Paris. Die Situation in Frankreich ist angespannt. Alle Gewerkschaften haben für Donnerstag gemeinsam zu einem „nationalen Streiktag“ aufgerufen. Überall soll gestreikt werden, bei der Bahn, an Flughäfen, bei der Stromversorgung und in den Schulen. Die Behörden erwarten etwa 400.000 Demonstranten überall im Land, 80.000 Polizisten sind im Einsatz. Und ob es nur bei einem Streiktag bleibt, ist nicht sicher.Eigentlich wollten die Gewerkschaften gegen den ehrgeizigen Sparplan von Ex-Premierminister François Bayrou protestieren. Nun sind die sozialen Aufstände eine Warnung für dessen Nachfolger Sébastien Lecornu und die Haushaltskürzungen, die dieser für 2026 verabschieden muss, um Frankreichs enorme Staatsverschuldung zu verringern.114Prozentbeträgt die Schuldenquote Frankreichs.Doch Frankreichs Bevölkerung widersetzt sich hartnäckig jeder Einschränkung der Staatsleistungen. Das hat Folgen: Plante Bayrou noch, 44 Milliarden Euro einzusparen, schätzt der Warenkreditversicherer Allianz Trade inzwischen, dass es nur noch 20 Milliarden Euro werden.Dabei hat die EU längst ein Defizitverfahren gegen das Land eingeleitet. Schon 2024 hatte Frankreich ein Defizit von 5,8 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP), weit über den von der EU erlaubten drei Prozent. Bis 2029 wollte Paris die EU-Vorgaben wieder einhalten, doch ohne weitere Kürzungen wird das kaum gelingen.