PfadnavigationHomeSatireArtikeltyp:SatireO tempora, o mores!Schüler lehnen Latein wegen kultureller Aneignung abVeröffentlicht am 26.09.2025Lesedauer: 2 MinutenAufstand: Schüler wollen nicht mehr länger das Lateinische verzerrt oder trivialisiert wiedergebenQuelle: pa/dpa/dpaweb/Ingo WagnerImmer mehr Schüler haben genug davon, fremde Kulturen auszubeuten und sich mit fremden Federn zu schmücken: An einem Gymnasium im hessischen Bad Wokenhausen boykottiert deswegen jetzt eine ganze Klasse den Unterricht in bestimmten Fächern.Die nicht enden wollenden Debatten über weiße Reggae-Musiker, deutsche Rentnerinnen mit Sombreros oder ostdeutsche Oberindianer sind doch zu etwas gut: Die Schülerinnen und Schüler hierzulande entwickeln ein immer feineres Gespür für die Untiefen der kulturellen Aneignung. Die Zeiten, in denen man an rückständigen Lehranstalten bedenkenlos „Veni, vidi, vici“ oder „hic, haec, hoc“ sagen konnte, sind jedenfalls vorbei – zumindest für eine Schulklasse im hessischen Bad Wokenhausen.„Wir lehnen es aus Gründen der kulturellen Aneignung ab, weiter rücksichtslos die Lebensart der Römer auszubeuten“, erklärt Klassensprecher Lars-Finn Listig, weshalb die 8b am Freiherr-von-Wegen-Gymnasium geschlossen den Lateinunterricht boykottiert.Alte Römer können sich nicht wehrenMit dem Erlernen der lateinischen Sprache würden sie als wohlhabende Mitteleuropäer eines der wichtigsten Elemente der römischen Kultur übernehmen, um sich danach damit auf dem gesellschaftlichen Parkett zu brüsten. Und das, ohne um Genehmigung bei der schamlos ausgeschlachteten Minderheitskultur gefragt zu haben, die eine derartige Minderheit sei, dass es praktisch keine Vertreter mehr von ihr gebe, so Listig – „sie sind alle offenbar Opfer von kultureller Aneignung geworden.“Lesen Sie auch„Wenn wir Verben und Deklinationstabellen pauken, trivialisieren wir das Lateinische in unerträglichem Maße, reproduzieren es falsch oder verzerrt und fördern damit peinliche Stereotypen“, führt der Klassensprecher weiter aus. Den von der überrumpelten Lateinlehrerin vorgebrachten Einwand, dass es sich bei den alten Römern keinesfalls um eine unterdrückte Minderheit, sondern vielmehr um ein Volk von Imperialisten und Sklavenhaltern gehalten habe, kommentiert er mit einem entrüsteten Kopfschütteln: „Umso schlimmer!“Meisten Schulinhalte nicht mehr politisch korrektAber damit nicht genug: Aus Respekt vor den schwer gebeutelten Briten, Griechen sowie allen unterdrückten Völkern dieser Erde will die 8b selbstverständlich auch nicht mehr am Englisch- , Mathematik- , Sport- und Geografieunterricht teilnehmen.Lesen Sie auchFolgen Sie GLASAUGE trotzdem auf Facebook, X oder Instagram – und verpassen Sie künftig keine Scherzartikel und Zusatzsatiren!