Weil es am Ende doch in Handgreiflichkeiten geendet ist, verlangt die „Magna Charta Bavariae“ vorneweg den Hinweis: Gewalt ist natürlich gar nia ned ein Ausweg. Aber beim vorangegangenen Inverkehrbringen einer Schweinshaxe als Wurfgeschoss, wie es bei einer Auseinandersetzung an einer Tankstelle im Allgäu vergangene Woche passiert ist, da kann man tatsächlich nicht umhin, sich mit einem gewissen Amüsement daran zu erinnern, dass gerade in Bayern regionale Spezialitäten immer wieder ballistisch missbraucht werden.
Zuallererst denkt man kulturhistorisch dabei natürlich an den Knödel. Der kommt im Vergleich zu regulären Kanonenkugeln zwar recht kleinkalibrig daher, eignet sich aber aufgrund der Form ganz wunderbar als sanftes Projektil. Beim „Pasinger Knödelkrieg“ zum Beispiel. Da baute der Werbegrafiker Helmut Winter aus Ärger über Düsenfliegerlärm ein Luftabwehrgeschütz, um mit Kartoffelknödeln die nervigen Starfighter vom Himmel zu holen – was letztlich sogar gelang. Zumindest ließ sich die Luftwaffe Ende der 1960er-Jahre auf eine andere Route ein.
Knödelkämpfer Helmut Winter mit einem Modell seines Flugabwehrgeschützes. (Archiv)
(Foto: Stephan Rumpf)
Die Knödelwerferin von Deggendorf brauchte sogar nur einen einzigen Treffer, um ihren Ort vor weiterem Unheil zu bewahren. Der Legende nach scheuchte sie im 13. Jahrhundert damit einen feindlichen Spion von der Stadtmauer. Ottokar von Böhmen gab daraufhin die Belagerung der Stadt auf – wer das Essen noch zum Herumschmeißen hat, dem ist als Eroberer schließlich nicht so schnell beizukommen.






