Vor knapp zwei Wochen fuhr Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu nach Maale Adumim, eine Stadt nicht weit von Jerusalem – so sieht es jedenfalls Israel. Zehntausende Menschen leben hier, es gibt ein Rathaus, eine Bibliothek, einen Vergnügungspark. Doch für Staaten außerhalb dieses Landes ist Maale Adumim keine gewöhnliche Stadt, sondern eine Siedlung, die mitten im palästinensischen Westjordanland gebaut wurde – und damit völkerrechtswidrig ist. Netanjahu ließ nach seinem Besuch Bilder verbreiten, auf denen ihm Bürger von Maale Adumim applaudieren, für eine Rede, die das Büro des Ministerpräsidenten gleich mitschickte: „Es wird keinen palästinensischen Staat geben!“, sagte er darin. „Dieser Ort gehört uns. Wir werden uns um unser Erbe, unser Land und unsere Sicherheit kümmern.“

Netanjahu und seine teils rechtsextreme, ultrareligiöse Regierung treiben Siedlungsprojekte auf palästinensischem Boden voran, und Maale Adumim soll der Ausgangspunkt werden für die Bebauung eines weiteren, großen Gebiets im Westjordanland. So groß, dass es das Land teilen und einen zusammenhängenden Staat Palästina unmöglich machen würde. Mit dieser Politik bedient Netanjahu die Interessen seiner rechten und ultrarechten Wählerschaft, in Israel steht ein Wahljahr an.