PfadnavigationHomeDebatteArtikeltyp:MeinungUkraine-KriegWarum Putin so brutal eskaliert? Weil er es kannVeröffentlicht am 08.09.2025Lesedauer: 2 MinutenWELT-Autor Tobias BlankenQuelle: Marlene Gawrisch/WELTIn der Nacht zum Sonntag hat Russland die Ukraine mit schwersten Luftangriffen überzogen. Wladimir Putin fühlt sich obenauf – ein halbherziger Westen gibt ihm das Gefühl, mit jedem Verbrechen durchzukommen.Wladimir Putin eskaliert. In der Woche mit Worten, am Wochenende dann mit Waffen. Die – rein hypothetische – Debatte, ob und welche westlichen Länder Truppen nach einem Waffenstillstand in die Ukraine entsenden, quittierte der Kreml-Herrscher am Freitag mit der Drohung, dass Russland „insbesondere jetzt während der Kämpfe“ von der Prämisse ausgeht, „dass sie ein legitimes Ziel sind“. Noch höhnischer bügelte der Ex-KGB-Mann die Forderung nach einem Treffen mit dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj ab, dafür gäbe es nur einen Ort, „die Hauptstadt der Russischen Föderation, die Heldenstadt Moskau“.In der Nacht zum Sonntag dann die Waffen, Russland hat nahezu alle Landesteile der Ukraine mit Kampfdrohnen und Marschflugkörpern unter Beschuss genommen. Beim wohl schwersten russischen Angriff seit Kriegsbeginn zählte die ukrainische Luftwaffe allein 805 Kampfdrohnen, von denen sie nach eigenen Angaben nur 751 abfangen konnte – die schiere Masse überforderte die Ukraine, mit tödlichen Folgen. Dazu dann die Bilder von einem brennenden Regierungsgebäude in Kiew, eine aus russischer Sicht gelungene Machtdemonstration.Lesen Sie auchWarum Putin so brutal eskaliert? Weil er es kann. Der russische Autokrat lebt wie in grauer Vorzeit in Thukydides‘ „Recht könne nur zwischen gleich Starken gelten, bei ungleichen Kräfteverhältnissen tue der Starke, was er könne, und erleide der Schwache, was er müsse“-Welt. Und er hat sich in dieser Welt gut eingerichtet. Hat gelernt, dass der Westen halbherzig reagiert, dass auch eine aus 26 (!) Ländern bestehende „Koalition der Willigen“ die Kraft vornehmlich auf dem Papier entfaltet, nicht auf dem Kriegsschauplatz. Und dass eine gute Miene bei hochtrabenden Trump-Gipfeln ausreicht, um diese mit schönen Bildern, aber ohne zählbare Friedenserfolge verlassen zu können.Apropos Donald Trump, der amerikanische Präsident gab sich an dem Wochenende ebenfalls martialisch, drohte auf seiner Social-Media-Plattform „Truth Social“ damit, dass bald herausgefunden wird, warum das Verteidigungsministerium jetzt „KRIEGSministerium heißt“. Das jedoch nicht gegenüber Moskau, sondern gegenüber einer amerikanischen Stadt, Chicago. Putin wird es gefreut haben, maximal breitbeinig führt Trump die Impotenz eines Westens vor, der sich im Kulturkampf selbst zerlegt – statt dem äußeren Gegner Einhalt zu gebieten.Wer in der letzten Woche hingegen die richtigen Töne gefunden hat, war Friedrich Merz. Laut dem Bundeskanzler ist Putin „vielleicht der schwerste Kriegsverbrecher unserer Zeit“. Und schob dann nach, „wie man mit Kriegsverbrechern umgeht: Da ist Nachgiebigkeit fehl am Platz.“ Allein, Worte beeindrucken Putin wenig, es liegt jetzt an Merz, diesen endlich auch Taten folgen zu lassen.