Wer über gute Kontakte verfügt und direkt an der Quelle sitzt, darf bereits viele Tage vor dem offiziellen Start des Oktoberfestes frisch gezapftes Wiesnbier trinken. Dies geschieht in kleinem Kreise, versteckt hinter hoch getürmten Containern und Lastwagen-Parkplätzen im Osten der Stadt in Riem, dort wo die gigantischen Tanks, Sudhäuser und Gärkeller von Hofbräu München (HB) angesiedelt sind.
Im holzverkleideten Bierstüberl steht am Montagnachmittag ein Holzfass, das Finanzminister Albert Füracker routiniert zum Rednerpult umfunktioniert. Dass an dem CSU-Politiker auch irgendwie ein Kabarettist verloren gegangen ist, weiß man seit seinen ziemlich witzigen Reden, die er jährlich beim Maibockanstich im Hofbräuhaus im Herzen Münchens hält. Diesmal ist der Mann, dem quasi Hofbräu gehört, weil Münchens kleinste Brauerei hundertprozentiger Staatsbetrieb des Freistaats Bayern ist, ein Quäntchen ernster.
Gilt es doch Michael Möller, seit 25 Jahren Direktor des staatlichen Hofbräuhauses, einen sanften Vorgeschmack auf folgende Abschiedsfestivitäten zu geben, weil dieser Ende des Jahres auf eigenen Wunsch hin aufhört. „Er ist ja nicht nur Mitarbeiter und Führungskraft, sondern er ist zu Hofbräu selbst geworden. Manche fragen mich schon, ob ihm eigentlich die Brauerei gehört“, sagt Füracker. Möller bekommt nun einen großen Zapfschlegel mit Gravur als erstes Abschiedsgeschenk.






