Zsolt M. betritt den Gerichtssaal, und eines ist offensichtlich: An Haarpracht mangelt es dem 46-jährigen Ungarn nicht. Zwar ist der braune Schopf kurz geschoren, aber durchaus vorhanden. Weit mehr als 70 Kilogramm an Perücken, Haarteilen und Extensions im Wert von einer Viertelmillion Euro soll M. im Jahr 2023 bei Einbrüchen in zwei Läden in München und Ottobrunn gestohlen haben. Wohl nicht zum Eigenbedarf. Doch die Beweisführung vor dem Schöffengericht am Amtsgericht München gestaltet sich am ersten Prozesstag – mit Verlaub gesagt – als haarige Angelegenheit.

„Das sind weit hergeholte Indizien“, poltert Verteidiger Alexander Klein los. Die Lichtbilder aus den Überwachungskameras seien zu schlecht, und nur weil sein Mandant Fotos von Haarteilen auf dem Handy hatte, sei das noch lange nicht aussagekräftig. Die beiden Taten habe sein Mandant nicht verübt, einen dritten Einbruch bei einem Juwelier in Planegg räume er jedoch ein.

Der Modus Operandi, so zu lesen in der Anklage, war immer derselbe: Nachts die Eingangstüren der Geschäfte aufhebeln, Haare in jeglicher Form in Müllsäcke füllen und verschwinden. Einer der Geschädigten gab bei der Polizei an, das seien wohl Experten gewesen, zumal man gezielt auf die teuren Naturhaare gegangen sei. An Bargeld oder Handys etwa hatten die Einbrecher kein Interesse.