Wo genau findet sich denn nun die Zukunft des Kinos auf dem 82. Filmfest in Venedig? Auf dem roten Teppich, oder eher doch auf der der gegenüberliegenden Seite der langgestreckten, aber sehr sehr schmalen Badeinsel, die der Lagunenstadt zum Meer hin vorgelagert ist? Wer dort auf ein kleines Pendelboot steigt, landet binnen einer Minute Überfahrt in vollkommen anderen Welten. Die winzig kleine Insel, die in Venedig „Lazaretto Vecchio“ genannt wird, ist das Zuhause von „Venice Immersive“. Früher befand sich in den Gebäuden das Auffanglager für Pest und Leprakranke. Heute stehen sie leer.

Eigentlich ist das die perfekte Kulisse für einen Horrorfilm à la „Blair Witch Project“. In diesem Fall aber sind sie der ideale, weil tageslichtarme Rahmen für 69 XR-Projekte aus 27 Ländern. Horror gibt es da auch zu sehen. Etwa in Form von vermeintlich lustigen Kackwurst-Avataren, der hot shit beim jugendlichen japanischen Publikum, das eher aus der Gamer-Szene als aus der altehrwürdigen Kinotradition des Sala Grande stammt.

Wer sich unterdessen fragt, was XR genau ist, der sei beruhigt: nicht zuletzt die vielen Varianten der immer neuen immersiven Techniken befeuern ein gewisses Begriffschaos: XR steht für „Extended Reality“ und ist ein Sammelbegriff für verschiedene Technologien, die reale und virtuelle Welten kombinieren.