„Darf ich mich noch von meiner Frau und meiner Mutter verabschieden?“, fragt Ruben C. mit waidwundem Blick. Richter Markus Koppenleitner nickt. Gerade hat der Vorsitzende der 19. Strafkammer am Landgericht München I. Ruben C. und seine drei Komplizen wegen schweren Raubes zu empfindlichen Freiheitsstrafen verurteilt und Ruben C. noch im Gerichtssaal verhaften lassen. Das Quartett hatte im April vergangenen Jahres mit einer Schreckschusswaffe im Anschlag den Rewe-Markt an der Putzbrunner Straße überfallen. Dabei ging es ihnen in den Augen des Gerichts nicht um Geld, sondern darum, sich in der Rocker-Gruppierung „La Familia“ zu beweisen.

„Sie haben die Menschen dort in Todesangst versetzt“, hielt Koppenleitner den vier Angeklagten im Urteilsspruch vor. Eine Zeugin habe bis heute Angst, dass das erneut geschehen könnte, einer der Angestellten habe vor Gericht immer noch verängstigt gewirkt. „Und eine 70-jährige Kollegin leidet bis dato unter psychischen Beeinträchtigungen“, sagte Koppenleitner an Hassan M. (Name geändert) gewandt. Kollegin, oder besser Ex-Kollegin, deshalb, weil Hassan M. in dem Rewe-Markt seine Ausbildung absolviert hatte. Und er dadurch wusste, dass es in dem Supermarkt keine Videoüberwachung gibt.