PfadnavigationHomeICONISTTrends„Tired Girl“-ÄsthetikMüde ist das neue Schön – die „Tired Girl“-ÄsthetikVeröffentlicht am 26.08.2025Lesedauer: 4 MinutenOb verwischte Mascara oder absichtlich betonte Augenringe – Model und Musikerin Gabbriette gilt als Inspiration für die neue Lust der Gen Z am ImperfektenQuelle: FilmMagic/Axelle/Bauer-GriffinDunkle Schatten unter den Augen, ein müder Blick, blasse Haut: Was lange als Makel galt, wird auf TikTok zur Ästhetik erklärt. Statt die Müdigkeit zu kaschieren, wird sie betont. Der vielleicht ehrlichste Beauty-Trend des Sommers.Gerade erst wurde viel über den Gen-Z-Stare berichtet – ein apathisch-leerer Blick, der den zwischen 1995 und 2010 Geborenen attestiert wird. Statt wie andere Menschen die Kommunikation durch Mimik zu begleiten, starren sie ihr Gegenüber lediglich unbeteiligt an, so die Beobachtung. Als prominente Beispiele für diesen Blick werden oft die Schauspielerinnen Jenna Ortega und Lily-Rose Depp genannt. Statt strahlend zu lächeln, blicken beide häufig mit ernster, unbeeindruckter Miene von roten Teppichen in die Kameras. Vor denen steht Ortega in diesen Wochen besonders oft: Gerade ist die zweite Staffel der Netflix-Serie „Wednesday“ gestartet – ein Ableger der legendär-düsteren Addams Family, mit Ortega in der Hauptrolle.Derzeit fallen ihre Namen erneut oft in einem Atemzug – wieder geht es um einen Bruch mit Erwartungen: Depp und vor allem Ortega gelten als Beispiele für die „Tired Girl“-Ästhetik. Unter diesem Begriff wird auf Social Media ein Schminkstil vorgemacht und inszeniert, der die jahrelang vorherrschende Idee verwirft, dass Concealer, Rouge, Highlighter, Mascara und Lidschatten dazu da sind, das Gesicht möglichst frisch und den Blick wach wirken zu lassen. Laut „CNN Style“ wurde müdes Aussehen in der Geschichte meist mit „schlechter Gesundheit, dem Altern und Unattraktivität in Verbindung gebracht“. Das ist dem „Tired Girl“ herzlich egal. Müdigkeit versteckt der Look nicht hinter getönten oder lichtreflektierenden Cremes, Foundations & Co. – im Gegenteil: Schatten rund um und vor allem unter den Augen werden mit dunklem Lidschatten noch betont. So wie es Herausgeberin und Content Creatorin Lara Violetta in einem im Juli auf Instagram hochgeladenen Video vormacht. Trägt das „Tired Girl“ Wimperntusche, darf diese auch verwischen; ungetuschte Wimpern lassen den Blick noch müder erscheinen. Mit halb geöffneten Augen blickt das müde Mädchen erschöpft-gelangweilt in die Welt – eine Übung, die dank des Gen-Z-Stare bereits sitzt. Wer bei TikTok den auch von „CNN Style“ genannten Suchbegriff „Tired Girl Makeup Tutorial“ eingibt, erkennt schnell: Der Look funktioniert erst richtig mit dem dazugehörigen Blick. Den setzte Jenna Ortega kürzlich auch noch mit blondierten, nahezu unsichtbaren Augenbrauen in Szene.Der Teint des „Tired Girl“ ist blass und wirkt fast durchscheinend, während andere mit Bronzer und aufgemalten Sommersprossen (ja, richtig gelesen – auch „Fake Freckles“ lagen schon im Trend) alles tun, um wie frisch von der Sonne geküsst auszusehen. Auch Model und Musikerin Gabbriette, die in vielen Tutorials als Inspiration auftaucht, zeigt sich oft mit diesem hellen Teint zum verschlafenen Blick. Das „W-Magazin“ bezeichnete die 28-Jährige als Ikone des „Indie Sleaze“ – jener exzentrisch-chaotischen Ästhetik der 2000er-Jahre, zu der auch Make-up-Spuren von langen Partynächten gehörten. Dokumentiert wurde das damals häufig in verwackelten Aufnahmen mit Analogkameras. Ebendieser Stil erlebt passenderweise gerade eine Renaissance auf Instagram.Auch Punk-, Grunge- und Gothic-Ästhetik spielten mit dem Kontrast zum Ideal einer frisch herausgeputzten, agil und gesund wirkenden Optik. In den 1990er- und 2000er-Jahren machte dann eine Schauspielerin vor, wie gut der müde Look auch auf dem roten Teppich aussehen kann: Angelina Jolie. Sie erschien damals oft mit blassem Teint und dunklen Augenschatten bei Filmpremieren und Preisverleihungen – und überstrahlte jede noch so bunt und perfekt geschminkte Kollegin. Jolie stach mit Charisma und schauspielerischem Talent hervor – und mit dem Image einer unangepassten Frau, der man nächtelange Exzesse ruhig ansehen durfte.Das Phänomen „Tired Girl“ entstand also nicht über (eine schlaflose) Nacht. Bereits im vergangenen Jahr kursierten ähnliche Schminkanleitungen auf Social Media, 2023 flackerte kurz der „Tired Eyes“-Look auf. Nun also der große Auftritt – ausgerechnet im Sommer, inmitten sonnengebräunter, fröhlich und strahlend wirkender Antlitze, denen man im echten Leben wie auch in den Netzwerken begegnet und hinter deren vermeintlich natürlicher Oberfläche meist viel Arbeit (und Geld) steckt. Dass der Hype gerade jetzt so groß ist, dürfte auch der medialen Präsenz von Jenna Ortega anlässlich der „Wednesday“-Fortsetzung geschuldet sein.Lesen Sie auchMan kann über einen Trend wie den des „Tired Girl“ schmunzeln, ihn als absurd abtun – oder in ihm eine logische Konsequenz aus den durch Social Media befeuerten Schönheitsidealen erkennen. Angesichts von Mittzwanzigerinnen, die ihre Gesichter durch Eingriffe optimieren lassen, sich offenbar nur gesund ernähren und absurd früh aufstehen müssen, um (vor der Kamera) ihre „Morgenroutinen“ inklusive Pilates zu absolvieren, und angesichts immer neuer Produkte, die endlich die angeblich langersehnte Erlösung von Augenschatten & Co. versprechen und doch nur neue Unsicherheiten wecken, kann man nämlich durchaus erschöpft und müde werden.Auch wenn sie künstlich erzeugt ist: Die betonte Imperfektion des „Tired Girl“ ist eine Reaktion auf die gefilterte, dem Perfektionswahn verfallene Ästhetik voller austauschbarer, gebotoxter Gesichter. Für einen TikTok-Trend wirkt es erstaunlich vernünftig, ein müdes, blasses, nicht gefallsüchtiges Aussehen zu zelebrieren. Praktischer Nebeneffekt: Viele können diesen Trend mitmachen, ohne auch nur ein einziges Make-up-Produkt zu kaufen.
Beauty-Trend „Tired-Girl“-Ästhetik: Augenringe wegschminken? Bloß nicht! - WELT
Dunkle Schatten unter den Augen, ein müder Blick, blasse Haut: Was lange als Makel galt, wird auf TikTok zur Ästhetik erklärt. Statt die Müdigkeit zu kaschieren, wird sie betont. Der vielleicht ehrlichste Beauty-Trend des Sommers.







