Ein in der Mitte zerbrochenes Pferd soll für die Verkehrswende stehen, für ein nahendes Ende des Verbrennermotors. Die Skulptur „PS (Horsepower)“ hat die Künstlerin Alexandra Bircken entworfen. Das Kunstwerk am Oskar-von-Miller-Ring soll laut Baureferat einladen, „über neue Anfänge nachzudenken, für Maschinen, Macht und Menschen“.An dieser Stelle des Altstadtrings zwischen Ludwigstraße und Gabelsbergerstraße hat die Stadt tatsächlich eine städtebauliche Wunde zumindest teilweise geheilt, die den Ideen der autogerechten Stadt aus früheren Tagen geschuldet war. Dort, an der Mündung des Altstadtringtunnels, einst von dessen Gegnern geschmäht als „Höllenschlund“, ist binnen zweieinhalb Jahren ein neuer Aufenthaltsraum für Menschen entstanden. Am Mittwoch haben Münchens Zweiter Bürgermeister Dominik Krause (Grüne), Baureferentin Jeanne-Marie Ehbauer und Mobilitätsreferent Georg Dunkel den neu gestalteten Stadtraum offiziell eingeweiht.42 000 Quadratmeter Fläche hat die Stadt insgesamt umgestaltet, 2000 Quadratmeter entsiegelt und die 53 Jahre alte, überbreite Autoschneise verschmälert. Dafür wurden 49 000 Stauden und Gräser gepflanzt sowie 59 neue Bäume. Es handelt sich dabei um robuste Arten, die nur wenig Wasser benötigen und so den Herausforderungen des Klimawandels gewachsen sein sollen. Das Baureferat ist dem Prinzip der „Schwammstadt“ gefolgt, das heißt: Gehwege entwässern in die Grünflächen, wodurch das Regenwasser den Pflanzen zur Verfügung steht und nicht etwa in die Kanalisation abfließt, sondern versickert und wieder dem Grundwasser zugeführt wird. Wasser, das verdunstet, soll zur Kühlung des Stadtraums beitragen.Der komplette Bereich mit neuer Gestaltung erstreckt sich von der Kreuzung an der Gabelsberger- und Türkenstraße über den Oskar-von-Miller-Ring, ab dem Platz der Opfer des Nationalsozialismus, über die Kreuzung mit der Ludwigstraße bis in die Von-der-Tann-Straße und den Beginn der Prinzregentenstraße.Drei Meter hoch und 13 Meter lang ist der neue Brunnen aus Naturstein. Er soll zugleich als Schallschutz und als Kühlungsmechanismus dienen. Catherina HessNeue Aufenthaltsbereiche mit Sitzgelegenheiten gibt es nun vor der Markuskirche, der Bayerischen Landesbank und dem Oskar-von-Miller-Forum, einer Bildungseinrichtung der bayerischen Bauwirtschaft. Vor Letzterem ist ein großzügiger Platz mit viel Grün und einem 13 Meter langen und drei Meter hohen Brunnen aus Naturstein entstanden, der einerseits die Umgebung kühlt und andererseits als Schallschutz dient.Die Stadt hat die Gelegenheit genutzt, im Zuge der notwendigen Sanierung des Altstadtringtunnels die Oberflächen umzubauen. Zwar tost hier immer noch der Autoverkehr, doch nun gibt es eben auch neue Flächen für Fußgänger und Radfahrer, die ehedem an diesem Ort der Stadt kaum Platz hatten und wegen des Autoverkehrs gefährlich lebten. Für mehr Sicherheit sollen 2,30 Meter breite Radwege mit 50 Zentimeter breiten Schutzstreifen sorgen sowie teilweise breitere Gehwege, auf denen auch ein Begegnungsverkehr zwischen Personen mit Rollstuhl und Kinderwagen bequem möglich ist.Die neue Ampelanlage an der Kreuzung Gabelsbergerstraße/Oskar-von-Miller-Ring schließt zudem eine Lücke in der Nord-Süd-Verbindung für den Rad- und Fußverkehr. „Durch die Umgestaltung verliert der Platz seine trennende Wirkung zwischen Altstadt und Maxvorstadt“, sagt Dominik Krause, „stattdessen bildet er nun eine grüne Brücke zwischen den Stadtvierteln.“ Baureferentin Ehbauer spricht von einer Stadtreparatur, die überfällig gewesen sei. „Der neue Oskar-von-Miller-Ring ist nach wie vor ein Verkehrsort, aber auch ein Ort des Lebens und der Lebensqualität.“Das Projekt folgt dem Prinzip der „Schwammstadt“: Gehwege entwässern in die Grünflächen, wodurch das Regenwasser den Pflanzen zur Verfügung steht und wieder dem Grundwasser zugeführt wird. Catherina HessDas Projekt hat 33,7 Millionen Euro gekostet, die Maßnahme wird mit Mitteln des bayerischen Bauministeriums und des Finanzministeriums gefördert. Man habe trotz einiger Herausforderungen während der Bauarbeiten den Zeit- und Kostenrahmen eingehalten, sagt Ehbauer. Laut Bauleitung hat es zum Beispiel unerwartete Altlasten im Untergrund gegeben.Trotz der Umgestaltung bleibe die Leistungsfähigkeit für den Autoverkehr erhalten, sagt Mobilitätsreferent Dunkel. Jetzt gibt es auch eine neue Verkehrsführung, die es ermöglicht, von der Ludwigstraße kommend mit dem Auto Richtung Maximiliansplatz und weiter bis zum Stachus zu fahren. Bislang mussten Autos die Route über den Odeonsplatz und die Brienner Straße nehmen. Diese Strecke soll künftig für den Durchgangsverkehr gesperrt werden, wann genau, ist noch unklar. Das Mobilitätsreferat will zunächst den laufenden Wettbewerb zur Umgestaltung des Odeonsplatzes abwarten, den der Stadtrat im April dieses Jahres auf den Weg gebracht hat. Was dabei herauskommt, ist offen, Ziel ist es jedoch, auch hier die Aufenthaltsqualität zu erhöhen. Über die Umgestaltung des Odeonsplatzes wird allerdings erst der im nächsten Jahr neu gewählte Stadtrat entscheiden.