PfadnavigationHomePanorama„Hijab für Mädchen“„Ein Zeichen, dass sich islamische Normen verbreiten“ – Angebot bei Otto löst Empörung ausVeröffentlicht am 29.08.2025Lesedauer: 3 MinutenIslamwissenschaftlerin Susanne Schröter kritisiert das Angebot von Hijabs für Kinder im Onlinehandel scharf. Sie sieht darin eine Erziehung gegen die Gleichberechtigung. Nach Bekanntwerden des Angebots löschte der Online-Händler Otto.de die Fotos von seiner PlattformEin Partnerhändler verkauft über Otto Kopftücher für Mädchen zwischen fünf und acht Jahren. Islamwissenschaftlerin Susanne Schröter kritisiert das Angebot scharf. Der Versandhändler reagiert unterdessen.Leichtes Tragegefühl, strapazierfähig und den ganzen Tag lang ein perfekter Sitz, „ganz ohne Verrutschen“: Ein Angebot auf dem Online-Marktplatz des Versandhändlers Otto wird auf X heftig kritisiert: Ein Händler bot dort bis vor Kurzem unter anderem zweiteilige Hijabs für Mädchen zwischen fünf und acht Jahren an. Neben der Pflegeleichtigkeit und den modischen Farben lobt der Händler den Sitz der Hijabs. „So kann Ihr Kind ungestört spielen und sich frei bewegen, während es stilvoll bedeckt bleibt.“ Auch komplette Gebetskleider mit integriertem Hijab oder Partneroutfits für Mutter und Tochter sind bei besagtem Verkäufer online zu bekommen. Empörung über Hijab-AngebotBesonders die Kopftücher für Mädchen zwischen fünf und acht Jahren – laut Beschreibung „ein zuverlässiger und modischer Begleiter, den Ihr Kind lieben wird“ – erhitzen online die Gemüter. Denn auch wenn Hijabs in Deutschland nicht verboten sind, sehen Kritiker durch die islamische Kopfbedeckung, mit der Frauen Haare, Nacken und Brust verhüllen, eine Unterdrückung der Frau bereits im Kindesalter. Der Hijab sei kein „modischer Begleiter“, wie in dem Beschreibungstext suggeriert, stellt die Islamwissenschaftlerin Susanne Schröter im Gespräch mit WELT TV klar. „Das würde auch kein Moslem so sehen.“ Viel mehr würden in muslimisch geprägten Ländern auch schon weibliche Säuglinge in Hijabs gehüllt, um sie an die Verhüllung zu gewöhnen, „damit eine Frau, wenn sie in die Pubertät kommt, keinen Widerstand zeigt“.Die gleiche Begründung würden auch Salafisten in Deutschland benutzen. „Der Hijab ist dafür da, die Ehre und die Reinheit der Frauen zu schützen. Damit niemand sie anschaut, damit die Männer kein Begehren entwickeln, ist die Frau eben gehalten, ihre Reize zu bedecken“, erklärt Schröter. „Das dient natürlich einer Ordnung, einer Gesellschaftsordnung, die an der Scharia orientiert ist.“Lesen Sie auchDas Online-Angebot sieht Schröter als „Zeichen, dass sich diese islamischen Normen verbreiten“.Auch Politiker äußern sich empört. „An diesem Angebot vom Otto-Versand ist alles falsch“, schimpft Gerald Ullrich (FDP) auf X. „Wir leben in einer freien, offenen Gesellschaft, in der Kinder nicht unter ein Kopftuch gezwängt werden.“ Lesen Sie auchAuch CDU-Politiker Stephan Meyer kritisiert die im Online-Versandhaus angebotenen Hijabs. „Der Hijab ist bei Muslimen ein Instrument der Unterordnung der Frau unter dem Mann. Er ist mit unseren westlichen Werten der Gleichberechtigung und Gleichheit von Mann und Frau nicht vereinbar. Das Versandhaus muss sich fragen, für welche Werte es steht.“Otto hat inzwischen auf die Empörungswelle reagiert und die entsprechenden Angebote für Kinder bei besagtem Partnerhändler auf seinem Online-Marktplatz deaktiviert. Auf der eigenen Homepage des Anbieters werden die Kinder-Hijabs weiter verkauft. „Insgesamt verkaufen derzeit rund 6200 Partner Waren über unseren Marktplatz“, erklärt Otto-Pressesprecher Ingo Bertram auf WELT-Anfrage. „Es stimmt, dass ein Marktplatzpartner Kinder-Hijabs für 5- bis 8-Jährige bei uns verkauft hat.“Kinder-Hijabs auf vielen gängigen Online-Marktplätzen verfügbarZwar würden alle Marktplatzpartner, die bei Otto verkaufen, einem umfangreichen Kriterien- und Auflagenkatalog unterliegen, der unter anderem den Verkauf verbotener Artikel klar ausschließt. Bertram weist jedoch darauf hin, dass der Verkauf von Gebetskleidern und Hijabs in Deutschland weder für Kinder noch für Erwachsene nicht verboten ist. Entsprechende Angebote würden sich auch auf anderen Marktplätzen finden. Tatsächlich findet sich beispielsweise auf dem Online-Marktplatz von Kaufland ähnliche Angebote für Mädchen. Bei den gängigen Händlern Amazon, Temu und Ebay werden unter anderem auch pinke Mini-Hijabs für Babys und Kleinkinder angeboten.Trotzdem hat sich Otto die Kritik offenbar zu Herzen genommen. „Wir möchten uns diesen konkreten Fall genauer anschauen, insbesondere weil der kritisierte Artikel eben explizit an 5- bis 8-jährige Kinder adressiert war“, erklärt Bertram. Ein Expertenteam werde dazu zeitnah beraten. „Wir haben die betreffenden Produkte auf unserem Marktplatz daher gestern vorübergehend deaktiviert, um intern zu klären, wie wir künftig mit religiösen Symbolen jedweder Art bei Produkten mit Kinderbezug umgehen werden.“saha