PfadnavigationHomePolitikAuslandHaushaltskriseFrankreichs neuer Premier äußert sich zur Streichung von Feiertagen – und geht auf Linke zuVeröffentlicht am 16.09.2025Lesedauer: 3 MinutenFrankreichs Premier Sébastien Lecornu nimmt den Vorschlag seines Vorgängers zurück, zwei Feiertage zu streichen. Stattdessen sucht er andere Wege zur Haushaltssanierung und setzt auf Dialog mit gemäßigten Linken. „Wir brauchen tragfähige Lösungen“, sagt Lecornu.Wegen der immensen Staatsschulden wollte Frankreichs inzwischen gestürzte Premierminister Bayrou Feiertage streichen. Nun positioniert sich sein Nachfolger Lecornu zu dem Vorhaben und erklärt, welche „Finanzierungsquellen“ er erschließen möchte.In der Debatte um Sparmaßnahmen kommt Frankreichs neuer Premierminister Sébastien Lecornu der linken Opposition entgegen. Lecornu kündigte am Samstag an, dass er den Plan seines Vorgängers François Bayrou, zwei Feiertage zu streichen, nicht weiterverfolgen werde. „Ich wünsche mir, dass diejenigen verschont bleiben, die arbeiten. Deshalb habe ich entschieden, die geplante Streichung zweier Feiertage wieder zurückzunehmen“, sagte der Vertraute von Präsident Emmanuel Macron französischen Regionalmedien in einem Interview. Stattdessen brauche es andere Lösungen zur Sanierung der Staatskasse.Lecornu bemüht sich derzeit um einen Kompromiss unter den verschiedenen politischen Lagern, um einen Sparhaushalt für 2026 durch die Nationalversammlung zu bringen. Bayrou, der am Dienstag nach einer verlorenen Vertrauensfrage zurückgetreten war, hatte 44 Milliarden Euro einsparen wollen. Er war mit seinen Plänen aber auf heftigen Widerstand gestoßen. Insbesondere der Vorschlag zur Abschaffung von zwei Feiertagen hatte Unmut ausgelöst. Lecornu betonte, dass er auf den „Dialog mit den Sozialpartnern“ setze, um „andere Finanzierungsquellen“ für den Haushalt 2026 zu finden. Mit Blick auf die Forderung des links-grünen Lagers nach einer stärkeren Besteuerung großer Unternehmen und Wohlhabender äußerte er sich zurückhaltend. Er sei bereit, an „Fragen der Steuergerechtigkeit“ zu arbeiten, sagte Lecornu lediglich.Lesen Sie auchAb nächster Woche werde es Beratungen geben, wie Frankreich dezentralisiert, der Verwaltungsapparat verschlankt und Kommunalparlamenten mehr Verantwortung übertragen werden könne, sagte Lecornu. Er wolle Regierungsbehörden zusammenlegen oder ganz abschaffen und ehemaligen Kabinettsmitgliedern auf Lebenszeit gewährte Privilegien entziehen. „Reformen sind nicht immer nur ‚für die anderen‘, das schafft Misstrauen“, sagte Lecornu.Kreditwürdigkeit herabgestuftDie Ratingagentur Fitch hat die Kreditwürdigkeit Frankreichs am Freitag herabgestuft. Die aktualisierte Bewertung der Bonität des französischen Staats liegt nun bei A+ mit stabilem Ausblick. Fitch begründete die Herabstufung mit der politischen Instabilität im Land und insbesondere der Schwierigkeit, einen Haushalt aufzustellen – was wiederum den Bemühungen entgegenlaufe, die hohe Staatsverschuldung in den Griff zu bekommen.„Wir bezahlen für die Instabilität“, sagte Lecornu in dem Interview, als er auf die Fitch-Analyse angesprochen wurde. Steigende Zinsen für den Schuldendienst hätten direkte Folgen für die Staatskasse, aber auch für das Leben der Menschen und die Unternehmen im Land. In dieser Lage müsse man einen stabilen Finanzkurs finden – das sei „auch eine Frage der Souveränität“.Frankreichs Finanzlage ist seit Langem so schlecht, dass das Land mittlerweile zu den Schlusslichtern Europas zählt. Mit rund 3,3 Billionen Euro hat das Land den größten Schuldenberg in der Europäischen Union angehäuft. Gemessen an der Wirtschaftsleistung ist die Schuldenquote mit 114 Prozent die dritthöchste nach der Griechenlands und Italiens. Auch die Staatsausgaben gehören zu den höchsten in der EU. Das Defizit betrug im vergangenen Jahr 5,8 Prozent des BIP.AFP/dpa/dp
Haushaltskrise: Frankreichs neuer Premier äußert sich zur Streichung von Feiertagen – und geht auf Linke zu - WELT
Wegen der immensen Staatsschulden wollte Frankreichs inzwischen gestürzte Premierminister Bayrou Feiertage streichen. Nun positioniert sich sein Nachfolger Lecornu zu dem Vorhaben und erklärt, welche „Finanzierungsquellen“ er erschließen möchte.












