PfadnavigationHomePolitikAuslandGroßbritannienDas „D“-Wort steht wieder auf der Tagesordnung – nicht nur auf der rechten Seite des SpektrumsVon Anne McElvoyVeröffentlicht am 29.08.2025Lesedauer: 7 MinutenWahlkampf mit Abschiebungen: Nigel Farage bei einem Auftritt vor einem fingierten Abflugplan für „illegale Migranten“Quelle: Jacob King/PA Wire/dpaMit Protesten wenden sich Bürger in Großbritannien gegen die Unterbringung von Migranten in Hotels. Längst fordern auch Wähler der Labour-Partei einen härteren Kurs und Deportationen. Es ist die Folge einer jahrelangen Verharmlosung.Glasklar erinnere ich mich an mein Gespräch über Nigel Farage mit einer hochrangigen deutschen Diplomatin in London nach dem Brexit-Votum. Sie schäumte vor Wut über „diesen Mann“, der ein „Desaster“ über das Inselreich gebracht hatte, und ließ ihrem Hass freien Lauf.Als Antwort konnte ich nur anmerken, dass ich den Brexit als tiefe Störung der Beziehungen Großbritanniens zu Europa empfunden habe und ihn in diesem Sinne als bedauerlich bezeichnete. Aber ich versuchte meiner empörten Gesprächspartnerin klarzumachen, dass Farage, der das Referendum über viele Jahre angestachelt hatte, von den schattigen Randbereichen der euroskeptischen Debatte zu einer Position des Sieges über die „Business as Usual“-Politik gelangte und mit seiner Melange aus rauem Charme, List und Selbstbewusstsein große Teile der Bevölkerung für sich gewinnen konnte. Meine Gesprächspartnerin kam den Tränen nahe und verließ den Tisch.Nun ist Farage vom Initiator eines britischen „Leave“-Referendums über den Brexit zu einer größeren Sache aufgestiegen, von der er immer wusste, dass sie dahintersteckte – nämlich die Unzufriedenheit mit der Einwanderung und einem chaotischen Asylsystem. Lesen Sie auchDiese hat sich verstärkt, und damit ist auch Farages Anziehungskraft gewachsen. Eine Partei, die vor nicht allzu langer Zeit vom damaligen Premierminister David Cameron als bloße „Spinner und Verrückte“ verspottet wurde, liegt in den Meinungsumfragen zehn Prozent vor der Regierung und hat die Chancen der Konservativen Partei auf ein Comeback bei den Wahlen so gut wie zunichtegemacht, indem sie sich als Verteidigerin traditioneller „britischer“ Werte inszeniert – allerdings mit einem lauteren, schärferen und eindringlicheren Fokus auf die Eindämmung von Einwanderung und Asylrecht.Die alte Weisheit, dass die besten Generäle Glück haben müssen, gilt auch für den Farage-ismus. Die anhaltende Krise mit den kleinen Booten im Ärmelkanal und das Scheitern aller Versuche, dagegen vorzugehen – von Rishi Sunaks Versuch, die Ankommenden zu Asylanträgen in Ruanda zu verpflichten, bis hin zu Keir Starmer, der die angeschlagene französische Regierung aufforderte, in Calais mehr Maßnahmen zu ergreifen. Eine weitere Vereinbarung, die bei Friedrich Merz’ Besuch mit Deutschland ausgehandelt wurde, soll die deutschen Behörden dazu ermutigen, herauszufinden, wo Schlepper aufblasbare Boote lagern – und diese zu zerstören, bevor sie Calais erreichen.Man muss keine exzessive Skeptikerin sein, um zu erkennen, dass dies nur Kleinigkeiten sind, die die öffentliche Empörung darüber nicht lindern, dass die Nettozuwanderung unter der letzten Regierung auf mehr als 750.000 gestiegen ist und die Zahl der illegalen Einwanderer an der Südküste in diesem Jahr noch auf 25.000 anwachsen dürfte.