Vor rund 30 000 Jahren meißelte ein Mann – und sind wir ehrlich, es war höchstwahrscheinlich ein Mann – aus Kalkstein eine Frauenfigur mit riesigen Brüsten und Schenkeln und einem Kopf, der fast gänzlich von so einer Art Strickmütze verdeckt zu sein scheint. Darüber, ob sich alle Frauen im Jungpaläolithikum durch diese Figur, heute bekannt als die Venus von Willendorf, repräsentiert fühlten, lässt sich trefflich spekulieren.

Jedenfalls beschäftigt uns spätestens seit jener Zeit die angemessene Wiedergabe weiblicher Anatomie. Dass Schönheit im Auge des Betrachters liege, ist in der Kunst zwar ein weitgehend akzeptiertes Argument, aber es hat nie ausgereicht, um Debatten über als missraten, reißerisch oder schlicht respektlos empfundene Frauenskulpturen zu verhindern.

Jüngstes Beispiel ist der Streit über die sogenannte „Store Havfrue“, eine Meerjungfrauenskulptur, die nach dem Willen der dänischen Palast- und Kulturbehörde von ihrem Standort vor der Festung Dragør im Südosten Kopenhagens entfernt werden soll. Im Jahre 2006 von Peter Bech, Marketingdirektor der Kopenhagener Langelinie-Promenade, bei einer chinesischen Firma in Auftrag gegeben, sollte die 14 Tonnen schwere Granitfigur als besser sichtbare „große Schwester“ der „Kleinen Meerjungfrau“ dienen. Die war vielen Touristen einfach zu klein. Doch von dort musste sie 2018 weichen, seitdem steht sie 15 Kilometer von Kopenhagen entfernt.