PfadnavigationHomekmpktPraktisch und lecker?Was „Quetschies“ wirklich problematisch machtVeröffentlicht am 26.09.2025Lesedauer: 5 MinutenStreitthema unter Eltern: QuetschiesQuelle: Getty Images/Jordan Siemens„Quetschies“, also kleine Beutel mit püriertem Obst, mögen fast alle Babys. Allerdings haben sie keinen allzu guten Ruf. Zurecht? Hier geben Experten Antworten.Als Elternteil kann man vielen Stimmen in den sozialen Medien zufolge nur versagen: mal handelt man nicht bedürfnisorientiert, mal nicht streng oder konsequent genug gegenüber seinem Kind. Wenn es ums Essen geht, wird es noch komplizierter. Dass Snacks und Mahlzeiten für Babys ab sechs Monaten und Kleinkinder möglichst wenig Salz sowie möglichst keinen Rohr-Zucker beinhalten sollten, ist zwar mittlerweile Konsens. Doch bei einem Thema gehen die Meinungen auseinander: Quetschies. Die meist bunt verpackten Beutel beinhalten Früchte- und Gemüsepürees, die aus dem Beutel kleckerarm verfüttert werden können. Fast jedes Kind mag sie. Allerdings ist ihr Ruf nicht besonders gut: Durch die Verarbeitung gehen angeblich wertvolle Nährstoffe aus den oftmals als gesund beworbenen Produkten verloren. Zusätzlich steige durch den Fruchtzucker die Kariesgefahr, kritisieren manche Eltern. Bevor wir die Mythen entschlüsseln, interessiert uns jedoch: Quetschies: Wirken gesund, doch genau hinschauen lohnt sich Die Argumentation auf Anbieterseite lautet wie folgt: Die Quetschbeutel erfreuen sich großer Beliebtheit und werden entsprechend nachgefragt, sagt etwa Marcus Schlich, mehrfacher Familienvater und stellvertretender Chefeinkäufer des Online-Supermarktes Knuspr. Allerdings empfiehlt er, Quetschies eher als Süßigkeit anzusehen, die keine vollwertige Mahlzeit ersetzten könne: „In einem einzigen Quetschie stecken oftmals bereits 9–12 g Zucker, was etwa drei Zuckerwürfeln entspricht.“ Trotzdem greifen viele Eltern vor allem zu den Sorten mit einem hohen Obst- und damit auch Fructoseanteil: „Vermutlich aus Gewohnheit, oder weil süße Sorten bei Kindern zunächst beliebter erscheinen.“ Lesen Sie auchAuch eine Laboruntersuchung von 18 Quetschies, die im britischen Einzelhandel in den Regalen stehen, belegt, dass Eltern diese auf keinen Fall als Ersatz für eine Mahlzeit für ihre Babys oder Kleinkinder sehen sollen. Laut einem Bericht der britischen BBC mangelt es insbesondere an essenziellen Nährstoffen wie Eisen und Vitamin C. Einige der untersuchten Quetschbeutel enthielten sogar mehr Fruchtzucker als ein Einjähriger laut Empfehlung der Weltgesundheitsorganisation WHO an einem Tag zu sich nehmen sollte. Problematisch ist das besonders, weil viele der Hersteller ihre Produkte mit schwammigen Slogans und Designs bewerben, die vielen Eltern ein Gesundheitsversprechen suggerieren. Wenn auf der Verpackung vorn steht „ohne Zuckerzusatz“, „Bio“ oder „100 % natürlich“, gehen viele Konsumenten zunächst von einem gesunden, guten Nahrungsmittel aus. Kein Ersatz für eine vollwertige Mahlzeit Doch das ist nicht wirklich der Fall, wie Dr. Sara Ramminger, Studiengangsleiterin Ernährungstherapie und Ernährungsberatung an der SRH University of Applied Sciences Heidelberg am Campus Gera erklärt. „Aus ernährungswissenschaftlicher Sicht gibt es einige kritische Aspekte, über die sich vor allem Eltern bewusst sein sollten. Dennoch müssen Quetschies nicht grundsätzlich verteufelt werden“, findet die Ernährungswissenschaftlerin. Problematisch sei vor allem die Darreichungsform. „Quetschies bestehen meist aus stark pürierten Mischungen mehrerer Obst- und Gemüsesorten“, so Ramminger. Dadurch falle es Kindern schwer, einzelne Geschmäcker zu erkennen und zu differenzieren. Kinder, die regelmäßig Quetschies konsumieren, könnten später weniger bereit sein, neue Texturen oder Geschmäcker auszuprobieren. Dabei spielt auch eine Rolle, dass die Pürees nicht gekaut werden müssen. Das wiederum erhöht auch die Kariesgefahr, wie die Ernährungswissenschaftlerin anmerkt: „Der hohe Zuckergehalt kann die Entstehung von Karies fördern, insbesondere wenn die Quetschies über längere Zeit ‚genuckelt‘ werden.“ Wenn nicht mit Wasser nachgespült wird, werde der Zahn vom Fruchtzucker und der Obstsäure umspült. Auch deswegen steht auf fast allen Quetschies auf der Rückseite ein Hinweis, dass die Beutel nur unter Aufsicht und am besten auf einem Löffel konsumiert werden sollen sowie auf Kariesprävention durch Zähneputzen geachtet werden sollte. Wenngleich Fruchtzucker als natürlicher Bestandteil von Obst und auch einiger Gemüsesorten zunächst gesünder erscheinen mag, im Vergleich zum herkömmlichen Haushaltszucker schneidet er nicht besser ab: „Beides sind Zuckerarten, die dem Körper Energie liefern, aber unterschiedlich verstoffwechselt werden.“ Lesen Sie auchFruchtzucker, erklärt Ramminger, wird hauptsächlich über die Leber verstoffwechselt. Daher kann es bei einem übermäßigen Konsum zu einer Fettleber führen. „Zucker bleibt schlussendlich Zucker und sollte nur in Maßen konsumiert werden, da sonst das Risiko für Adipositas, Herzkreislauferkrankungen und Co steigt“, sagt sie weiter. Hinzu komme, dass der Körper durch die Verarbeitung der Quetschies die Ballast- und Mineralstoffe, die in vielen Obst- und Gemüsesorten enthalten sind, gar nicht aufnehmen beziehungsweise verarbeiten kann. Gesunde Snack-Alternative? Das sagen die Hersteller Doch was sagen die Hersteller selbst dazu? Das Berliner Unternehmen Freche Freunde bietet vor allem Sorten mit Obstmischungen an, hat mittlerweile aber auch einige mit Gemüseanteil im Angebot. Geschäftsführerin Anna Brunstein betont, dass man sich seiner Verantwortung bewusst sei. Quetschies seien kein Ersatz für frisches Obst und Gemüse – und genau darauf weise man auch auf der Verpackung hin, ebenso auf die Kariesgefahr.Lesen Sie auchDer Münchner Hersteller Pumpkin Organics hat sich zur Aufgabe gemacht, in seinen Quetschies möglichst viel Gemüse einzusetzen. Die von ihnen produzierten Quetschbeutel enthalten maximal sieben Gramm Fruchtzucker auf 100 Gramm – das entspricht in etwa dem Anteil von Milchzucker in der Muttermilch. Laut Geschäftsführer Florian Schnau sei das weniger als bei der Konkurrenz. „Die meisten Eltern schauen im Regal nicht auf die Zutaten oder Nährwerte. Die kaufen eher nach Verpackungsfarbe oder danach, welches süße Tierchen auf der Verpackung ist“, teilt er mit. Das sei im stressigen Familienalltag verständlich, er sehe gerade deswegen Hersteller in der Pflicht. Trotz allem sollten Eltern die bei ihrem Nachwuchs beliebten Püreebeutel nicht verteufeln. In Ausnahmefällen kann man seinem Kind auch guten Gewissens mal ein Quetschie in die Hand drücken. „Wenn auf Quetschies für unterwegs zurückgegriffen wird, dann optimalerweise auf Produkte mit einem hohen Gemüseanteil oder reinem Fruchtpüree“, rät Dr. Ramminger. Zudem sollte neben dem Zucker aus dem Obst und Gemüse kein zusätzlicher Zucker oder extra Fruchtsaftkonzentrat enthalten sein.
Baby-Ernährung: Warum „Quetschies“ problematisch sind - WELT
„Quetschies“, also kleine Beutel mit püriertem Obst, mögen fast alle Babys. Allerdings haben sie keinen allzu guten Ruf. Zurecht? Hier geben Experten Antworten.






