(SZ) Im München der 1970er-Jahre konnte es passieren, dass in die Trambahn ein paar nackte Menschen stiegen, tropfnass von den Fluten des Eisbachs, der sie durch den Englischen Garten gespült hatte. Nun fuhren sie zurück, ohne Kleidung, ohne Fahrschein, um sich erneut in die Strömung zu stürzen. Nackt zu sein, war damals ein Zeichen der Freiheit, und wer, wie viele junge Münchner, von einer goldenen Zukunft als Gammler oder Chefideologe träumte, stand unverbrüchlich auf Seite der Nackten. Und dennoch: Geriet man, weil das Schicksal oder der Teufel es wollte, in eine von Nacktfahrern okkupierte Tram, kamen Zweifel auf, ob die schütter behaarten, triefenden Bäuche – von Schlimmerem gar nicht zu reden – tatsächlich ein überzeugendes Statement wider das spießbürgerlich verklemmte Establishment sind. Selbst als Sympathisant fühlte man sich unwohl, mit einem bloßen Hintern unfreiwillig in Tuchfühlung zu geraten, wobei das Tuch ja nur auf der einen Seite vorhanden war. Jetzt, nach vielen Jahren, kann man es zugeben: Wir hätten uns wohler gefühlt, wäre anstelle der Nackten ein Grizzlybär zugestiegen. Dieser hätte wenigstens einen anständigen Pelz.
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