Die Stimme leise wispernd, ein Gesicht wie eine Heiligenfigur, dazu noch Geschichten von einer schlimmen Jugend und Mobbing am Arbeitsplatz: Muss man Mitleid haben mit der 23 Jahre alten Maria P.? Der jungen Frau, die gleich zu Prozessbeginn vor dem Landgericht München I einräumt, dass sie als Bankangestellte aus der Filiale der Genossenschaftsbank am Rüttenauerplatz vergangenes Jahr fast eine halbe Million Euro aus dem Tresor gestohlen hat?

Ein „unbekannter Mann“, so sagt ihr Anwalt Santosh Gupta, habe mit ihr die Tat geplant und den Großteil des Geldes, nämlich 360 000 Euro für sich behalten, sie selbst habe nur 100 000 Euro bekommen. Maria P. blickt nicht nach rechts. Dort sitzt ihr Freund, oder Ex-Freund. Er ist angeklagt, weil man bei ihm 80 000 Euro aus der Beute fand.

Es war der frühe Morgen des 25. Oktober 2024, als ein Großaufgebot an Polizei zu der Bank in Obermenzing ausrückte, sofort eine Fahndung einleitete – und man tatsächlich zwei Männer festnahm. Zuvor hatte die Bankangestellte Maria P. im Schließfachraum der Bank den Alarmknopf gedrückt.

Den Polizisten erzählte die junge Frau, ein unbekannter Täter habe sie mit Gewalt und mit einem auf sie gerichteten, metallischen Gegenstand in der Hand gezwungen, in den Tresorraum zu gehen und ihm Geld auszuhändigen, so steht es in der Anklageschrift der Staatsanwaltschaft. Sie selbst sei an der Hand leicht verletzt worden. Noch am vermeintlichen Tatort gab Maria P. eine Personenbeschreibung ab – und fatalerweise entdeckten Erstzugriffsbeamte zwei Personen, auf die diese Beschreibung passte. Sie fesselten die Männer und brachten sie zur Inspektion.