Das Oktoberfest sorgt, nachhaltig betrachtet, nicht nur für jede Menge Freude und jede Menge Kopfschmerzen, sondern auch für jede Menge Wiesn-Schlagzeilen. Bei einem Event, zu dem sieben Millionen Menschen kommen, ist das nicht verwunderlich. Zumal dort nicht nur gewaltig getrunken, sondern auch gewaltig über die Stränge geschlagen wird, auch was die Grenzen intimer Berührungen angeht. Das ist wie beim rheinischen Karneval immer ein Anlass, darüber nachzudenken, was mit einer Gesellschaft los ist, die so versessen auf die Möglichkeiten ist, die sich dem Berauschten bieten. Daraus seine richtigen Schlüsse zu ziehen, ist allerdings eine hohe Kunst, nichts belegt das besser als die als historisch anzusehenden Schlagzeilen der beiden in München erscheinenden Boulevard-Zeitungen zum Wiesn-Beginn im September 2009. Die tz titelte ohne Wenn und Aber: „Wiesn-Start – Gemütlich wie lange nicht mehr.“ Die AZ schrieb auf ihrer Titelseite: „Fast 800 Verletzte am ersten Tag – Wiesn brutal wie nie.“