Hinter Robert Farken liegen turbulente Tage. Der 27-Jährige erlebt in Tokio gerade seine ersten Weltmeisterschaften im Freien und nach den Halbfinal-Läufen über 1500 Meter sprach plötzlich die ganze aufgeregte Mittelstreckenszene über den gebürtigen Leipziger. Zuschulden kommen lassen hatte Farken sich nichts, aber Cole Hocker, Olympiasieger aus den USA, war nach einem Rempler gegen den Deutschen auf der Zielgeraden disqualifiziert worden. Was sollte das bitte für ein Finale werden, fragten manche, zumal der angeschlagene Tokio-Olympiasieger Jakob Ingebrigtsen ebenso vorzeitig gescheitert war? Aber vielleicht war das auch eine gute Erinnerung daran, dass es vor den Medaillenläufen schon noch das ein oder andere Hindernis zu bewältigen gibt.Die 1500 Meter sind nicht gerade eine deutsche Disziplin, 2013 hatte mit Homiyu Tesfaye zuletzt ein Deutscher ein WM-Finale erreicht. Und nun also Robert Farken: Da sah man ihn am Mittwochabend im Nationalstadion von Tokio vielleicht den wichtigsten Spurt seines Lebens hinlegen.Medaillenspiegel und alle Entscheidungen:Zeitplan der Leichtathletik-WM 2025 in TokioVier Jahre nach den Olympischen Spielen kommt die Leichtathletik-Elite zurück nach Tokio. Alle Entscheidungen sowie der Medaillenspiegel der Leichtathletik-WM 2025 im Überblick.Ganz andere Bilder waren das plötzlich im Vergleich zum Halbfinale: Vor zwei Tagen ging bei ihm auf den letzten Metern plötzlich nichts mehr, wohl auch durch die Berührung von Hocker, wie der Deutsche später nach Sichtung des Videomaterials mutmaßte. Jetzt aber fand er noch einen Extraantrieb, musste einen Bogen Richtung Mitte der Bahn laufen um die Athleten vor ihm herum. Und dann nutzte er die Chance, die ihm noch gegeben worden war. Am Ende stand mit Rang sechs in 3:35,15 Minuten ein Top-Ergebnis. „Ich bin einfach nur stolz“, sagte Farken in der ARD: „Ich habe mehr als deutlich unter Beweis gestellt, dass ich hier hingehöre.“ Gold sicherte sich Isaac Nader aus Portugal (3:34,10 Minuten) vor Jake Wightman aus Großbritannien, Bronze ging an den Kenianer Reynold Cheruiyot. Josh Kerr, Weltmeister von 2023, war durch mehrere Tritte auf die Innenbahnbegrenzung aus dem Rhythmus gekommen und wurde Letzter.„Mein Mindset hat sich verändert durch den Umzug. Es ging heute nicht nur ums Dabeisein“, sagte FarkenFür den großen Traum war Farken im vergangenen Jahr in die USA umgezogen, nach Boulder in Colorado, wo er in der Laufgruppe eines Sportartikelherstellers trainiert. Neue Reize zu setzen, außerhalb seiner Komfortzone, das war ihm wichtig. Und diese zeigten Wirkung: Im Juni gelang ihm in Rom ein neuer deutscher Rekord in 3:30,80 Minuten, die alte Bestmarke von Thomas Wessinghage war fast 45 Jahre alt. Nur wenige Tage später klappte es mit einer neuen Bestmarke über die seltener gelaufene Meile. „Nach so einer Lebensumstellung wie ich sie gemacht habe nach dem Umzug in die USA ist da jetzt so viel Genugtuung“, sagte Farken nach seinem Lauf in Tokio. Es ist auch Belohnung für so manche Entbehrungen, die mit dem Umzug verbunden sind, die Familie vermisst er in den USA natürlich schon.Bauchplatscher Gesa Felicitas Krause stürzt am letzten Wassergraben, am Ende wird sie trotzdem noch Siebte. Yuichi Yamazaki/AFPDass er am Ende noch einen solchen Zieleinlauf hinlegen konnte, lag nicht nur an seinem austrainierten Körper und kluger Renntaktik, auch die Gedankenwelt ist bei Farken in den USA eine andere geworden. „Mein Mindset hat sich verändert durch den Umzug. Es ging heute nicht nur ums Dabeisein“, sagte Farken, sondern darum, ein Wettkämpfer zu sein: „Das habe ich gemacht. Das ist ein geiles Gefühl, jetzt in den top Sechs zu sein.“Wenige Minuten zuvor hatte Gesa Felicitas Krause über 3000 Meter Hindernis bewiesen, dass mit ihr noch zu rechnen ist: Sie überzeugte in 9:14,27 Minuten mit Platz sieben, und das trotz eines Bauchplatschers in den Wassergraben auf der Schlussrunde. Durchtränkt, aber tapfer kämpfte sich Krause ins Ziel. „Natürlich wäre ich gerne wieder mit der Medaille nach Hause gefahren, aber ich glaube, ich kann hier sehr zufrieden sein“, sagte Krause in der ARD.2015 und 2019 hatte sie jeweils WM-Bronze gewonnen. Vor zwei Jahren brachte sie eine Tochter zur Welt. In dieser Saison machte Krause ein Sturz samt Rippenbruch zu schaffen, weshalb sie im Vorfeld auf viele Rennen verzichtet hatte. Gold ging an die Kenianerin Faith Cherotich, in 8:51,59 Minuten mit Meisterschaftsrekord. „2011 stand ich als kleines Küken am Start und dass ich jetzt nach so langer Zeit immer noch in die top Acht laufen kann, ist einfach toll“, sagte Krause. Jetzt hat sie selbst ein kleines Küken, das ihr auf der Tribüne in Tokio zujubelte.