PfadnavigationHomeDebatteArtikeltyp:MeinungUkraine-KriegRussland trifft bei Eiseskälte die Ältesten und SchwächstenVeröffentlicht am 04.02.2026Lesedauer: 3 MinutenMenschen stehen bei Eiseskälte Schlange, um ein warmes Essen zu bekommenQuelle: picture alliance/dpa/AP/Sergei GritsPutin will die Ukraine in den totalen Blackout bomben. Stromausfälle gibt es im ganzen Land, die humanitäre Lage spitzt sich zu. Bei diesen systematischen Angriffen handelt es sich um eine Terrorkampagne.Auf minus 20 Grad sind die Temperaturen zu Wochenbeginn in Kiew gesunken. In einem der vielen Notzelte zwischen den Hochhäusern im Stadtteil Troieshchyna kauert die 75-jährige Veronika Ivanivna. Seit vier Tagen schläft die Rentnerin hier auf einer Pritsche, dick eingepackt in Schlafsack und Wollmütze. Wie bei Hunderttausenden anderen Menschen – von Kiew bis Charkiw – ist in ihrer Wohnung nach Wochen russischer Angriffe die Heizung vollständig ausgefallen.Russland will die Ukraine in den totalen Blackout bomben. Seit Monaten laufen koordinierte Angriffe auf die Energieinfrastruktur, große Teile davon sind zerstört. Stromausfälle gibt es im ganzen Land, die humanitäre Lage spitzt sich in der Eiseskälte zu. In der Nacht auf Dienstag schlugen in Kiew erneut mehrere Raketen ein – wieder standen Energieanlagen im Visier.Diese Attacken erfolgen nur fünf Tage nach der Aussage von US-Präsident Donald Trump, Wladimir Putin habe auf seine persönliche Bitte hin angeblich einer einwöchigen Feuerpause für Kiew zugestimmt – eine Zusage, die der Kreml so nie bestätigt hat. Die neue russische Angriffswelle ist vor allem eines: der ausgestreckte Mittelfinger des russischen Präsidenten in Richtung Westen und all jener, die auf einen schnellen Frieden hoffen. Dennoch wollen ukrainische, amerikanische und russische Vertreter in Abu Dhabi ihre Gespräche fortsetzen.Um es klar zu sagen: Die systematische Bombardierung der ukrainischen Energieanlagen ist eine russische Terrorkampagne. In keinem Winter zuvor zielten die Angriffe so eindeutig auf die Zermürbung der Zivilbevölkerung. Getroffen werden vor allem die Schwächsten, die Ärmsten, die Ältesten – Menschen wie Veronika Ivanivna. Tag und Nacht reparieren ukrainische Techniker die Schäden an Leitungen und Umspannwerken, nur um nach den nächsten Explosionen wieder von vorne zu beginnen.Wer nun argumentiert, auch Kiew greife Energieanlagen in Russland an, lässt den entscheidenden Punkt unerwähnt: Die ukrainische Armee attackiert Ölraffinerien und die russische Schattenflotte, um Putins Kriegswirtschaft zu treffen – nicht, um die russische Zivilbevölkerung im tiefsten Winter frieren zu lassen.Das westliche Bündnis, allen voran die sogenannte Koalition der Willigen, lässt Russlands Terrorkampagne seit Monaten zu. Der Ukraine fehlen Flugabwehrsysteme und vor allem Munition, um die Masse russischer Raketen abzuwehren. Präsident Wolodymyr Selenskyj klang wütend und verzweifelt, als er diesen Mangel vor wenigen Tagen öffentlich anprangerte.Gleichzeitig verfügt Kiew weiterhin nicht über ausreichend ballistische Raketen und Marschflugkörper, um tief in Russland zurückzuschlagen – etwa um Flugplätze oder Kampfflugzeuge zu zerstören, bevor sie aus der Luft tonnenschwere Gleitbomben auf ukrainische Städte und Stellungen abwerfen.Lesen Sie auchEin hochrangiger deutscher Diplomat sagte WELT in den vergangenen Tagen, es sei höchste Zeit für eine unmissverständliche Botschaft durch das westliche Bündnis an Moskau: Entweder ihr stellt die Angriffe auf die Energieinfrastruktur ein – oder wir versetzen die Ukraine in die Lage, euch empfindlich zu treffen. Und wenn ihr weitermacht, noch viel empfindlicher.Derzeit scheint der Kreml wenig zu fürchten. Schon „bald“, sagte Dmitri Medwedjew, Vizechef des russischen Sicherheitsrates, habe man den Krieg gewonnen. Während Putins Armee an der ostukrainischen Front von einem Sieg sehr weit entfernt ist, macht der Energieterror gegen die ukrainische Bevölkerung unübersehbare Fortschritte.