Auf dem Handyvideo der Seenotretter sieht man das Patrouillenboot der libyschen Küstenwache bedrohlich nahe, man hört Schüsse. Das Video ist am vergangenen Sonntag von Bord der Ocean Viking aufgenommen worden, dem fast 70 Meter langen ehemaligen Versorgungsschiff unter norwegischer Flagge, das seit 2019 von der Organisation SOS Méditerranée eingesetzt wird. Das Schiff mit dem charakteristischen roten Rumpf und den weißen Aufbauten hatte zu diesem Zeitpunkt 87 von nicht seetauglichen Booten gerettete Migranten an Bord. Es ist eines von etwa 20 Schiffen, die auf hoher See zwischen Libyen, Tunesien und der zu Italien gehörenden Insel Lampedusa versuchen, von Afrika nach Europa flüchtende Menschen vor dem Ertrinken zu retten.
Über den Vorfall 40 Seemeilen nördlich der libyschen Küste in internationalen Gewässern gibt es unterschiedliche Schilderungen. Das Ganze sei unspektakulär gewesen, wiegelte die dortige Küstenwache ab. Man habe nur Warnschüsse abgegeben, um das Rettungsboot zum Abdrehen zu zwingen. Ohnehin würden europäische Hilfsorganisationen bei ihren Beschwerden „immer übertreiben“. Die Mitarbeiter von SOS Méditerranée hatten einen entschieden anderen Eindruck und sprechen von einem gezielten Angriff. Von Bord des Patrouillenbootes sei direkt auf die Fenster der Brücke gezielt worden und auch die Rettungsboote der Ocean Viking seien beschossen und schwer beschädigt worden. Der Angriff habe zwanzig Minuten gedauert.











