Ich unterbreche meine Sommerferien, um hier eine Lanze für die Sommerferien zu brechen. Ich dachte, in dieser erodierenden Gesellschaft seien wenigstens die noch etwas, auf das sich alle einigen können. Aber gut, mittlerweile macht sich ja auch schon verdächtig, wer dagegen ist, dass die Kinder wieder Dienst an der Waffe leisten sollen. Es sind besondere Zeiten.
Und zumindest für Journalisten scheinen die Sommerferien nicht mehr für die große Freiheit, sondern für ein großes Übel zu stehen. Zuletzt ist ein ganzer Moskitoschwarm sommerferienkritischer Artikel erschienen. „Die Kinder haben frei, die Eltern ein Problem: Wie sollen sie sechs Wochen überbrücken?“, stand auf Spiegel.de. Und der RBB deckte auf, dass „etwa die Hälfte der Eltern über 50 Prozent ihres Jahresurlaubs für die Kinderbetreuung“ nutzen (wofür sonst, Wellnessurlaube in Adults-only-Hotels?). Sogar in unserer SZ las ich: „Es ist Sommerferienzeit – oder, je nach Perspektive, die Saison des sechswöchigen Betreuungsnotstands.“ Eine herrlich herbstliche Sicht der Dinge, die Eltern.de zu der Frage provozierte: „Sind sechs Wochen Sommerferien noch zeitgemäß?“
Bei allem Verständnis für die Nöte von berufstätigen Müttern und Vätern (danke an dieser Stelle an Oma und Opa, zu denen unsere drei Kinder jeden Sommer voller Vorfreude aufbrechen, wenn wir noch nicht freihaben): Geht’s noch?! Mal darüber nachgedacht, dass unsere Kinder nicht zu viel frei haben – sondern wir zu wenig?







