PfadnavigationHomeRegionalesNordrhein-WestfalenArtikeltyp:MeinungMultikulturelle SchuleIm Sinne des Miteinanders muss Deutsch Vorrang genießenVeröffentlicht am 08.08.2025Lesedauer: 6 MinutenQuelle: © Adobe Stock/CooperVisionTypisch migrantische Sprachen wie Arabisch und Türkisch sollen in Schulen deutlich aufgewertet werden. Das ist gut gemeint, könnte aber den Deutschkenntnissen der Schüler schaden, Loyalitätskonflikte verstärken und unser Gemeinwesen schwächen, warnt Till-Reimer Stoldt.Es war eine Frage der Zeit, bis Türkisch, Arabisch und Dari in deutschen Schulen Heimat finden würden. Und es war eine Frage der Zahl: Schulen müssen reagieren, wenn, wie in NRW, 44 Prozent aller Schüler Zuwanderungsgeschichte haben. Deshalb will Schwarz-Grün im einwohnerreichsten Bundesland zugewanderten Sprachen die Schultore weit öffnen. Mit dieser Reform verbindet sich, wagen wir das große Wort, ein schulpolitischer Paradigmenwechsel: von der mono- zur multikulturellen Schule. Migranten-Sprachen sollen Schulalltag prägenCDU und Grüne in NRW stellen sich damit an die Spitze eines bundesweiten Trends: Sie wollen die Sprachen migrantischer Schüler aufwerten. Diese sollen in den „regulären Schulalltag integriert werden“ und „Schulkultur, Unterrichtsgestaltung und Schulentwicklung“ prägen. Dazu soll etwa der herkunftssprachliche Unterricht für Schüler mit Zuwanderungsgeschichte massiv ausgeweitet werden. Auch die Anerkennung ihrer Sprachen als Oberstufenfächer will NRW vorantreiben. Und vieles andere mehr. Einleuchtende Argumente sprechen ja auch dafür: Schüler mit Zuwanderungsgeschichte dürften sich wertgeschätzt fühlen. Beruflich profitiert man meist von Sprachkenntnissen. Und Mehrsprachigkeit stimuliert Kinder laut Studien intellektuell, anstatt sie zu überfordern – zumindest unter bestimmten Voraussetzungen.Darf man da noch unken, das Ganze sei arg riskant? Womöglich gar ein Fehler? Allerdings darf man das. Jedem Türkeistämmigen sei von Herzen gegönnt, wenn er mit seiner (Groß-)Muttersprache im Abitur glänzt. Und jedem zugewanderten afghanischen Schüler, wenn er auf Dari beweist, dass er in Physik eigentlich doch gut ist. Aber: Die Einwände gegen die Multikulti-Schule wollen wir darüber nicht vergessen – ganz konkrete ebenso wenig wie die grundsätzliche Frage, ob diese Verbuntung wirklich im Interesse des deutschen Gemeinwesens liegt.Mit diesen Geflüchteten wird es schwierigZunächst einmal: Die Voraussetzung für eine erfolgreiche multikulturelle Schule ist in Deutschland derzeit nicht erfüllt. Mehrsprachigkeit bei Kindern schlägt sich laut Forschern nur dann in ordentlichen Schulleistungen nieder, wenn die Kinder in beiden Sprachen viel und hochwertigen Input erhalten, auch in der Familie. Laut PISA-Studien oder INSM-Bildungsmonitor führt Mehrsprachigkeit dagegen zu schlechten Leistungen, „wenn Eltern gering qualifiziert sind, wenig Bücher zu Hause vorhanden sind und im Elternhaus nicht deutsch gesprochen wird“. Damit ist leider ein erheblicher Teil der Geflüchteten seit 2013 korrekt beschrieben. Von ihnen hatten 39 Prozent nur Grundschulabschluss und 24 Prozent mittlere Schulbildung – Analphabeten, deren Zahl nicht so sauber erhoben wurde, noch nicht eingerechnet. Zu wenig Deutsch zuhause, zu wenig in der KitaZudem sprechen zum Beispiel in NRW 72 Prozent der Migranten zuhause nur zeitweise oder gar kein Deutsch. Auch weist der Trend in die falsche Richtung: Immer mehr Kinder kommunizieren zuhause vorrangig nicht auf Deutsch. Und keine 30 Prozent der Kita-Kinder sind Migranten, obwohl sie über 40 Prozent der Bevölkerung dieser Altersgruppe stellen. Dabei wäre es in den Kitas noch leichter möglich, Deutschdefizite auszugleichen. Das geschieht in den von Personalmangel geplagten Kitas aber nicht. Zu viele Kinder mit Zuwanderungsgeschichte beherrschen daher das Deutsche mangelhaft, wenn sie ihre Schulkarriere beginnen. Unter diesen Voraussetzungen würde eine forcierte Mehrsprachigkeit an Schulen sprachliche Defizite nicht beseitigen, sondern eher verstärken. Lesen Sie auchEntsprechend schlecht schneiden Schüler „mit Hintergrund“ laut IQB-Bildungstrend und Pisa-Studie im Deutschen ab, vor allem beim Lesen, Schreiben, Verstehen. Bei der Lesekompetenz liegen sie vier Jahre (wenn sie eingewandert sind) oder zwei Jahre (wenn ihre Eltern eingewandert sind) hinter Deutschen ohne Zuwanderungsgeschichte. Das ist nicht der Stoff, aus dem Erfolgsgeschichten der Mehrsprachigkeit gemacht sind.Zumal Schulen bekanntlich den Mangel verwalten. Sie kämpfen in den meisten Ländern mit Personalnot und Stundenausfall. Und da sollen Lehramtsstudiengänge für migrantische Sprachen auf- und ausgebaut werden? Ausgerechnet jetzt sollen Lehrkräfte und Wochenstunden von deutschem auf nichtdeutschen Unterricht umverteilt werden? Mit all der Energie, dem Geld und dem Personal, die das kostet? Wenn, dann müsste dieses in die Deutschvermittlung der Kitas gesteckt werden. Wir haben nicht zu viel kulturelle HomogenitätDavon abgesehen: Liegt es denn voll und ganz im Interesse unseres Gemeinwesens, Mehrsprachigkeit zu perpetuieren – bei Zugewanderten, ihren Kindern und Kindeskindern? In NRW-Schulen wird der Migrantenanteil bald bei 50 Prozent liegen. Bereits jetzt werden dort 30 Sprachen im muttersprachlichen Unterricht gelehrt. Wir haben nicht zu viel kulturelle Homogenität im Land. Seit Jahren fühlen sich Schulen genötigt, eine Deutschpflicht auf ihrem Schulgelände zu verkünden. Sie kämpfen, nicht selten verzweifelt, um eine von allen gut beherrschte Verkehrssprache – also um die Voraussetzung aller Kommunikation. Deren gemeinschaftsstiftende Bedeutung schätzte etwa der US-Politikwissenschaftler Karl Deutsch so hoch ein, dass er die Nation als Kommunikationsgemeinschaft definierte. Im Sinne des Miteinanders kann das nur heißen: Deutsch muss Vorrang genießen. Gefahr der LoyalitätskonflikteMit der Multikulturalisierung der Schule geht ein weiteres Risiko einher: Loyalitätskonflikte. Beheimatung in der Herkunftssprache konserviert und betont Herkunftsidentität. Und dass die mit den Interessen Deutschlands kollidieren kann, zeigt sich immer wieder – spätestens seit vor einem Jahrzehnt rund 30.000 Türkeistämmige in Köln für ihren Führer Erdogan demonstrierten und ihm ihre Treue gelobten. Auch in Umfragen erklären Türkeistämmige regelmäßig zu knapp 50 Prozent, ihre Heimat sei ausschließlich die Türkei (die andere Hälfte fühlt sich neben der Türkei auch in Deutschland beheimatet).Auch öffnen manche Herkunftssprachen Türen zu schwer kontrollierbaren Kommunikationsgemeinschaften mit antiwestlicher Tendenz. Wer zum Beispiel das Türkische beherrscht, kann die inspirierende Dichtung des großen Menschenfreundes Yunus Emre lesen – oder aber, wie so viele Deutsche mit türkischen Ahnen, nationalistisch-softislamistische Propaganda des türkischen Staates aufsaugen. Auch im arabischen Sprachraum gibt es etliche stark missionarische Kommunikationsgemeinschaften, die dem Westen feindlich gesonnen sind. Vor allem digital versuchen sie deutsche Muslime an ihre vermeintlich wahre Identität als Nichtdeutsche und Nichtwestler zu erinnern. All das ist nicht immer von Erfolg gekrönt – zu oft aber doch.Die verkannte AssimilierungAus diesem Grund kann es unserem Land Konflikte ersparen, wenn zum Beispiel 28 Prozent der Migranten in NRW zu Hause nur Deutsch sprechen. Ob ein Zuwanderer sich assimiliert oder nicht, entscheidet er in unserem freien Land selbst. Wir sollten uns aber über jeden freuen, der sich auch in seinen eigenen vier Wänden inkulturiert. Assimilierung ist kein Verbrechen gegen die Menschlichkeit, sondern, wie Ex-Innenminister Otto Schily (SPD) einst sagte, die beste Form der Integration. Wer in Schulen jedoch migrantische Verkehrssprachen stärkt, rät Einwanderern de facto davon ab, zuhause nur Deutsch zu sprechen. Das würde ja dem Schulerfolg schaden.Die fortgesetzte Pflege multipler kultureller Identitäten birgt also Risiken. Aber diese Spannung, diese Zwiespältigkeit nehmen CDU und Grüne überhaupt nicht wahr. Sie bekennen stattdessen, mit der Aufwertung von Herkunftssprachen verfolgten sie ganz bewusst das Ziel der „Anerkennung“ einer „multikulturellen Identität als Normalität“. Aber das war wohl nur eine Frage der Zeit. Und der Zahl.