PfadnavigationHomeGeschichteWilliam McKinleyAls Trumps Lieblingspräsident ermordet wurdeVeröffentlicht am 06.09.2025Lesedauer: 7 MinutenZeitgenössische Darstellung des Attentats auf William McKinley (1843-1901)Quelle: picture alliance/United Archives/91020Am 6. September 1901 fiel William McKinley einem Attentat zum Opfer. Er war weder der erste noch der letzte US-Präsident, der ermordet wurde. Auch dem aktuellen Amtsinhaber Trump – der ein Faible für McKinley hat – wurde nach dem Leben getrachtet.Für das Amt des US-Präsidenten bedarf es diverser Qualifikationen – eine wichtige davon ist Nervenstärke. Die ganze Welt blickt auf die Amtsführung des amerikanischen Staatenlenkers, in Personalunion ist er Staatsoberhaupt, Regierungschef und Oberbefehlshaber der Streitkräfte. Jeden Tag können geschichtsträchtige Entscheidungen anstehen. Eine enorme Last der Verantwortung, die in der Gegenwart auch die Kontrolle über ein Atomwaffenarsenal umfasst, mit der er über das Schicksal des gesamten Planeten entscheiden kann.Und als wenn das alles nicht schon mehr als genug wäre, handelt es sich dabei außerdem um einen Job, bei dem man fortwährend in Lebensgefahr schwebt. Denn aus unterschiedlichen Motiven beschließen immer wieder zumeist junge Männer, zu Attentätern zu werden. Am häufigsten sind sie geistig verwirrte Einzeltäter, die sich ihre Opfer aufgrund von reinen Wahnvorstellungen aussuchen. Bei anderen Tätern handelt es sich etwa um religiöse Eiferer, Verschwörer oder Auftragskiller. Eine Gruppe von Gewalttätern, die um die Jahrhundertwende geradezu „in Mode“ geriet, waren „Anarchisten“. Deren wirren Ansichten zufolge ging es um die Bestrafung von Monarchen und politisch Mächtigen, um eine „Propaganda der Tat“. 1898 fiel ihnen Kaiserin Elisabeth von Österreich-Ungarn zum Opfer, 1900 wurde der italienische König Umberto I. von drei Schüssen tödlich verletzt.Und am 6. September 1901 war es der 25. US-Präsident, der von einem Anarchisten niedergestreckt wurde: William McKinley. Groß war der Schock in den USA, als der sehr populäre, erst 1899 für eine zweite Amtszeit wiedergewählte Republikaner niedergeschossen wurde, während er die Panamerikanische Ausstellung in Buffalo (US-Bundesstaat New York) besuchte. Eine Revolverkugel des Anarchisten Leon F. Czolgosz traf McKinley in den Unterleib, eine zweite in die Brust. Allen Hoffnungen zum Trotz, dass der Politiker das Attentat überleben würde, erlag er am 14. September 1901 mit 58 Jahren dem Wundbrand.Lesen Sie auchMcKinley war nicht der erste US-Präsident, der aufgrund eines Mordanschlags sein Leben verlor, und er sollte nicht der letzte bleiben: 1865 fiel mit Abraham Lincoln einer der bedeutendsten Staatschefs während eines Theaterbesuchs dem Attentat des fanatischen Südstaatlers John Wilkes Booth zum Opfer. Die Tat ereignete sich wenige Tage nach dem Ende des Sezessionskriegs, bei dem Lincoln als Anführer der Nordstaaten die Einheit der Nation bewahrt und die barbarische Sklaverei in den USA beendet hatte. Gut anderthalb Jahrzehnte später war es James A. Garfield, der 1881 nur wenige Monate nach seiner Inauguration an einem Bahnhof in Washington D.C. von dem offenbar geistesgestörten Charles J. Guiteau niedergeschossen wurde. Wie später McKinley wurde Garfield zunächst nicht tödlich getroffen, erlag aber seinen unzureichend versorgten Verletzungen.Lesen Sie auchDass es so weit kommen konnte, lag nicht zuletzt an aus heutiger Sicht erstaunlich laxen Sicherheitsmaßnahmen. So hatte man aus dem Mord an Lincoln keine Konsequenzen gezogen und die Sicherheit rund um den Präsidenten nie in nennenswertem Umfang verschärft. Garfields Termine und Reisepläne wurden häufig in Zeitungen angekündigt, sodass Guiteau es nicht schwer hatte, an sein Opfer zu gelangen. Auch nach Garfields Tod änderte sich kaum etwas, bis schließlich nach dem Mord an McKinley die Sicherheit des Präsidenten zur Verantwortung des Secret Service wurde.Dieser konnte in der Folge zwar manche Mordpläne durchkreuzen, agierte aber noch lange Zeit bisweilen geradezu fahrlässig, und das sollte sich 1963 rächen: Denn als US-Präsident John F. Kennedy an Schaulustigen vorbei durch Dallas (Texas) fuhr, handelte es sich bei seinem Fahrzeug um eine offene Limousine. Von einer Panzerung, wie sie im heutigen, wuchtigen Präsidentenvehikel (genannt „The Beast“) verbaut ist, keine Spur. Das nutzte der Attentäter Lee Harvey Oswald aus, ein zum Kommunismus übergelaufener Ex-Marine. Er tötete Kennedy mit einem Gewehrschuss aus dem sechsten Stock eines angrenzenden Gebäudes. Dass der Einzeltäter Oswald dabei so „leichtes Spiel“ hatte, wollen bis heute manche nicht akzeptieren und spekulieren über vermeintlich verborgene größere Hintergründe – auch wenn die Fakten dagegen sprechen. Dass Oswald zwei Tage nach seinem Mordanschlag selbst von einem Attentäter erschossen wurde, befeuert die Verschwörungsmythen zusätzlich.Die jüngste Attacke liegt noch nicht lange zurückEin knappes Dutzend Anschläge auf designierte, amtierende oder ehemalige US-Präsidenten gab es bis in die Gegenwart. Zweimal entgingen die Attackierten nur knapp und mit viel Glück dem Tod: 1912 schoss der geistesgestörte Stalker John Flammang Schrank eine Kugel in die Brust von Theodore Roosevelt, als sich dieser dreieinhalb Jahre nach seiner Amtszeit um eine erneute Legislatur bewarb. Ein dickes Redemanuskript und ein Metall-Brillenetui in der Brusttasche von Roosevelt hielten das Projektil auf und retteten sein Leben. Schlimmer traf es Ronald Reagan 1981: Als er vor einem Hotel in Washington D.C. die Präsidentenlimousine besteigen wollte, schoss der geisteskranke John Hinckley Jr. sechsmal auf ihn. Reagan erlitt schwere Verletzungen – eine Kugel durchschlug seinen Brustkorb, punktierte seine Lunge und verursachte starke innere Blutungen. Die Ärzte konnten ihn jedoch retten, und Reagan, der für Schlagfertigkeit und Humor bekannt und beliebt war, nutzte den Vorfall später wiederholt für schwarzhumorige Pointen.Die jüngste Attacke mit knappem Ausgang liegt noch nicht lange zurück: Am 13. Juli 2024 schoss Thomas Matthew in Pennsylvania auf Donald Trump, als dieser sich um seine zweite Amtszeit bewarb und eine Rede hielt. Trump wurde am Ohr getroffen und reagierte kaltblütig: Umringt von Secret-Service-Agenten reckte er die Faust hoch und skandierte „Kämpft! Kämpft! Kämpft!“, während im Hintergrund eine amerikanische Flagge wehte. Ein Bild, das Trump im Wahlkampf derart perfekt als „tough guy“ zeigte, dass manche Verschwörungstheoretiker abermals ein falsches Spiel, in diesem Fall eine reine Inszenierung witterten. Wenige Wochen später geriet Trump erneut ins Visier eines Attentäters, als er auf seinem Golfplatz in Palm Beach (Florida) war. Doch bevor dieser Schüsse abgeben konnte, schritt der Secret Service ein.Dass Trump Opfer eines Attentats wurde, verbindet ihn mit einem Amtsvorgänger, den man als seinen Lieblingspräsidenten bezeichnen kann: den eingangs erwähnten William McKinley. Zwar hat sich Trump diverse Strategien von Richard Nixon abgeschaut, mit dem er in den 1980er-Jahren eine Brieffreundschaft pflegte – von seiner rustikalen Rhetorik bis zu außenpolitischen Vorgehensweisen mit dem Faktor Unberechenbarkeit im Sinne von Nixons „Mad Man“-Theorie. Auch übernahm Trump zeitweilig einige Mitarbeiter aus dem ehemaligen Stab des umstrittenen Republikaners Nixon, der 1969 bis zu seinem Rücktritt 1974 im Amt war, darunter den schillernden Politikberater Roger Stone. Aber keinen anderen US-Staatschef erwähnte Trump bislang so oft wie McKinley, der von 1897 bis 1901 amtierte, und den Trump als sein wahres Vorbild bezeichnet hat. Zu der Fülle von Dekreten in den Anfangstagen von Trumps zweiter Amtszeit gehörte Anfang 2025 die Entscheidung, den Berg Denali in Alaska wieder in Mount McKinley umzubenennen. Diesen Namen trug der höchste Berg Nordamerikas von 1917 bis 2015, bis unter US-Präsident Barack Obama die Bezeichnung der Ureinwohner wiedereingeführt wurde.Ein symbolischer Schritt Trumps, der (wie auch die Umbenennung des Golfs von Mexiko in „Golf von Amerika“) den bewussten Rückgriff auf McKinleys imperiale Politik unterstreicht. Wie bei Trump stellte diese eine radikale Abkehr von der Politik eines demokratischen Vorgängers dar, in diesem Fall Grover Cleveland, der explizit anti-imperialistisch war, für niedrige Zölle und gemäßigte Außenpolitik eintrat – zuletzt dabei aber glücklos agierte. McKinley hingegen ritt die Welle der Expansionsbegeisterung, die zu dieser Zeit das Land erfasste. Die sich immer weiter gen Pazifikküste verschiebende „Frontier“, die seit Anbeginn die amerikanische Wirtschaft, Politik und Kultur entscheidend mitgeprägt hatte, gab es nicht mehr, der Kontinent war vollständig erobert. Als Antwort darauf forderten nationalistische Presse-, Wirtschafts- und Militärkreise eine selbstbewusste bis aggressive Außenpolitik, inklusive des Griffes nach Überseegebieten. McKinley kam dem nach: 1898 annektierte er Hawaii. Die pazifische Inselkette erlangte für die USA große wirtschaftliche und geopolitische Bedeutung, auch für die US-Kriegsflotte, die nun massiv ausgebaut wurde. Im Spanisch-Amerikanischen Krieg erhielten die USA im selben Jahr 1898 von den Spaniern die Philippinen, Guam und Puerto Rico. Auch den Bau eines Kanals, der in Mittelamerika den Atlantik mit dem Pazifik für den Schiffsverkehr verbinden sollte, trieb McKinley voran: den Panamakanal. Auf jenen kommt Trump immer wieder zu sprechen, er will mehr Kontrolle über die Wasserstraße. Auch bringt Trump fortwährend eine Annexion Grönlands und Kanadas ins Spiel, ganz im Sinne seines Slogans „Make America Great Again“. Diesen hat er allerdings weder von McKinley noch von Nixon übernommen – sondern von Ronald Reagan.Martin Klemrath ist Managing Editor bei WELTGeschichte. Zu seinen Themenschwerpunkten zählen die Geschichte der USA, Technikgeschichte, Kulturgeschichte und Zeitgeschichte.
William McKinley: Als Trumps Lieblingspräsident ermordet wurde - WELT
Am 6. September 1901 fiel William McKinley einem Attentat zum Opfer. Er war weder der erste noch der letzte US-Präsident, der ermordet wurde. Auch dem aktuellen Amtsinhaber Trump – der ein Faible für McKinley hat – wurde nach dem Leben getrachtet.








