Ich liebe mein Kind. Ich liebe aber auch Orte, an denen Kinder aus unterschiedlichen Gründen nicht zugelassen sind. Und so bin ich vor einiger Zeit für ein verlängertes Wochenende in eine große deutsche Stadt gefahren, wo die Technoclubs groß sind und die Nächte unendlich. Nicht, dass ich nach der Geburt meiner Tochter nicht schon mal alleine unterwegs gewesen wäre, sie ist jetzt immerhin dreieinhalb und ich bald 40, sodass es noch einiges zu erleben gibt, also für mich jetzt, nicht für mein Kind.

Leider verliefen diese ersten Individualreisen in meiner neuen Rolle nicht so, wie ich mir das vorgestellt hatte. Im Gegenteil, meine Freiheitsbilanz fällt dürftig aus. Reiste ich zu meinen engsten Freundinnen, um ihre neuesten Babys kennenzulernen, bedeutete das in Wahrheit, dass ich diese neuesten Babys wippend durch die Küche trug, bis ich mein eigenes Kind vermisste, während meine Freundinnen duschen gingen, für meinen Geschmack etwas zu lang. Reiste ich in ein bayerisches Wellnesshotel, das so viel kostete wie ein Langstreckenflug, ging ich nicht zum Faszientraining, sondern lag mit Bauchschmerzen am Pool, weil ich zu viele Windbeutel vom Süßigkeitenbuffet gegessen hatte und mich ausnahmsweise niemand vom Essen abhielt. Reiste ich bei Morgengrauen beruflich an einen völlig egalen deutschen Ort, für ein Interview oder eine Konferenz, hechtete ich abends mit vagen Schuldgefühlen in den letzten Zug, um schnellstmöglich wieder beim eigentlich bestens betreuten Kind zu sein, dem wir beigebracht haben, seine Bedürfnisse klar zu formulieren, konkret: „Geh weg, Mama.“