PfadnavigationHomePolitikDeutschlandFür Rente, Krankenkasse, PflegeSozialbeiträge für Gutverdiener sollen steigen – „Damit sind unsere Probleme nicht gelöst“Veröffentlicht am 08.09.2025Lesedauer: 3 MinutenExperten sehen beim Rentenpaket von Arbeitsministerin Bas Nachteile vor allem für junge Menschen. Das Paket sei eine „gewaltige Umverteilung zu Ungunsten der Jungen“, so Wirtschaftswissenschaftler Axel Börsch-Supan gegenüber „BILD“.Wer gut verdient, soll künftig mehr in die Sozialsysteme zahlen. Ein Entwurf in der Koalition sieht deutlich höhere Abgaben für Arbeitnehmer vor. Kritik kommt von vielen Seiten. Lesen Sie hier, welche Beitragsbemessungsgrenzen in Zukunft gelten sollen.Sozialbeiträge, Bürgergeld, Erbschaftssteuer - die Debatte um die geplanten Sozialreformen der schwarz-roten Bundesregierung nahm am Wochenende deutlich an Fahrt auf. Bundesarbeitsministerin Bärbel Bas (SPD) plant höhere Sozialbeiträge für Gutverdiener. Diejenigen, die mehr verdienen, sollen 2026 auf einen größeren Teil ihres Einkommens Renten- sowie Kranken- und Pflegekassenbeiträge zahlen müssen.Wie aus dem Entwurf hervorgeht, soll sich die Beitragsbemessungsgrenze in der gesetzlichen Rentenversicherung 2026 auf 8.450 Euro im Monat erhöhen (2025: 8.050 Euro/Monat).Lesen Sie auchVeränderungen sind ebenfalls für die gesetzliche Kranken- und Pflegeversicherung geplant: Aktuell beträgt hier die Beitragsbemessungsgrenze 5.512,50 Euro im Monat. Wie aus der Verordnung aus dem Arbeitsministerium hervorgeht, soll sie 2026 auf 5.812,50 Euro steigen. Die Beitragsbemessungsgrenze ist der Betrag, bis zu dem vom sozialversicherungspflichtigen Entgelt Beiträge für die verschiedenen Bereiche der Sozialversicherung berechnet und abgeführt werden.In der gesetzlichen Krankenversicherung steigt demzufolge auch die Versicherungspflichtgrenze auf 6.450 Euro im Monat; derzeit liegt sie bei 6.150 Euro monatlich. Die Versicherungspflichtgrenze (Jahresarbeitsentgeltgrenze) ist die Einkommensgrenze in der gesetzlichen Krankenversicherung, die Arbeitnehmer überschreiten müssen, um in die private Krankenversicherung zu wechseln.Viele Beschäftigte werden „doppelt getroffen“Zudem heißt es in dem Entwurf, dass das vorläufige Durchschnittsentgelt in der Rentenversicherung für das Jahr 2026 auf 51.944 Euro (2025: 50.493 Euro) festgesetzt wird. Es dient als Rechengröße in der gesetzlichen Rentenversicherung, um individuelle Entgeltpunkte zu ermitteln. Je höher das Durchschnittsentgelt, desto mehr muss man verdienen, um entsprechende Entgeltpunkte für die Rente zu bekommen.Die Rechengrößen für die Sozialversicherungen werden auf Grundlage der Lohnentwicklung bestimmt. Die gesamtdeutsche Lohnzuwachsrate im Jahr 2024 beträgt laut Entwurf 5,16 Prozent.Die Anhebung der Beitragsbemessungsgrenze findet in der Union grundsätzlich Zustimmung. Parlamentsgeschäftsführer Steffen Bilger (CDU) sagte dem Berliner „Tagesspiegel“: „Mit Blick auf die gestiegenen Löhne ist es nachvollziehbar, dass die Bundesregierung sich die Beitragsbemessungsgrenzen genauer anschaut.“ Allerdings verdeutliche die Höhe der Abgaben „den dringlichen Reformbedarf in unserem Sozialsystem“, fügte er hinzu. Lesen Sie auchDer CDU-Sozialpolitiker Dennis Radtke bezeichnete ebenfalls die Anhebung der Beitragsbemessungsgrenzen als notwendig. „Die Bundesregierung vollzieht die Lohnentwicklung nach und hat in der Sache wenig Gestaltungsspielraum“, stellte er ebenfalls im „Tagesspiegel“ klar. Problematisch sei jedoch, dass parallel auch die Zusatzbeiträge in der gesetzlichen Krankenversicherung weiter steigen dürften, „somit werden viele Beschäftigte gleich doppelt getroffen, statt endlich entlastet“. Viele Menschen hätten jedoch bereits „die Nase voll, weil sie trotz harter Arbeit kaum noch vom Fleck kommen“.Lesen Sie auchAuch der Bund der Steuerzahler kritisierte den Plan zur Anhebung der Beitragsbemessungsgrenzen bei der gesetzlichen Kranken- und Rentenversicherung. Reiner Holznagel, Präsident des Bundes der Steuerzahler, sagte der „Bild“ (Samstag, online): „Eine Erhöhung trifft vor allem Facharbeiter und Selbständige – ihre Krankenversicherungsbeiträge steigen sofort.“ Stattdessen brauche es endlich Einsparungen bei den Sozialleistungen. Deshalb sei „die Idee von Bas ist Bullshit“.Linke fordert „radikalen Gerechtigkeitsschub“Der Grünen-Vorsitzende Felix Banaszak stellte klar, die Anhebung der Beitragsbemessungsgrenzen sei eine ganz normale und faire Entscheidung, die schlicht der Lohnentwicklung folge. „Damit allein sind die Finanzierungsprobleme unserer Sozialversicherungen nicht gelöst“, gab er allerdings in der „Taz“ zu bedenken. Wer langfristig Stabilität wolle, brauche weitergehende Reformen und den Mut, das System solidarisch und zukunftsfest zu machen.BSW-Parteichefin Sahra Wagenknecht nannte die Pläne der Bundesregierung „halbherzig“. Diese werden nicht ausreichen, um die steigenden Sozialbeiträge zu stoppen, sagte Wagenknecht den Zeitungen der Funke Mediengruppe in Essen (Sonntag). Sie forderte den Einstieg in eine Bürgerversicherung: „Alle zahlen ein, und zwar proportional zu ihren Einkommen“, sagte die BSW-Chefin.Linken-Chefin Ines Schwerdtner verlangt, dass künftig alle Bürger in die Sozialversicherungssysteme einzahlen. „Alle müssen sich endlich an deren Finanzierung beteiligen und vor allem Reiche und Vermögende müssen deutlich mehr tragen als bisher“, sagte sie der „taz“. „Deswegen muss die Beitragsbemessungsgrenze in der Rentenversicherung deutlich erhöht werden und bei der Krankenversicherung wegfallen.“dpa/epd/AFP/KNA/reuters/kami
Für Rente, Krankenkasse, Pflege: Sozialbeiträge für Gutverdiener sollen steigen – „Damit sind unsere Probleme nicht gelöst“ - WELT
Wer gut verdient, soll künftig mehr in die Sozialsysteme zahlen. Ein Entwurf in der Koalition sieht deutlich höhere Abgaben für Arbeitnehmer vor. Kritik kommt von vielen Seiten. Lesen Sie hier, welche Beitragsbemessungsgrenzen in Zukunft gelten sollen.









