PfadnavigationHomeICONISTModeStilikoneRobert Redford hinterlässt auch ein modisches ErbeVeröffentlicht am 21.09.2025Lesedauer: 5 MinutenLässig, aber nie überheblich – ein Sympathieträger mit Charisma, Stil und unvergessener Ausstrahlung: Robert RedfordQuelle: Getty Images/Screen ArchivesSchauspieler, Regisseur, Produzent, Oscar-Gewinner und Blockbuster-Garant – all das war Robert Redford. Der kürzlich verstorbene Superstar war jedoch auch eine Stilikone, nicht nur auf der Leinwand. Sein Einfluss auf die Mode wirkt bis heute fort. Ein Blick zurück – und in die Zukunft.Robert Redford war einer dieser Stars, auf die sich alle einigen konnten: Frauen schwärmten für ihn, Männer hätten ihn gerne als Freund gehabt. Böse Stimmen über den am 16. September Verstorbenen sucht man ebenso vergeblich wie Anekdoten über egozentrische Allüren. Redford war ein Sympathieträger – einer, der unaufgeregt auftrat, ohne dabei belanglos zu wirken; der lässig, aber nie überheblich erschien. Sein Charisma und sein außerordentlich gutes Aussehen (von dem laut eigener Aussage in jungen Jahren wenig zu erahnen war) bleiben unvergessen – genau wie sein Gespür für Mode.Lesen Sie auchAuch hier sind sich die Beobachter einig: Redford habe ein „Stil-Erbe hinterlassen, das weitgehend zur Blaupause für die amerikanische Herrenmode geworden ist“, befand „CNN“. Als „ein Musterbeispiel maskuliner Coolness und ein modisches Chamäleon, das in der Lage war, jedes ästhetische Klischee – den Cowboy, den Herumtreiber, den adretten Manager, den Intellektuellen von der Küste – aufzugreifen und mit ungezwungener Authentizität zum Strahlen zu bringen“, preist ihn „The Guardian“. Die „Vogue“ ernannte ihn zu „Hollywood’s most stylish man“, und die „New York Times“ sieht ihn neben Stilikonen wie Paul Newman, Steve McQueen und James Dean „auf dem Mount Rushmore der Schauspieler, die einen festen Platz auf den Moodboards der Designer haben“.Lesen Sie auchDieser Einfluss ist zum einen seinen Rollen geschuldet. Schon 1969 setzte Redford in „Schussfahrt“ einen Trend: Sein kurzer Shearling-Mantel wurde laut „The Guardian“ und „GQ“ zum heiß begehrten Kleidungsstück – so begehrt, dass ein nicht weniger stilvolles Accessoire fast unterging: der gelborangefarbene 911er-Porsche (mit Skihalterung auf dem Dach), in dem Redford durch den Film und die Schweizer Berglandschaft braust. Auch seine Skifahrer-Looks wirkten nach und inspirierten 2016 Michael Kors zu einigen Designs seiner damaligen Herren-Winterkollektion.In den 1970er-Jahren prägte Redford auf der Leinwand einen Modeklassiker nach dem anderen: den Trenchcoat über dem Sakko und seine Freizeit-Looks aus „So wie wir waren“ (1973), die Kappen, Pullunder und breiten Streifen in „Der Clou“ (ebenfalls 1973), die Jeansjacke aus „Der elektrische Reiter“ (1979) oder die Lederjacke aus „Tollkühne Flieger“ (1975) – dies ist nur eine unvollständige Liste seiner Looks, die den typisch amerikanischen, lässig-sportlichen Stil prägten. Für die klassische, aber nicht weniger lässige Note sorgte sein Auftritt in „Die Unbestechlichen“ (1976): Redford im Hemd mit locker umgehängtem Schlips zur beigefarbenen Hose, im Cordanzug, im Hemd mit hochgekrempelten Ärmeln und Rolex am Handgelenk – bis heute orientieren sich Fans des klassischen „Preppy Chic“ an diesem Stil.Eine Spielart ebendieses Stils trieb Redford in einer besonders glamourösen Rolle auf die Spitze: Als Jay Gatsby in der 1974 erschienenen Verfilmung des Fitzgerald-Romans zeigte er sich in Oscar-prämierten Kostümen von Theoni V. Aldredge. In der Laudatio sagte Lauren Bacall damals: „Filme beeinflussen wieder die Mode.“ Damit sollte sie recht behalten. Die Kostüme der Titelfigur blieben unvergessen – allen voran die perfekt sitzenden Dreiteiler, vorzugsweise in hellen und Pastelltönen (der rosa Anzug!) und Zopfpullover über akkuraten Hemden. Mit letzteren überhäuft Gatsby seine Angebetete Daisy in einer legendären Szene.Die im Film gezeigten Hemden stammten von der britischen Marke Turnbull & Asser, die Anzüge von Ralph Lauren – jenem Designer, der den „Preppy Chic“ zur DNA seiner Marke machte. Einer gewissen Ironie entbehrt es nicht, dass fünf Jahrzehnte später ausgerechnet der neureiche Gatsby auf Instagram immer wieder als Inspiration für den „Old Money Style“ genannt wird.Zu dessen etwas legererer Variante passt auch das Tweed-Sakko mit einer Art Fischgrätmuster, das Redford 1975 in „Die drei Tage des Condor“ zu blauem Chambray-Hemd, Wollkrawatte und Jeans trug. Wird dieses Sakko (dessen Hersteller bis heute unbekannt ist) in Übersichten der besten Redford-Filmlooks übergangen, weisen Social-Media-Nutzer umgehend darauf hin. Der Caban-Mantel, den Redford im Film trug, wurde laut „New York Times“ zur Inspiration für viele Designer – mal bewusst, mal unbewusst. Redford, so berichtete der damalige Kostümdesigner der „Financial Times“, soll sich höchstpersönlich mit den Details seiner Filmgarderobe befasst haben: So sei etwa die Innennaht seiner Levi’s-Jeans auf seinen Wunsch gekürzt und der Originalaufschlag wieder angenäht worden, um einen „Hollywood-Saum“ zu kreieren.Redfords Einfluss auf Jeans, wie wir sie heute kennen und tragen, ist so groß, dass sich die „GQ“ kürzlich die Anspielung auf den viel diskutierten Werbespot mit Sydney Sweeney nicht verkneifen konnte und titelte: „Robert Redford Had Great Jeans“. Es sei auch dem Bootcut-Fan Redford zu verdanken, dass das leicht ausgestellte Bein so populär wurde.Nicht nur bei Jeans brachte Redford seinen persönlichen Stil ein – auch bei Uhren, zumindest bei einer: In gleich mehreren Filmen, unter anderem in „Die Unbestechlichen“ und in „Der Kandidat“ (1976), trug er sein privates Rolex-Modell. Denn auch jenseits der Leinwand bewies er immer wieder ein Stilbewusstsein, das ihn scheinbar mühelos zwischen lässiger Bodenständigkeit und klassischer Eleganz balancieren ließ. Kaum jemand trug so elegant T-Shirt unter dem Sakko wie er, warf sich so lässig Schals um den Hals und Pullover über die Schultern. Mal kombinierte er Spiegel-Pilotenbrille zum akkuraten Anzug, Newsboy-Kappe zum weit aufgeknöpften Shirt oder Seidenschal zum Sakko, dann erschien er klassisch formvollendet im Tweed- oder im Jeans-Komplett-Look. Redford trug schon „Cowboy Core“, als der Begriff noch gar nicht erfunden war.Bootcut-Jeans, Preppy Chic, Cowboy-Look & Co.: Robert Redford hat schon vor Jahrzehnten auf und jenseits der Leinwand vieles vorgemacht, was heute immer wieder neu auflebt – ob als modern interpretierter Klassiker oder als Mikrotrend. Und spätestens, wenn die nächste Welle dieser Stile anrollt, dürften Bilder einer der sympathischsten Stilikonen aller Zeiten wieder auf Moodboards in vielen Designateliers hängen.