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er freie Handel lebt, das ist eine wohltuende Erkenntnis in dieser Woche. Die EU ist ihrem Ziel sehr nahe, das größte Handelsabkommen abzuschließen, über das sie je verhandelt hat: eine Partnerschaft mit den südamerikanischen Mercosur-Ländern Brasilien, Argentinien, Uruguay und Paraguay. Mehr als 700 Millionen Menschen, die gegenseitig von einem Wegfall fast aller Zollschranken profitieren, vom Abbau unsinniger Handelshemmnisse, von einer intensiveren politischen Partnerschaft.

Dieses Abkommen ist auf den ersten Blick ein typischer Handelsvertrag der Europäer, der wie inzwischen üblich im Gewand eines umfassenden Partnerschaftsabkommens daherkommt. Auf den zweiten Blick ist es eine dringend benötigte Entlastung für Europa, dessen ohnehin lahmende Exportwirtschaft eingeklemmt wird zwischen China und den USA. Die Exporte in die Volksrepublik brechen ein, Zollmeister Donald Trump zwingt die Europäer, seine Abschottungspolitik zu akzeptieren. Alternativen müssen her.

Schritt zurück, dritter Blick: Mit dem Mercosur-Abkommen kann sich die Europäische Union als geopolitischer Akteur positionieren. Trump mag die regelbasierte Weltordnung zertrümmern, Russlands Präsident Wladimir Putin in seinem imperialen Wahn Tod und Angst verbreiten, das autoritäre China sein Weltmachtstreben fortsetzen – die EU verbleibt als verlässlicher Partner, mit dem man auf Augenhöhe verhandeln kann. Ein Partner, der sich an Regeln und Verträge hält und bereit ist, seinen Wohlstand zu teilen, um ihn für alle, die mitmachen, zu mehren.