PfadnavigationHomeGeschichteMondlandung„Das schwierigste, gefährlichste und größte Abenteuer“ – und danach viel ParanoiaVeröffentlicht am 12.09.2025Lesedauer: 4 MinutenJohn F. Kennedy am 12. September 1962 bei seiner berühmten Rede in HoustonQuelle: picture alliance/ZUMAPRESS.com/NASAAm 12. September 1962 hielt John F. Kennedy seine legendäre Rede zum Projekt Mondlandung, das die USA 1969 verwirklichten. Verschwörungstheoretiker wollen das aber nicht glauben. Sie verbreiten hanebüchene Mythen – was Hollywood mehrfach zu Höchstleistungen inspiriert hat.Die Rede sollte eine seiner berühmtesten werden: Als John F. Kennedy am 12. September 1962, einem warmen und sonnigen Mittwoch, das Football-Stadion der Rice University in Houston (Texas) betrat, hatte der 35. US-Präsident ein Manuskript dabei, das er sorgfältig mit seinem Berater und Redenschreiber Ted Sorensen ausgefeilt hatte.Denn es ging um nicht weniger, als die Nation für ein wahres Jahrhundertprojekt zu begeistern: die Mondlandung. Ein so gewagtes wie schwieriges und zudem im doppelten Sinne astronomisch teures Unterfangen, bei dem etliche Zweifler nicht überzeugt waren, ob es denn wirklich notwendig, und ob es technisch wie logistisch überhaupt machbar sei.Bereits am 25. Mai 1961 hatte Kennedy im US-Kongress in Washington D.C. angekündigt, vor Ablauf des Jahrzehnts einen Astronauten auf den Mond und wieder zurück auf die Erde schicken zu wollen. Nun legte er vor großem Publikum nach: 40.000 waren ins texanische Stadion gekommen, um den Präsidenten zu erleben.Lesen Sie auchUnd sie wurden nicht enttäuscht. In mitreißenden Worten appellierte Kennedy an den amerikanischen Pioniergeist. So wie einst die sich immer weiter gen Pazifik verschiebende US-Westgrenze sei das All nun eine „New Frontier“, die es zu erkunden galt. Auch beschwor er den amerikanischen Freiheitsgeist – in den USA könne jeder frei über sein Schicksal entscheiden. Das mündete in seinen berühmten Satz „We choose to go to the Moon“ (Wir entscheiden uns dafür, zum Mond zu fliegen).Kennedy schloss mit den Worten: „Vor vielen Jahren wurde der große britische Entdecker George Mallory, der auf dem Mount Everest sterben sollte, gefragt, warum er den Berg besteigen wollte. Er sagte: ‚Weil er da ist.‘ Nun, der Weltraum ist da, und wir werden zu ihm emporsteigen, und der Mond und die Planeten sind da, und neue Hoffnungen für Wissen und Frieden sind da. Und daher setzen wir die Segel und bitten Gott um seinen Segen für das schwierigste, gefährlichste und größte Abenteuer, zu dem die Menschheit je aufgebrochen ist. Danke.“Lesen Sie auchDie erfolgreiche Verwirklichung seines Vorhabens im Jahr 1969 erlebte Kennedy jedoch nicht, er fiel 1963 einem Mordanschlag zum Opfer. Dass es sich bei dem Schützen Lee Harvey Oswald dabei um einen Einzeltäter handelte, wollen bis heute manche nicht akzeptieren und spekulieren über vermeintlich verborgene größere Hintergründe – auch wenn die Fakten dagegen sprechen. Dass Oswald zwei Tage nach seinem Mordanschlag selbst von einem Attentäter erschossen wurde, befeuert die Verschwörungsmythen zusätzlich.Und nicht nur Kennedys Tod, auch sein Mega-Projekt der Mondlandung war bald nach seinem Gelingen von kruden Verschwörungstheorien umrankt. Das Unternehmen habe in Wahrheit nie stattgefunden, es sei vielmehr auf der Erde in einem Studio nachgestellt worden. Daran glaubt bis heute mancher – obwohl die US-Weltraumbehörde Nasa jedes einzelne Detail des Mondlande-Programms dokumentiert hat.Ein „Klassiker“ der Mondskeptiker: die US-Flagge, welche die Astronauten Neil Armstrong und Edwin „Buzz“ Aldrin in den Boden des Erdtrabanten rammten, wehe auf den TV-Bildern und Fotos deutlich erkennbar im Wind. Daher müsse die Szene auf der Erde inszeniert worden sein, denn auf dem Mond gibt es keine Atmosphäre. Letzteres stimmt natürlich. Doch es war kein Wind, der dafür sorgte, dass die Flagge weiter schwang, sondern im Gegenteil die Abwesenheit einer bremsenden Atmosphäre.Die Faszination und der Grusel, die Verschwörungsmythen auf viele ausüben, hat auch Hollywood ausgiebig aufgegriffen. In den späten 1970er-Jahren häuften sich „Paranoia-Filme“, was dadurch zusätzlich befeuert wurde, dass in der Zwischenzeit eine nicht vermeintliche, sondern ganz reale, große Verschwörung aufgedeckt worden war: Die berüchtigte Watergate-Affäre hielt die Nation knapp zwei Jahre lang in Atem und löste eine Verfassungskrise aus, welche US-Präsident Richard Nixon 1974 das Amt kostete.Entscheidenden Anteil daran hatten die Recherchen der „Washington Post“-Reporter Bob Woodward und Carl Bernstein. Auf Grundlage ihres Buchs „All the President's Men“ erschien 1976 eine Verfilmung von Alan J. Pakula, mit Robert Redford als Woodward und Dustin Hoffman als Bernstein, die zu einem sofortigen Klassiker des Genres wurde.Ein weiterer hervorragender und hochspannender Paranoia-Thriller griff 1978 die Mondlande-Mythen und Watergate in origineller Form auf: In Peter Hyams‘ „Capricorn One“ will die Nasa das Scheitern ihrer ersten bemannten Mars-Mission vertuschen und stellt die vermeintliche Landung auf dem roten Planeten im Studio auf der Erde nach. Doch die zur Kooperation gezwungenen Astronauten können entkommen, und der investigative Reporter Robert Caulfield (gespielt von Elliott Gould), der eine Verschwörung wittert, lässt sich in seinen Recherchen nicht beirren, obwohl er anfangs belächelt wird und wie die Astronauten bald in Lebensgefahr gerät.Von dem Vorhaben einer bemannten Mars-Mission war in den USA zuletzt wiederholt die Rede, Präsident Donald Trump und SpaceX-Gründer Elon Musk brachten entsprechende Pläne ins Spiel. Sollten sie verwirklicht werden, wird es sicher wieder neue Verschwörungsmythen geben – und womöglich auch ein Hollywood-Remake von „Capricorn One“.Martin Klemrath schreibt für das Ressort WELTGeschichte. Zu seinen Themenschwerpunkten zählen die Geschichte der USA, Technikgeschichte, Kulturgeschichte und Zeitgeschichte.
Mondlandung: „Das schwierigste, gefährlichste und größte Abenteuer“ – und danach viel Paranoia - WELT
Am 12. September 1962 hielt John F. Kennedy seine legendäre Rede zum Projekt Mondlandung, das die USA 1969 verwirklichten. Verschwörungstheoretiker wollen das aber nicht glauben. Sie verbreiten hanebüchene Mythen – was Hollywood mehrfach zu Höchstleistungen inspiriert hat.






