PfadnavigationHomeDebatteArtikeltyp:MeinungIsraelDie Anerkennung eines palästinensischen Staates würde Terror belohnenVon Ron AgamVeröffentlicht am 12.06.2025Lesedauer: 4 MinutenDemonstranten in Athen mit einer überdimensionierten palästinensischen FlaggeQuelle: AFP/ARIS MESSINISDie palästinensische Staatlichkeit ist nicht per se ungerecht. Tatsächlich unterstützen viele Israelis und Juden weltweit seit Langem eine Zwei-Staaten-Lösung. Aber Staatlichkeit muss das Ergebnis von Verhandlungen sein, nicht von Gewalt.Am 7. Oktober 2023 erlebte Israel den tödlichsten Tag für Juden seit dem Holocaust. In einem koordinierten und barbarischen Angriff drangen Terroristen der Hamas in den Süden Israels ein und ermordeten über 1.200 Menschen – darunter Babys, Frauen, ältere Menschen –, viele davon in ihren Häusern oder auf einem Musikfestival. Familien wurden lebendig verbrannt. Frauen wurden vergewaltigt und verstümmelt. Mehr als 250 Menschen wurden als Geiseln genommen, darunter Kinder und Holocaust-Überlebende. Einige wurden inzwischen im Rahmen von Gefangenenaustauschen freigelassen. Viele befinden sich weiterhin in Gefangenschaft, werden in Tunneln unter Gaza festgehalten, unter unmenschlichen Bedingungen und Berichten zufolge anhaltenden Misshandlungen ausgesetzt.Dies ist keine Geschichte aus längst vergangenen Zeiten. Es geschieht vor unseren Augen.Und doch hat der französische Präsident Emmanuel Macron trotz dieser Gräueltaten – und obwohl Dutzende Geiseln noch immer vermisst oder als tot bestätigt sind – seine Unterstützung für die Anerkennung eines palästinensischen Staates signalisiert. Unter den gegenwärtigen Umständen wäre dies sicherlich kein Schritt in Richtung Frieden. Es wäre eine Belohnung für Terror. Es wäre ein Verrat an Gerechtigkeit, Moral und genau den Werten, die Frankreich zu vertreten vorgibt.Lesen Sie auchDie palästinensische Staatlichkeit ist nicht per se ungerecht. Tatsächlich unterstützen viele Israelis und Juden weltweit seit Langem eine Zwei-Staaten-Lösung. Aber Staatlichkeit muss das Ergebnis von Verhandlungen sein, nicht von Gewalt. Sie muss auf gegenseitiger Anerkennung, der Verpflichtung zur Koexistenz und verantwortungsvoller Regierungsführung beruhen. Sie kann nicht einseitig nach einem Massaker gewährt werden – und schon gar nicht, solange die Hamas, eine genozidale Terrororganisation, in Gaza an der Macht ist und offen zur Zerstörung Israels aufruft.Präsident Macron kann nicht einerseits behaupten, Antisemitismus zu bekämpfen, und andererseits ein Regime legitimieren, das den Mord an Juden feiert. Die Charta der Hamas ist eindeutig: Ihr Ziel ist nicht Frieden, sondern die vollständige Vernichtung des jüdischen Staates. Die Anerkennung eines palästinensischen Staates unter diesen Bedingungen würde nicht die Gemäßigten stärken, sondern die Extremisten ermutigen. Es würde die Botschaft senden, dass Terrorismus funktioniert.Schlimmer noch, es würde nicht nur Israel, sondern auch das palästinensische Volk im Stich lassen.Die Hamas repräsentiert nicht alle Palästinenser. Aber sie regiert den Gazastreifen mit eiserner Faust, unterdrückt Dissens, stiehlt humanitäre Hilfe und macht Zivilisten zu menschlichen Schutzschilden. Sie hat politische Gegner hingerichtet, internationale Hilfe für den Bau von Tunneln statt für Schulen und Krankenhäuser zweckentfremdet und die Pressefreiheit und Bürgerrechte unterdrückt. Wenn die Bewohner des Gazastreifens für Freiheit protestieren, werden sie mit Kugeln statt mit Wahlzetteln empfangen.Lesen Sie auchDurch die Anerkennung eines palästinensischen Staates, der von der Hamas geführt oder beeinflusst wird, würde die internationale Gemeinschaft ein Regime legitimieren, das sein eigenes Volk unterdrückt. Wo bleibt die Empörung über die palästinensischen Zivilisten, die während des Konflikts als Schutzschilde benutzt werden? Über die Journalisten, die in Gaza wegen wahrheitsgemäßer Berichterstattung verhaftet wurden? Über die Hilfsgüter, die von den Hamas-Führern gestohlen werden, während ihr Volk hungert?Wenn Macron wirklich für Gerechtigkeit eintreten will, sollte er zunächst die Freilassung aller Geiseln fordern. Er sollte die Verbrechen verurteilen, die nicht nur gegen Israelis, sondern auch gegen Palästinenser durch ihre eigenen Herrscher begangen wurden. Er sollte darauf bestehen, dass alle Schritte in Richtung Staatlichkeit demokratische Reformen, Abrüstung und die Anerkennung des Existenzrechts Israels beinhalten.Eine voreilige Anerkennung würde keinen Frieden bringen. Sie würde den Konflikt einfrieren, die Ablehnung legitimieren und die Bemühungen verantwortungsbewusster palästinensischer Führer um eine bessere Zukunft untergraben. Sie würde ein falsches Signal senden: dass Brutalität zu Diplomatie führt, dass Gewalt ein schneller Weg zur Staatsgründung ist.Lesen Sie auchDies ist ein moralischer Moment. Frankreich muss sich fragen: Welche Art von Frieden möchten wir aufbauen? Einen, der auf Kompromissen und Koexistenz basiert – oder einen, der auf den Gräbern ermordeter Zivilisten und dem Schweigen der Entführten errichtet ist?Die Geschichte erinnert sich an diejenigen, die für die Wahrheit eintraten, und sie vergisst nicht diejenigen, die sie aufgegeben haben. Wenn Präsident Macron nach dem Massaker vom 7. Oktober die Anerkennung eines palästinensischen Staates vorantreibt – während Geiseln weiterhin gefangen gehalten werden und die Hamas weiterhin mit Angst und Blut regiert –, könnte er feststellen, dass diese Entscheidung ihm nicht als Zeichen von Mut, sondern als Zeichen der Schande nachhängen wird. In den stillen Momenten seiner letzten Lebensjahre wird er vielleicht erkennen, dass moralische Klarheit gefragt war und er mit politischer Berechnung geantwortet hat. Dass sein Name nicht als Friedensstifter in Erinnerung bleiben wird, sondern als Mann, der Terror belohnt und den Opfern unvorstellbarer Gewalt den Rücken gekehrt hat. Und dieses Urteil – durch die Geschichte, durch das Gewissen und durch diejenigen, die noch immer trauern – wird ihn weit länger verfolgen als jeder politische Gewinn.Unser Gastautor Ron Agam ist in Frankreich und Israel aufgewachsen, lebt und arbeitet in New York und gehört zu den führenden Vertretern der kinetischen Kunst.