine beliebt wurde. Lesen Sie auchUnd das Nintendo Entertainment System (NES), das 1983 in Japan unter dem Namen Famicom (eine Kurzform von „Family Computer“) debütierte, in den USA 1985 und in Europa 1986 auf den Markt kam. Wie beim Atari 2600 handelte es sich um eine 8-Bit-Konsole, die mit Spielen auf Cartridges gefüttert wurde. Statt eines Joysticks fungierte als Steuerungsgerät ein Gamepad mit Steuerkreuz.Auch die beste Hardware ist indes nutzlos ohne attraktive Software – und hier hatte Nintendo Lehren aus dem „Game Crash“ gezogen: Anders als zuvor Atari legten die Japaner rigide Qualitätsstandards für NES-Spiele fest, und ein „Lock-out-Chip“ in der Konsole verhinderte das Abspielen minderwertiger unlizensierter Software.Lesen Sie auchWeil die allererste Version der Konsole noch einige Kinderkrankheiten gehabt hatte, legte Nintendo schnell mit einer technisch überarbeiteten Fassung nach, und der Erfolg ließ nicht lange auf sich warten: Ende 1984 war das NES die meistverkaufte Spielekonsole in Japan. Die Absatzzahlen schossen so steil nach oben, dass nun die Rede von einem „Famicom Boom“ und „Nintendomania“ war. Die Firma hatte Schwierigkeiten, die enorme Nachfrage an Hard- und Software zu bedienen; vor den Geschäften standen Kunden teils Schlange, wenn neue Games erschienen, die oft schon bald ausverkauft waren. In Übersee setzte sich der Siegeszug fort, und im Laufe der kommenden Jahre sollte das NES mit knapp 62 Millionen verkauften Einheiten zu einer der erfolgreichsten Konsolen aller Zeiten werden.Neben Spieleklassikern wie „Donkey Kong“, „The Legend of Zelda“, „Mega Man“ oder „Metroid“ war es vor allem eine Spielefigur, die einen großen Anteil am NES-Siegeszug hatte: Mario. Dessen Erscheinungsbild und Wesen war zunächst den limitierten technischen Möglichkeiten der damaligen Zeit geschuldet, wo Designer mit nur wenigen, dicken Pixeln auskommen mussten, um Figuren darzustellen. Marios Schöpfer Shigeru Miyamoto verpasste seiner Kreation einen Schnauzbart, weil dieser sich besser darstellen ließ als ein Mund. Ebenso die Mütze statt einer Frisur. Das Ergebnis erinnerte Miyamoto an einen Italiener, dem man später den Beruf eines Klempners zuwies, weil er sich in seinem Jump-and-Run-Spiel durch etliche Rohrsysteme bewegte.Sein Debüt hatte Mario 1981 als noch namenlose Nebenfigur im Spielhallen-Game „Donkey Kong“, 1983 trat er dann mit seinem ebenfalls als Klempner arbeitenden Bruder Luigi in „Mario Bros.“ auf. Im September 1985 erschien schließlich „Super Mario Bros.“ für das NES. Mario avancierte zur wohl bekanntesten Videospielfigur aller Zeiten und fand Eingang in die Popkultur, auch ins Kino schaffte es der Klempner. Dass er eine solch berühmte und beliebte Kultfigur wurde, ist wohl seinem großen Identifikationspotenzial geschuldet: Anders als etwa Raumfahrer oder Aliens ist er ein „ganz gewöhnlicher“ Zeitgenosse, „einer von uns“. Bis heute tritt er in etlichen Sequels und Spin-offs zu „Super Mario Bros.“ auf.An den großen Erfolg des NES knüpfte Nintendo mit diversen Nachfolgesystemen an. 1990 erschien die leistungsstärkere 16-Bit-Maschine Super Nintendo Entertainment System (SNES). Bei deren Entwicklung kooperierte Nintendo anfangs mit Sony, um ein CD-ROM-Laufwerk als Zubehör für das SNES zu entwickeln. Doch die Firmen entzweiten sich und beendeten die Zusammenarbeit; das SNES erschien wie sein Vorgänger nur mit einem Slot für Cartridges. Sony hatte ursprünglich nicht geplant, eine eigene Konsole zu entwerfen. Nun ließ der Konzern aber die begonnene Entwicklungsarbeit in den Bau seiner ersten eigenen Konsole einfließen, welche mit Spielen auf CD-ROM bestückt werden sollte.Nintendos SNES wurde somit unfreiwillig zur Geburtshelferin einer enorm erfolgreichen Konsole eines Konkurrenten, die heute in mittlerweile fünfter Generation noch immer tagtäglich über den Ladentisch geht: Sonys PlayStation.Wie technische Innovationen entstehen und das Leben der Menschen verändern, hat Martin Klemrath schon in diversen Artikeln bei WELTGeschichte nachgezeichnet. Beispielsweise ist er der Frage nachgegangen, warum die amerikanische Computer-Maus gefeiert wurde, während die deutsche eine graue blieb.