PfadnavigationHomeSportLeichtathletikWM in TokioKönig der Leichtathleten – Neugebauer gewinnt Gold im ZehnkampfVeröffentlicht am 21.09.2025Lesedauer: 4 MinutenLeo Neugebauer hat sich zum König der Athleten gekrönt. Ein Jahr nach Olympia-Silber gewann der Stuttgarter bei der Leichtathletik-WM im Zehnkampf-Thriller von Tokio nach einem Kraftakt über die abschließenden 1500 m Gold.Am letzten Tag der Leichtathletik-Weltmeisterschaften gewinnt die deutsche Mannschaft ihre erste Goldmedaille. Zehnkämpfer Leo Neugebauer krönt sich in Tokio nach einem spektakulären Wettkampf mit dem Titel.Leo Neugebauer ist neuer Weltmeister im Zehnkampf. Der 25-Jährige gewann bei den Leichtathletik-Weltmeisterschaften in Tokio mit 8804 Punkten. Der Olympia-Zweite hatte am Schlusstag der Titelkämpfe in der japanischen Metropole nach einem spannenden 1500-Meter-Lauf einen Vorsprung von gerade einmal 20 Punkten auf Ayden Owens-Delerme aus Puerto Rico. Es war die knappste Zehnkampf-Entscheidung der WM-Geschichte. Bronze gewann der Amerikaner Kyle Garland.„Ich wusste ganz genau, wie ich laufen musste. Der zweite Tag war echt geil. Ich habe die Emotionen der Zuschauer ausgenutzt, es war klasse“, sagte Neugebauer. Diese Saison sei „eine Achterbahnfahrt“ für ihn gewesen, erzählte er, mit Höhen und Tiefen: „Aber ich habe immer hart trainiert. Mit Gold habe ich allerdings nicht gerechnet. Ich bin mega happy.“Der Mainzer Niklas Kaul, der bei der WM 2019 Gold gewonnen hatte, arbeitete sich bei seiner spannenden Aufholjagd vor allem dank einer starken Speerwurf-Vorstellung noch auf Rang vier vor.Lesen Sie auchBei den Weltmeisterschaften vor zwei Jahren in Budapest war Neugebauer als Halbzeit-Führender auf Rang fünf zurückgefallen. Auch bei den Olympischen Spielen in Paris war er auf Goldkurs und gewann am Ende Silber. Diesmal setzte er sich erst im Speerwurf an die Spitze, mit persönlicher Bestleistung. Er steigerte sich von bislang 58,99 auf nun 64,34 Meter. Schon den Diskus hatte er auf 56,15 Meter geschleudert – das war der weiteste Wurf eines Zehnkämpfers überhaupt bei einer WM. Im abschließenden 1500-Meter-Lauf kämpfte er sich dann zum Triumph durch.Viele Zehnkampf-Favoriten scheitern bei der WM in Tokio vorzeitigDas aber kostete ihn enorm viel Kraft. Der bei den Zehnkämpfern ungeliebte – weil enorm kräftezehrende – Lauf über 1500 Meter zum Abschluss der Wettbewerbe zehrte ihn aus. Neugebauer sank kurz nach dem Ziellauf auf die Bahn, lag auf dem Rücken. An Jubel war zunächst nicht zu denken. Erst nach Sekunden war er dazu fähig.Wenig später konnte er kaum aufstehen. Helfer mussten ihn aufrichten, packten ihn in einen Rollstuhl – aus dem er wenige Sekunden später aber wieder aufstand. „Der Rollstuhl war nicht nötig. Ich habe mich zwar scheiße gefühlt, aber naja ...“, sagte er beim Interview der ARD.Für Neugebauer ist es der erste große Titel. Der in den USA lebende und für den VfB Stuttgart startende Mehrkämpfer hatte im vergangenen Jahr den deutschen Uralt-Rekord von Jürgen Hingsen auf 8961 Punkte verbessert.Im Nationalstadion von Tokio meisterte Neugebauer einen verrückten Zehnkampf am besten. Er profitierte dabei auch vom Aus des norwegischen Topfavoriten Sander Skotheim nach einer Disqualifikation im Hürden-Lauf. Tokio-Olympiasieger Damian Warner ging wegen Achillessehnenproblemen gar nicht erst an den Start, Medaillenkandidat Simon Ehammer aus der Schweiz beendete den Wettkampf nach einer Nullnummer im Hochsprung. Der Deutsche Till Steinforth gab mit Schmerzen auf. Mehr als ein Drittel der gemeldeten Zehnkämpfer beendete den Wettkampf nicht. „Der Druck, den Leo aushalten musste, war groß“, sagte der ehemalige Zehnkampf-Olympiazweite und jetzige ARD-Experte Frank Busemann: „Die Saison nach der ersten Medaille wie der von Leo bei Olympia ist so unglaublich schwer. Ich habe nicht damit gerechnet, dass er diesem Druck standhält. Leo hat den Titel nicht geschenkt bekommen. Er hat gekämpft bis aufs Blut.“Bronze für die Frauen-SprintstaffelFür den Deutschen Leichtathletik-Verband war es die vierte Medaille in Tokio und die erste goldene. Das fünfte Edelmetall folgte jedoch nur weniger Minuten später. Die Frauen-Staffel über die 4x100 Meter gewann Bronze. Das Quartett mit Sina Mayer, Rebekka Haase, Sophia Junk und Gina Lückenkemper bejubelte in 41,87 Sekunden den dritten Platz und wiederholte damit den Bronze-Coup von Olympia in Paris vor gut einem Jahr. „Es war einfach wirklich eine saugeile Teamleistung“, sagte Schlussläuferin Lückenkemper. „Ich wusste auch nicht bei Überquerung der Ziellinie: Hat's gereicht oder hat's nicht gereicht.“ Den WM-Titel sicherte sich die Staffel aus den USA mit Sprintstar Melissa Jefferson-Wooden (41,75 Sekunden) vor Jamaika (41,79 Sekunden).Lesen Sie auchBei den Titelkämpfen vor zwei Jahren in Budapest war das deutsche Team bei den Medaillen noch leer ausgegangen. Diesmal kletterte Deutschland auf Rang elf im Medaillenspiegel.pk