Der deutsche Buchmarkt zur Ukraine hat in den vergangenen drei Jahren eine Vielzahl von Neuzugängen gesehen. Der Grund dafür spricht nicht für das deutsche Verlagswesen, das offenbar bis zur russischen Vollinvasion die Ukraine, ihre Geschichte und Kultur für vernachlässigbar hielt. Dabei waren nicht alle Publikationen von Autoren, die sich tatsächlich durch eine fundierte Expertise zur Ukraine auszeichneten. Das ist im Fall des neu erschienenen Bandes „Ukraine-Studien. Einführung“ anders. Der Autor, der Historiker Andrii Portnov, gehört international zu den profiliertesten Kennern der ukrainischen Geschichte und er hat mit seiner jüngsten Publikation eine Lücke gefüllt.

Portnov hat keine Überblicksdarstellung der Ukraine geschrieben, sondern ihm gelingt es anhand von drei Hauptthemen (Geschichte, Politik und Gesellschaft; Sprache, Literatur und Kultur und schließlich Kulturkontakte und kultureller Austausch) tatsächlich das zu liefern, was der Titel verspricht: eine Einführung in zentrale Themen, Problemstellungen und Forschungsfeldern der Ukraine-Studien. Ein Anliegen Portnovs ist es dabei, die Geschichte der Ukraine eben nicht auf ihre Nationswerdung zu reduzieren, sondern im Sinne einer Verflechtungsgeschichte die Vielfalt ukrainischer Geschichte sichtbar zu machen. Während die Beziehungen zu Russland aus naheliegenden Gründen inzwischen vielfach auch in Publikationen für ein breiteres Lesepublikum thematisiert worden sind, öffnet Portnovs Buch auch den Blick für in Deutschland unterbelichtete Themen, wie etwa die Geschichte polnisch-ukrainischer und jüdisch-ukrainischer Verflechtungen. Die Konflikthaftigkeit und die phasenweise massive Gewalt in diesen Beziehungen spart er nicht aus, zeigt aber, dass etwa im Falle der polnisch-ukrainischen Beziehungen etwas gelang, das im Falle der russisch-ukrainischen Beziehungen (an Russland) scheiterte.