Es ist Ende Juli und große Teile unseres Sommerurlaubs sind noch nicht gebucht. Für die ungebundene, jüngere Version meiner selbst wäre das eine Verheißung. Heute führt es mir explizit vor Augen, dass ich die Kontrolle über mein Leben verloren habe.
Wie viele andere fahre ich zwar morgens zur Arbeit, sobald ich meine dreieinhalbjährige Tochter davon überzeugt habe, dass sich die Gesellschaft auf das Tragen von Klamotten verständigt hat. Ich gebe meine Steuererklärung ab, gehe zu Vorsorgeuntersuchungen und freitags werde ich manchmal mit dem Lastenrad beim Wocheneinkauf gesichtet, wobei ich bestimmt eine atmungsaktive Jacke trage. Voll in der Mitte der Gesellschaft angekommen, höre ich die ungebundene, jüngere Version meiner selbst stöhnen.
Dieser hart erarbeitete Schein hält exakt so lange, bis das Gespräch auf das Thema Urlaub kommt. Leider kommt das Gespräch pausenlos auf dieses Thema, ja, ich wage die These, dass permanent alle über Urlaub sprechen, liegt daran, dass die tradierten Statussymbole hinfällig sind. Mit dem Auto anzugeben ist out, ein Haus kann sich keiner leisten. Das Urlaubsgespräch jedenfalls, es beginnt harmlos: „Wo wart ihr an Pfingsten?“, streift dann die Meta-Ebene: „Es ist alles so teuer geworden“, um final den Dolch anzusetzen: „Wir fahren mit Freunden nach Sardinien, wie immer.“ Wie immer! Ich versuche, cool zu bleiben, und beglückwünsche die Menschen zu ihrem vorausschauenden Reiseverhalten. Bis jemand fragt, eiskalt: „Und ihr?“






